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Bei der Heimarbeit fiel manch einem die Decke auf den Kopf

Weil Microsoft den Firmensitz in Wallisellen umgebaut hat, mussten 400 Mitarbeiter ihr Büro für drei Monate nach Hause verlegen. Einen fixen Arbeitsplatz soll es auch künftig nicht mehr geben.

Von Florian Schaer Wallisellen – «Home Office» wurde für die 400 Angestellten von Microsoft in Wallisellen in den letzten drei Monaten zur Pflicht. Die Softwarefirma hatte sich entschieden, für den Umbau ihres Gebäudes die Büros komplett zu schliessen. Man hätte auch phasenweise umbauen können, sagt Mediensprecherin Barbara Josef. «Aber wir haben bewusst die radikalere Variante gewählt.» Josef selbst hat ihren Arbeitsrhythmus in den drei Monaten ohne Büro verändert. «Heute plane ich gezielt ein bis zwei Tage pro Woche Home Office ein. Das gibt mir die Gelegenheit, auch einmal tagsüber joggen zu gehen oder mir Zeit zu nehmen für Dinge, die im normalen Büroalltag nicht möglich wären – wie zum Beispiel mein Patenkind in den Klavierunterricht zu begleiten.» Mehr positive Rückmeldungen Ende Januar wird der Bau offiziell neu eröffnet, bereits jetzt stehen alle Arbeitsplätze vor Ort wieder zur Verfügung. Fest zugewiesene Plätze gibts indessen nur noch wenige. Gestern zu Hause am Projekt gearbeitet, heute mit dem Laptop mal im dritten statt im zweiten Stock Platz genommen, morgen lieber im Bistro mit Café und Gipfeli dazu. Als Devise gilt, sich die Zeit selber einzuteilen. «Einzelne Mitarbeitende waren am Anfang skeptisch», gesteht die Mediensprecherin. «Aber jetzt erhalten wir hauptsächlich positive Rückmeldungen.» Man schätze das Maximum an individuellen Freiheiten. Allerdings wachsen mit der Freiheit auch die Risiken. «Wenn Strukturen nicht mehr von aussen vorgegeben werden, muss man lernen, diese für sich selbst zu definieren», sagt Kevyn Eva Norton, die den Umbau vor Ort geleitet hat. Im Rahmen eines «Sommer-Tagebuchs» konnten die Microsoft-Mitarbeiter ihre persönlichen Erfahrungen festhalten. «Die Abgrenzung zwischen Privatem und Beruf nannten einige als Schwierigkeit. Und überraschend war, dass der häufige Gang zum Kühlschrank für manche zum Problem wurde.» Und: Für Mitarbeitende, die alleine leben, sei ein Gefühl von Abgeschiedenheit und Vereinsamung dazugekommen.«Das Soziale ist ein ganz zentraler Punkt», sagt auch Barbara Josef. Der kleine Schwatz vor der Kaffeemaschine, das Treffen auf dem Gang, mal ein privates Wort statt immer nur das nächste Projekt bereden; das alles war drei Monate lang weg. «Viele gaben an, dass sie das vermisst haben. Für mich gehört es zur Verantwortung einer Firma, ihren Mitarbeitern diesen Austausch zu bieten.»Jetzt, da sowohl die Arbeit zu Hause wie auch die Arbeit im Büro möglich ist, sind die einzelnen Teamleiter gefordert. Denn sie müssen nun neu definieren, wie viel zwischenmenschlichen Kontakt eine Gruppe braucht, wie viele Treffen sinnvoll sind. In der TV-Sendung «10 vor 10» hielt der Microsoft-Manager Marc Weder jüngst seine persönliche Bilanz so fest: «Gerade bei den Team-Meetings haben wir früher gesagt: Wir können das auch virtuell erledigen, weil wir uns sonst ja auch genug treffen. Jetzt haben wir die Sache eben umgedreht und sagen: Meetings haben eine neue Bedeutung. Nicht mehr nur der Inhalt zählt, sondern explizit auch das Soziale.» In einem Café statt im Büro arbeiten: Microsoft-Angestellte haben die Wahl, wo sie ihre Leistung für die Firma erbringen wollen. Foto: Madeleine Schoder

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