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«Bei Waffen setzen wir auch auf Selbstverantwortung»

Der Zürcher Polizeidirektor Hans Hollenstein (CVP) freut sich über den Erfolg der Rückrufaktion von Waffen.

Auffällig viele Zürcher bringen ihre Waffen zurück. Sind Sie überrascht?

Ja, sehr. Ich hätte nicht erwartet, dass so viele diese Chance wahrnehmen. Solche Aktionstage tragen zur Sicherheit bei. Wie lässt sich der Zulauf erklären?

Die Leute konnten schon früher ihre Waffe an einem Polizeiposten oder im Zeughaus abgeben. Ich denke aber, dass einige eine gewisse Hemmung verspürten. Jetzt aber, da wir die Rückgabe offiziell ausgeschrieben haben und vier weitere Aktionstage im ganzen Kanton anbieten, fällt es manchen möglicherweise leichter. Wie steht es eigentlich mit Ihnen als Wehrmann?

Ich war im Spiel, also bei der Musik, habe also keine Schusswaffe getragen, nur ein altes Bajonett, das ich zurückbringen möchte. Sind Sie als Polizeidirektor auch froh, dass möglichst viele ehemalige Dienstwaffen zurückgebracht werden?

Ja, weil natürlich immer gewisse Risiken bestehen. Deshalb verlangen wir von den Bürgern auch, dass sie aufpassen, wo ihre Gewehre und Pistolen untergebracht sind. Sie müssen sicherstellen, dass die Waffen nicht gestohlen werden können, dass auch spielende Kinder nicht an sie herankommen. Es besteht immer noch die Gefahr, dass sie unbeaufsichtigt in einem Estrich herumliegen, möglicherweise zusammen mit der Munition. Eine weitere Gefahr bleiben natürlich Affekthandlungen, wie wir das in der Schweiz leider mehrfach erleben mussten. Letzte Woche stand ein Mann vor Gericht, der mit seinem Gewehr ohne jeden Grund eine junge Frau erschossen hatte.

Das war eine verabscheuungswürdige Tat, und der Täter hat dafür seine Strafe erhalten. Die Armee will Rekruten künftig vermehrt daraufhin prüfen, ob sie ihnen eine Waffe geben soll oder nicht. Dazu gehört auch die Kontrolle während des Dienstes. Wenn sich ein Angehöriger der Armee auffällig benimmt, muss man sicherstellen, dass ihm die Waffe weggenommen wird. Zudem setzen wir auf die Selbstverantwortung: Wer von sich den Eindruck hat, er könnte einmal im Affekt zum Gewehr oder zur Pistole greifen, soll sein Gewehr ebenfalls abgeben, wenn sein jeweiliger Dienst beendet ist. Sollten die Wehrleute nicht mit der Munition gleich die Waffe im Zeughaus lassen?

Von logistischen Problemen einmal abgesehen, scheint mir das politisch nicht machbar. Das Thema polarisiert bis heute. Wir haben aber einen guten Kompromiss gefunden. Dazu kommt, dass die grosse Mehrheit aller Waffen, die in der Schweiz im Umlauf sind, nicht von der Armee stammen. Dieses Problem bleibt in jedem Fall ungelöst. Wie erklären Sie sich, dass in der Schweiz deutlich weniger Gewaltdelikte mit Schusswaffen vorkommen als in den USA?

Ich kann nur sagen, dass die Armee das ihrige dazu beiträgt, indem sie die Rekruten sehr sorgfältig schult. Dazu kommt die hochentwickelte Disziplin der Schützenvereine, die dazu beitragen, dass Schiessen sicher betrieben wird. Ueli Maurer hat als SVP-Präsident immer eine grössere Armee gefordert, nun muss er als Verteidigungsminister das Gegenteil veranlassen. Ihre Meinung?

Das Problem ist nicht die Grösse, sondern die Bedrohungslage. Dass Bundesrat Maurer diese neu analysieren lässt, finde ich richtig. Und natürlich muss man die daraus gewonnenen Schlüsse umsetzen. Ausserdem rücken jetzt dann die geburtenschwachen Jahrgänge in die RS ein, das wirkt sich ebenfalls aus. Die Armee wird immer häufiger bei Unwettern und anderen Vorfällen eingesetzt. Wäre es nicht sinnvoll, die Rekruten und Soldaten konsequenter auf diese neuen Aufgaben hin auszubilden?

Das tut die Armee bereits und schult ihre Leute auch dafür. Letzte Woche zum Beispiel hat eine Veterinärkompanie einen Bauernhof im sankt-gallischen Gossau von möglichen Seuchenherden gereinigt.

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