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Bäume fällen für bedrohte Arten

Am Ballonweg an der Lägern will der Kanton den Wald auslichten. Wanderer aus Otelfingen haben dafür kein Verständnis.

Von Caroline Bossert Otelfingen &endash Etwas wackelig folgt die Kamera dem Ballonweg, der sich durch das Naturschutzgebiet an interessanten Bergstürzen und Felsflanken entlang zur Hochwacht hinaufschlängelt. Links und rechts drängen sich die Bäume und Büsche dicht an den teilweise schmalen Pfad. Wurzelstrünke und mit Moos bedeckte Steine säumen den Wegrand. Aus dem «Off» spricht leise und tief eine nüchterne Stimme: «Aus diesem schönen Weg wird in Kürze eine Waldstrasse, die mit schweren Forstwagen befahren wird.» Der Otelfinger Josef Tüfer hat dieses Video auf Youtube gestellt &endash als Hommage an seinen Lieblingswanderweg, den er seit Jahren wöchentlich begeht. Die Bilder des Videos gehören bereits der Vergangenheit an. In diesen Tagen stellt ein Bagger den ehemaligen Waldweg wieder instand und verbreitert ihn an seinen schmalen Stellen auf eine befahrbare Breite von 2,5 Metern, um ein Naturschutzprojekt zu realisieren. Rund 10 Bäume müssen dafür entlang des Weges weichen. An dessen Ende kommt ein Wendeplatz mit einem Durchmesser von 6 bis 7 Metern. «Wir wollen den Wald am Lägernsüdhang weiter auslichten, um seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu fördern», erklärt Ursina Wiedmer von der kantonalen Fachstelle Naturschutz. Zu diesen zählen etwa die Mauereidechse, die Schlingnatter, die Heideschnecke sowie einige Pflanzenarten, die besonders licht- und wärmeliebend sind. Auch der Otelfinger Gemeinderat steht hinter dem Projekt. «Das Gebiet ist durch seine Beschaffenheit prädestiniert dazu, die bedrohten Pflanzen- und Echsenarten zu fördern. Dass dafür ein paar 100 Meter Wanderweg verbreitert werden müssen, ist für mich kein grosses Übel», sagt Gemeinderat Markus Bopp. Seit 1993 wurde der Wald in diesem Gebiet in vier Etappen ausgelichtet. Einige Arten, wie zum Beispiel die Mauereidechse, konnten so ihren Bestand verdoppeln. Nun soll eine fünfte Etappe folgen. 50 bis 70 Prozent der Bäume werden dazu in diesem Teilstück gefällt. Das gesamte Gebiet muss dann regelmässig gemäht und entbuscht werden. Um diese Arbeiten zu verrichten, müsse man mit dem Forsttraktor und dem Personalbus zufahren können, sagt Ursina Wiedmer. Man wolle den Eingriff in den Weg so zurückhaltend wie möglich gestalten. «Wir tragen zum grössten Teil lediglich loses Material bergseitig ab und legen es talseitig wieder an.» Einen neuen Belag gebe es nicht. «Eine Art Zoo» Josef Tüfer hat dafür kein Verständnis. «Was hat Strassenbau mit Naturschutz zu tun?», fragt er empört. «Für mich sieht das alles mehr nach Gartenpflege aus.» Dies sieht auch der Wanderfreund Markus Feier so: «Für mich ist Naturschutz, wenn man der Natur freien Lauf lässt. Der Kanton will aber da oben eine Art Zoo errichten», sagt er spöttisch. «Wir machen beides. In manchen Gebieten überlassen wir die Natur sich selbst, und an geeigneten Stellen fördern wir durch Eingriffe ihre Vielfalt», kontert Wiedmer. Tüfer zeigt sich resigniert. «Der Bagger ist schon da. Jetzt kann man ohnehin nichts mehr tun.» Ausser eines: Er werde die neue Strasse filmen und ebenfalls ins Internet stellen. So könne sich jeder ein eigenes Bild machen.

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