Das Abc des günstigen Wohnens in Zürich

Baugenossenschaften legen Wert auf Partizipation. Wer am Gespräch über gemeinnütziges Wohnen teilhaben will, sollte folgende Ausdrücke kennen.

«Hallenwohnen» im mittlerweile abgerissenen Labitzke-Areal: Genossenschaften haben die Idee übernommen. Foto: Sophie Stieger

«Hallenwohnen» im mittlerweile abgerissenen Labitzke-Areal: Genossenschaften haben die Idee übernommen. Foto: Sophie Stieger

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  • ABZ, die

Die Allgemeine Baugenossenschaft ist die grösste in Zürich. 1916 wurde sie gegründet, 103 Jahre später gehören ihr knapp 5000 Wohnungen in und um Zürich. Pro Jahr erhält die ABZ 63 Millionen Franken Miete; ein Immobilien­imperium, das ohne Gewinn auskommt.

  • Anteilschein, der

Wer bei einer Genossenschaft wohnen will, muss zuerst einen Anteilschein kaufen. Durch diese Beteiligung wird man quasi zu seinem eigenen Vermieter. Soll ein gutes Gefühl sein, heisst es.

  • Baurecht, das

Viele neue Siedlungen von Zürcher Genossenschaften stehen auf städtischem Grund. Diesen erhalten sie im Baurecht, einer Art langjähriger Miete. Der Preis, den die Stadt von Genossenschaften verlangt, liegt deutlich unter dem Marktwert. Auch darum sind Genossenschaftswohnungen so günstig.

  • Bodenrente, die

Die Genossenschaftsbewegung entstand aus der Überzeugung, dass man mit Boden keinen Gewinn machen soll. Dank diesem Verzicht kosten Genossenschaftswohnungen von Beginn weg wenig. Und sie werden nicht teurer. Kein Wunder, wollen so viele eine haben.

  • Clusterwohnen, das

Diese neuere Wohnform soll das Beste aus zwei Welten vereinen, die Privatheit einer eigenen Wohnung mit den Gruppenfreuden einer WG. Möglich wird das dank bescheidenen Einzimmerwohnungen, die sich um einen Gemeinschaftsraum gruppieren.

  • Drittelziel, das

Im Jahr 2011 beschlossen 75,9 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher, dass bis 2050 ein Drittel aller Zürcher Wohnungen gemeinnützig sein muss. So steht es seither in der Stadtverfassung. Für die Genossenschaften bedeutet diese Vorgabe einen demokratisch verordneten Wachstumsdruck.

  • Gemeinschaftsraum, der

Um in Siedlungen ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, braucht es Räume, die Genossenschafter gemeinsam nutzen und gestalten können.

  • Gnossi, die

Wohlwollend verwendete Abkürzung für Genossenschaft.

  • Grundstück, das

Um das Drittelziel zu erreichen, suchen viele Genossenschaften nach bezahl­baren Grundstücken. Auf diese stösst man in Zürich etwa so selten wie auf Kaimane in Schweizer Seen.

  • Hallenwohnen, das

Vorgemacht haben diese Art des Zusammenlebens Mietkollektive und Hausbesetzerinnen, die sich in früheren Industriehallen einrichteten. Die Genossenschaft Kalkbreite will sie in ihrer neuen Siedlung an der Zollstrasse quasi nachbauen, wobei sie das Experiment wegen Sachzwängen eingeschränkt hat. Sie vergibt nun nicht wie angedacht ganze leere Stockwerke, sondern kleinere Einheiten, die bereits eingebaute «Sanitärkerne» haben.

  • Nachhaltigkeit, die

Zürcher Genossenschaften betonen gerne ihren Einsatz für die Umwelt. Sie testen neue Heizsysteme, verzichten auf Tiefgaragen oder beziehen ihr Gemüse gleich blockweise von Biohöfen.

  • Partizipation, die

Viele Genossenschaften fördern das Mitwirken ihrer Mitglieder. Überall sollen sie sich einmischen, bei der Planung neuer Siedlungen ebenso wie dem Anpflanzen eines Gemüsegartens.

  • Reinkommen, das

Wer in einer Genossenschaft wohnt, verlässt sie selten wieder. Das macht es für all jene schwer, die von aussen hineinwollen. Viele Genossenschaften haben wegen des Andrangs die Wartelisten abgeschafft. Am grössten sind die Eintrittschancen bei Neubauprojekten. Auch Partizipation kann helfen.

  • Generalversammlung, die

Die «Gefau» ist die Landsgemeinde jeder Genossenschaft. Selten kommt es zu Aufständen oder Abwahlen.

  • Wogeno, die

Gegründet im Jahr 1981, ist sie die Ur-Version der jüngeren, experimentierfreudigen Zürcher Genossenschaften wie Dreieck, Kraftwerk, Kalkbreite oder Mehr als Wohnen.

  • Wohnfläche, die

Zürcher Genossenschafter brauchen durchschnittlich sechs Quadratmeter weniger Platz als Mieterinnen auf dem privaten Wohnungsmarkt.

  • Workshop, der

Wer partizipiert, tut dies meist im Rahmen von Workshops, auch «Echoräume» genannt. Im Idealfall bringen sie gemeinsam entwickelte Ideen hervor.

Erstellt: 15.08.2019, 13:40 Uhr

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