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Bauern suchen Anschluss

Drei Milchbauern in Küsnacht halten ihre Kühe gemeinsam. Mit dem netten Nebeneffekt, dass Ferien drinliegen - auf dem Hoch-Ybrig oder in Tansania.

Küsnacht - Die Abdrücke von Mountainbike-Reifen schlängeln sich durch den Schnee - zwischen den Bauernhäusern und Scheunen im Küsnachter Weiler Chaltenstein hindurch hinunter zum Stall. Bauer Ueli Krebs steigt vom Velo und schaut nach seinen Kühen. Er trägt Wollmütze, einen Faserpelz und gefütterte Gummistiefel. Im Chaltenstein kann es kalt werden: Im Dezember mass Krebs minus 16 Grad.

Die meisten Tiere haben sich von ihren strohbedeckten Liegebuchten erhoben, sind zu den Fressständen getrottet und kauen am Silogras und am Mais herum, den Krebs dort verteilt hat. Die weniger hungrigen lassen sich im Laufhof Schnee auf das Winterfell rieseln oder den Rücken von der Motorbürste massieren.

Neubau oder aufhören

«Unsere Kühe», sagt Krebs, «fühlen sich bei diesen Temperaturen so richtig wohl.» Er und seine zwei Nachbarn Stefan Fenner und Werner Huber hingegen mussten sich an die Kälte bei der Arbeit im neuen Offenstall erst gewöhnen. Seit vier Jahren halten die drei ihr Vieh gemeinsam. «Wir alle hätten unsere Ställe erneuern müssen, und standen vor der Frage: neu bauen oder den Hof aufgeben», sagt Krebs. Der Plan vom gemeinsamen Stall war da schnell geboren. Doch im ersten Anlauf klappte es nicht: Die Meinungen über die Arbeitsteilung waren noch zu verschieden.

Zwei im Stall, einer hat frei

Erst ein schlauer Betriebsberater - und die Empfehlung des Kantons, nur einer der drei Bauern solle bauen - brachte den Druchbruch: Der Haldenstall gehört nun Ueli Krebs - Huber und Fenner haben sich eingemietet. Der Zins richtet sich nach den Milchlieferrechten der Bauern, und nicht etwa nach der Zahl eingestellter Kühe - 24 gehören Krebs, 21 Fenner, 13 Huber. Das mache man aus Solidarität, so Krebs, denn nicht jedes Tier gebe immer gleich viel Milch. «Mit diesen Einnahmen sollte der Stall innerhalb von zwanzig Jahren schuldenfrei sein», sagt Krebs. Auch wenn der Milchpreis auf rekordtiefe 52 Rappen fallen sollte. Um diese konservative Rechnung seines Beraters ist Krebs heute «gottenfroh».

Aber auch beim heutigen Milchpreis von 60 Rappen pro Liter bleibt nicht viel übrig. Was hingegen bei der so genannten Tierhaltergemeinschaft drinliegt, sind Ferien. Nicht im Sommer - da ist Feldarbeit angesagt - aber im Winter. «Wir sind immer zu zweit im Stall», sagt Krebs. Einer füttert die Kühe und die Kälber und kümmert sich um den Mist, der andere arbeitet im Melkstand. Und der Dritte hat eben frei.

Huber kümmert sich in seiner freien Zeit um den Gemüsegarten und den Hofladen, Krebs ums Büro. Manchmal auch ums Mitagessen für die Frau und die beiden Kinder. Seine Frau Ursula kann, weil auf dem Hof weniger Arbeit für sie anfällt, zwei Tage auf der Gemeindeverwaltung arbeiten. Fenner arbeitet nebenbei als Disponent und Chauffeur. Dank dem Zusatzverdienst liegen für die Familie Krebs dieses Jahr Skiferien in Hoch-Ybrig drin, im April vor zwei Jahren war es sogar ein Badeurlaub in Ägypten. Die Hubers verbrachten im Januar zwei Wochen in Tansania.

An Lebensqualität gewonnen

Das ist ungewöhnlich für Schweizer Bauern, aber ungewöhnlich ist auch ihre Zusammenarbeit: Im Bezirk ist Krebs ein ähnliches Beispiel nur aus Meilen bekannt, wo Reto Alig und Urs Goldschmied ihre Betriebe zusammengelegt haben. Der Berater der Chaltensteiner Bauern hat ihnen denn auch keine Illusionen gemacht. Für jede zweite Betriebsgemeinschaft, die er einsetze, müsse er eine wieder auflösen. Das habe er ihnen von Anfang an gesagt, sagt Krebs. Doch alle drei Bauernfamilien würden diesen Schritt jederzeit erneut machen. Ueli Krebs: «Auch wenn wir manchmal nicht gleicher Meinung sind. Wir haben zwar alle ein bisschen Entscheidungsfreiheit verloren, dafür aber einiges an persönlicher Freiheit und Lebensqualität gewonnen.» Lorenzo Petrò Ueli Krebs, Stefan Fenner und Werner Huber kümmern sich im Turnus um ihre Kühe im gemeinsamen Stall in Chaltenstein. Einer mistet, einer melkt, der dritte hat frei. Foto: Michael Trost

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