Als Maradona Zürcher Uhrmacher zur Hochzeit einlud

Der argentinische Superstar spielte 1989 für Napoli gegen Wettingen – und wurde Stammgast bei der Chronometrie Beyer in Zürich.

1989 war Napoli zuletzt Gast in der Schweiz. Beim Spiel gegen Wettingen stand ein gewisser Diego Armando Maradona auf dem Platz. (Video: Raidue via Youtube)

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«Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes»: Mit diesen Worten rechtfertigt Diego Ar­mando Maradona nach Spielschluss sein eindeutig irreguläres 1:0 im WM-Viertelfinal von 1986 zwischen Argentinien und England. Auf dieses schändliche Intermezzo lässt der Superstar dann nur vier Minuten später einen Geniestreich folgen – es ist ein trickreiches, magisches Solo über 60 Meter zum 2:0, der Treffer wird später zum «Tor des Jahrhunderts» gekürt. Die Gauchos gewinnen letztlich 2:1, eine Woche später schlagen sie Deutschland im Final mit 3:2 und gewinnen ihren zweiten Titel; der «Pibe de Oro» krönt sich damit endgültig zum überragenden Fussballer seiner Ära.

Etwa drei Jahre später will es das Schicksal einer Auslosung, dass der ambitionierte, aber doch vergleichsweise kleine FC Wettingen in der zweiten Runde des Uefa-Cup-Wettbewerbs auf den italienischen Titelverteidiger SSC Napoli trifft; ein hoch dotiertes Starensemble, aus dem einer herausragt – der argentinische Goldjunge. Um der Affiche einen adäquaten Rahmen zu geben, vor allem aber aus Sicherheitsgründen und, damit einhergehend, um möglichst viele Zuschauereinnahmen zu generieren, verlegt Wettingen das «Heimspiel» vom 17. Oktober 1989 ins Zürcher Letzigrundstadion. Obwohl Maradona erst knapp 29-jährig ist, sich also faktisch noch im besten Fussballeralter befindet, ist bereits zu spüren, dass sich seine Prioritäten dezent zu verschieben beginnen, dass er bisweilen auch andere Dinge als Titel und Tore im Kopf hat.

Er beschenkte auch die Mitspieler

In erster Linie trifft die Feststellung in jenen Tagen auf die Hochzeit mit seiner langjährigen Freundin Claudia Villafañe zu. Das pompöse Fest ist auf den 7. November 1989 in Buenos Aires angesetzt – bloss wenige Wochen nach dem Gastspiel in Zürich. Und weil der (damals noch tadellose) Ruf der Bahnhofstrasse als Luxusshoppingmeile offenbar bis in den Süden Italiens vorgedrungen ist, sitzt – um es mit einem etwas schiefen Sprachbild zu formulieren – die «Hand Gottes» plötzlich an einem Verkaufstisch der Chronometrie Beyer und lässt sich edelste Uhrmacherkunst präsentieren. Und das nicht einmal, nein, Maradona wird in den Tagen vor dem Match gleich mehrfach vom Hotel Atlantis, wo die Mannschaft Napolis logiert, ins älteste Uhrenfachgeschäft der Schweiz chauffiert.

Fussballer mögen Rolex und Patek Philippe, verrät Geschäftsführer René Beyer. Foto: Keystone

Dies erfährt man in einer Ausgabe von Beyers Kundenmagazin «Beyond» aus dem Jahr 2014, in dem die «Grand Lady» Annette Beyer-Wild porträtiert wird. Die heute 86-jährige Verwaltungsrätin nämlich ist es, die sich – damals noch in ihrer Funktion als Patronne – exklusiv um die vielköpfige Entourage der Fussballikone kümmern darf. Und die im Magazin berichtet, Maradona sei «höflich, nett und dankbar» gewesen, habe fast immer den hellblauen Trainingsanzug getragen, meistens seine Verlobte dabeigehabt und bis am Schluss «etwa zehn Uhren» gekauft, wobei neben der Braut auch die Schwiegermutter und einige seiner Mitspieler beschenkt worden seien.

Und dann wäre da noch ein hübsches Detail, das wir in Frau Beyers O-Ton wiedergeben möchten: «Wegen seiner feinen Handgelenke suchte er sich eine ‹Nautilus› von Patek aus – in der Damenversion.»

Uhren interessierten ihn mehr als das Spiel gegen Wettingen: Diego Maradona und seine damalige Verlobte Claudia Villafañe bei Beyer. (Foto: RDB/Blick/Erwin W. Wyrsch)

Annettes Sohn René, der heutige Inhaber und Geschäftsführer, erinnert sich knapp 30 Jahre später vor allem noch an einen immensen Medienauflauf vor dem Laden. «Maradonas Manager erlaubte es eben nur einem ‹Blick›-Fotografen, ihn und seinen Tross beim Shopping abzulichten, alle anderen mussten draussen warten.» Aber nicht allein deshalb sei der Argentinier besonders gewesen, so Beyer (der im Gegensatz zu seiner Mutter dem Fussball durchaus verbunden ist; «speziell den Bayern, das ist dem Namen geschuldet»): «Er wollte uns sogar zur Hochzeit einladen, doch da haben wir passen müssen.»

Auf die Frage, welche sonstigen berühmten Fussballer in seinem Geschäft gepostet hätten, erwidert der Patron lachend: «Im Gegensatz zum Bankgeheimnis ist das Juweliergeheimnis nach wie vor intakt. Aber was ich verraten kann: Die meisten mögen die Marken Rolex und Patek Philippe.»

Video: Hier zeigt Maradona den Stinkefinger

An der Fussball-WM verliert Diego Maradona beim Siegtreffer von Argentinien gegen Nigeria die Fassung: Quelle: SRF (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.02.2019, 19:48 Uhr

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