Die Kunst, günstig sehr guten Kaffee zu machen

Am Samstag messen sich an der Aeropress Championship in Zürich zwei Dutzend Teilnehmer in einer neuen Art des Kaffeemachens.

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Selbst im Flieger von Zürich nach Singapur hat Kai Keong Ng seinen eigenen Kaffee gebraut. Die gesamte Ausrüstung dafür hat die Sicherheitsschleusen am Flughafen passiert, er konnte sie problemlos ins Flugzeug nehmen: zwei Plastikzylinder, die kleiner sind als eine kleine PET-Flasche, eine Handmühle, die in den Plastikzylindern Platz hat, ein Stahlkännlein, eine kleine Präzisionswaage und seinen Kaffee. All das versorgte er in einem Säcklein, das etwa so gross ist wie ein Necessaire. «Heisses Wasser erhalte ich überall auf der Welt – auch im Flieger», sagt Ng. Das Gerät mit den Plastikzylindern ist eine handbetriebene Kaffeemaschine, heisst Aeropress und wurde 2005 in Amerika erfunden.

Nur wenige Minuten dauert es, bis Ng damit seinen Kaffee gebraut hat: Zuerst netzt er den kleinen Papierfilter mit heissem Wasser an. Er mahlt 18 Gramm Kaffee und füllt diesen in einen der Plastikzylinder. Dann rührt er 50 Gramm Wasser an, das etwa 85 Grad heiss ist, 40 Sekunden später kommen 220 Gramm Wasser dazu. Schliesslich schiebt er den zweiten Zylinder in den ersten, der Luftdruck presst den Kaffee in die Tasse. 1 Minute 55 bis 2 Minuten 20 sollen vom Anbrühen bis zum fertig gepressten Kaffee vergehen. Der Aeropress ist einfach zu reinigen, die Spülmaschine schadet ihm nicht.

Ng will weder daheim noch auf Reisen auf guten Kaffee verzichten. Und geniessen kann er ihn nur, wenn er wirklich exzellent ist. Selbst daheim braut er seinen Kaffee nur noch mit der Aeropress – oder mit dem klassischen Filter, der wieder in Mode gekommen ist. Seine teure Espressomaschine ist fast nur noch Dekorationsgegenstand.

Jeglicher Kaffee ist machbar

Ng betreibt das neue Café Auer & Co. beim Impact Hub an der Sihlstrasse und ist Mitbesitzer der Kaffeefirma Bear Brothers and Cow. Dass er perfekt mit der Aeropress umgehen kann, hat er mehrfach bewiesen. Er ist zweimaliger Schweizer Meister und hat die Schweiz zweimal an Weltmeisterschaften vertreten. Der Vorteil der Kaffeemaschine mit zwei Plastikteilen? «Mit der Aeropress kann ich jeglichen Kaffee herstellen: vom filigranen Filterkaffee bis hin zum starken Espresso-ähnlichen Kaffee.» Der Kaffee ist etwas trüber, und der Espresso-ähnliche erhält keine Crema.

«Bei der Aeropress kann ich so viel Einfluss nehmen wie bei keiner anderen Methode», sagt Ng. «Ich kann den Mahlgrad des Kaffees variieren, die Wassertemperatur und die Brühzeit steuern und so Säure, Süsse und Bitterkeit beeinflussen.» Er kann damit die Intesität der bis zu 800 Aromenkombinationen bestimmen – Weine kommen gerade mal auf 400. «Spannend ist, dass sich Aromen und Geschmack in einer Tasse verändern, je mehr sich der Kaffee abkühlt», sagt Ng. Jeder Schluck ein neues Trinkerlebnis.

Küchenwaage reicht zu Beginn

Die Aeropress, das einfache Gerät, kostet gerade mal 36.50 Franken (www.bbc-coffee.ch). Die kleine Handmühle aus Stahl und mit Keramikmahlwerk erhält man für etwa 70 Franken. Für den Beginn reiche eine ganz normale Küchenwaage, die aufs Gramm genau sei und wohl in jeder Küche herumstehe.

Anfängern rät Kaffeeprofi Ng, mit einem Grundrezept zu beginnen und später mit anderen Rezepten zu experimentieren. Selbst die Rezepte der Weltmeister sind nicht geheim – sie werden alle veröffentlicht.

Aeropress Championship, Samstag, 23. April, ab 14 Uhr im Café Auer & Co. an der Sihlstrasse 131. Finale um 20 Uhr. Mit Rahmenprogramm wie Degustation, Markt, Vorträgen und Workshops. www.aeropress.ch

Erstellt: 19.04.2016, 19:44 Uhr

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