«Dank Lotto lebt das Lädeli»

Syl Betulius führt seit acht Jahren den kleinen Quartierladen Balasso & Betulius im Kreis 3. Sie sagt, es erfordere viel Kreativität, den Laden über Wasser zu halten.

Syl Betulius macht ihren Laden zum Quartiertreffpunkt. Foto: Doris Fanconi

Syl Betulius macht ihren Laden zum Quartiertreffpunkt. Foto: Doris Fanconi

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Geisskäse, Baumnusswurst und Red-Boy-Äpfel liegen in Ihrer ­Auslage. Erfüllten Sie sich mit dem Laden einen Kindheitstraum?
Ich komme eigentlich aus der Filmbranche. Früher arbeitete ich beim Fernsehen als Cutterin, heute produziere ich noch immer Kurzfilme. Mein Traum war es aber, etwas Eigenes zu haben.

Wo in Ihrem Laden ist Syl Betulius spürbar?
Ich liebe zum Beispiel Geisskäse, das spiegelt sich im Angebot. Wenn ich für einen Kunden Käse schneide, gönne ich mir ab und zu auch ein «Schnäfeli». Was ich mir früher nie vorstellen konnte: ­Lebensmittel sind unglaublich vielseitig und spannend.

Wie sind Sie zu diesem ­Quartierladen gekommen?
Vor acht Jahren bin ich ziemlich blauäugig eingestiegen. Der Quartierladen war verschuldet, alles war chaotisch. Aller Anfang ist schwer – aber dieser Anfang hatte es wirklich in sich. Es dauerte Jahre, bis ich die Schulden abbezahlt hatte.

Wie haben Sie das geschafft?
Dank der Hilfe meines ehemaligen Buchhalters sowie meiner jetzigen Partnerin Christina Balasso sind wir seit einem Jahr endlich schuldenfrei. Ich bin eine kämpferische Natur, ich wollte es schaffen. Das verlangte nach Kreativität. Zum Beispiel organisieren wir jedes Jahr im Herbst einen Lottoabend.

Einen Lottoabend?
Vor acht Jahren fand unser erster Lottoabend statt. Und er war ein Erfolg. Es herrschte eine unglaubliche Stimmung. Die Teilnehmer zahlen für den Eintritt und die Lottokarten, die Preise sind ­gesponsert und sehr kreativ.

Können Sie ein Beispiel eines Preises nennen?
Der Gewinner erhielt beispielsweise Tennisstunden bei unserem ehemaligen Mitarbeiter Oliver, unserem Sunnyboy. Dieses Jahr ist der Hauptpreis ein supertolles Gummiboot.

Mich erinnern Lottoabende eher an Seniorentreffs.
Bei uns stimmt das überhaupt nicht: Es kommen die Coolen, die Alternativen, Familien – und auch Senioren. Insgesamt sind es zwischen 150 und 200 Personen, die meisten davon sind auch ­unsere Kunden.

Wie wichtig sind Ihnen ­Traditionen wie der Lottoabend?
Ich finde Rituale toll, und die Kinder lieben sie auch. Das spüren wir beim Lottoabend, und der gehört eindeutig zum Herbst – so, wie die Glace zum Sommer gehört. Das wissen alle im Quartier, von der Grossmutter bis zum Kleinkind.

Quartierläden liegen im Trend. Spüren Sie vermehrt Konkurrenz?
Die Kundinnen und Kunden kaufen heute bewusster ein. Sie überlegen sich sehr genau, wo und was sie einkaufen. Dank diesem Bewusstsein gibt es auch wieder mehr Quartier- und Bioläden, das stimmt. Ich sehe die Konkurrenz eher positiv, empfinde sie als belebend. Ich habe die Hoffnung, dass es hilft, nicht alleine zu sein.

Wie hat sich das Quartierleben durch den Laden verändert?
Wir geben dem Quartier einen Treffpunkt. Wenn beispielsweise eine Mutter im Stau steht, ruft sie mich an und fragt, ob das Kind nach der Schule im «Lädeli» auf sie warten könne.

Ich stelle mir vor, Sie haben einen ziemlich langen Arbeitstag.
Vor zwei Jahren war bei mir tatsächlich der «Pfuus» draussen. Ich hätte beinahe aufgehört. Die Partnerschaft mit Christina Balasso hat mir jedoch neuen Schwung gebracht. Die Komplimente aus der Nachbarschaft geben uns zusätzlich Energie.

Was planen Sie für die Zukunft?
Wir wollen während der Sommerzeit vor dem Laden Tische und Stühle aufstellen. Dort sollen die Quartierbewohner schwatzen und Kaffee trinken.


Lottoabend: Samstag, 1. November, im Johanneum, Aemtlerstrasse 43a; ab 18 Uhr; Startgeld: 30 Franken. www.balasso-und-betulius.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2014, 18:53 Uhr

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