Die Standhafte

Die Condomeria hält und hält sich in der Zürcher Altstadt. Tagesanzeiger.ch/Newsnet kennt das Erfolgsgeheimnis. Ein Besuch mit Produktetest.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Fast verschämt liegt der Laden etwas Abseits der Münstergasse in der Zürcher Altstadt. Mit all dem glitzernden Firlefanz in der Auslage könnte er glatt als Schmuckgeschäft durchgehen. Erst aus der Nähe betrachtet erkennt man, dass die Ringe nicht für Finger gedacht sind.

Fein säuberlich aufgereiht liegen Plugs aus Edelstahl in unterschiedlichen Grössen im Schaufenster der Condomeria. Daneben funkeln «Anal Juwels» mit Swarovski-Kristallen. Jeder Millimeter ist belegt mit bizarr geformten Objekten, deren Anwendungsmöglichkeiten man nur erahnen kann. Im Ladeninnern setzt sich das Bild fort. Vibratoren mit Namen wie «Sharevibe», «Joyride» oder «Pearl of the orient» stehen in den Regalen stramm, daneben liegen Handschellen, Tantra-Feder-Teaser, Penispasta und Nippel-Quasten. Ein Kosmos aus allerlei Spielsachen und mittendrin Erika Knoll, die Hüterin der Geheimnisse hinter all diesen Gegenstände.

Masturbationseier und Vibratoren in der Condomeria: Ein Besuch bei der Condomeria im Niederdörfli.

Seit 12 Jahren ist sie die Geschäftsführerin der Condomeria. Schon in den Anfängen vor 28 Jahren hat Knoll in dem kleinen Laden mitten im Oberdorf ausgeholfen und miterlebt, wie sich die Altstadt gewandelt hat. Inhaber der umliegenden Läden haben gewechselt, Sortimente geändert – die Condomeria verharrt noch immer standhaft an ihrer angestammten Adresse, und das obschon sich das Geschäft mit Sexspielzeugen zunehmend ins Internet verschiebt und Kondome auch im Supermarkt angeboten werden.

Worin also liegt das Geheimnis des Erfolges? «In der kompetenten Beratung und in unserer Offenheit den Kunden gegenüber», sagt die Geschäftsführerin knapp. Knoll hat für jedes Bedürfnis das passende Tool und kennt den Anwendungszweck jedes Dings in der Condomeria. Sie ist eine Art Mission Control Center im Universum sexueller Stimulanzien. «Und wenn es um Kondome geht, weiss niemand besser Bescheid als wir.» Nun, sowas kann natürlich jeder behaupten. Die Autorin will es genauer wissen und macht den Test: Sechs Gegenstände aus dem Condomeria-Sortiment hat sie genauer unter die Lupe genommen und den Rat der Expertin dazu eingeholt.

Aus dem Ei gepellt

Sie sehen aus wie die Überraschungseier aus Schokolade – einfach mit Herzchen und Blumenornamenten drauf statt der orangeweissen Aluminiumverpackung. Kinder würden sicher danach greifen, stünden die bunten Eier im Süssigkeitenregal. Der Inhalt brächte die Eltern allerdings in Erklärungsnotstand, denn im Tenga-Egg steckt nichts zum Naschen. «Es ist ein Masturbartor für den Mann, der von den üblichen Taschenmuschis weggekommen ist», sagt Knoll. Das extrem dehnbare Silikonei ist innen hohl und hat Noppen. Alles klar? Alles klar. Das Tenga-Egg eigne sich übrigens gut als Geschenk, meint Knoll. Eben doch ein Überraschungsei. Einfach für grosse Jungs.

Handtaschen-Gleichberechtigung

Wie so viele Dinge in der Condomeria versetzt auch der sogenannte LadyP die Kunden in Erstaunen. Ein Trichter? Wozu? Und weshalb zweigt das Silikon-Objekt die Flüssigkeit um die Ecke? Die Erklärung ist simpel. «Der LadyP ist ein Bisitrichter», sagt Knoll. Sie seien vor allem bei Festivalbesucherinnen sehr beliebt, die den Gang zum Toitoi scheuen. Es gebe auch Modelle aus Karton. «Aber da geht vieles daneben und nach einmaligem Gebrauch landen sie meist im Gebüsch.» Dieser hier könne man zusammenklappen und in die Hosentasche stecken. «Bei uns hat eine Fernfahrerin einen solchen Trichter gekauft und sie ist fast ausgeflippt, weil sie nun endlich auch im Stau in eine PET-Flasche pinkeln kann wie ihre männlichen Kollegen.» Knoll rät allerdings dazu, unter der Dusche zu üben, damit das Experiment nicht in die Hose geht.

Sneakers für untenrum

Wussten Sie, dass es Kondome in den Grössen 45 bis 69 gibt? Berechnet wird dieser Wert durch den Schaftumfang des Kondoms in Millimeter geteilt durch zwei. «Wir reden gegenüber unseren Kunden allerdings nicht von gross oder klein sondern von eng und weit. Auch gibt es bei uns kein «normal» sondern «standard»», sagt Knoll. Die Standardgrösse liegt bei 52 bis 53. Die meisten Männer kaufen laut Knoll tendenziell zu kleine Kondome. «Es kommt nie einer in den Laden und greift gleich nach dem Extralarge-Modell. Viele murksen sich regelrecht in das Kondom rein und dann platzt es.» Dabei sei es so wichtig, dass das Kondom sitze wie ein bequemer Sneaker. Es sei bei der Wahl des richtigen Gummis wie beim Schuhkauf, sagt Knoll, man müsse ein passendes Modell finden, das nirgends drückt. «Schliesslich will man sich wie beim Laufen auf die Umgebung konzentrieren und keine Schmerzen haben.»

Diskretes Muskeltraining

In «Fifty Shades of Grey» sorgen die Metall-Liebeskugeln mit Namen «Inner Goddess» bei der Protagonistin für mächtig Ablenkung beim Galadinner. Kaum setzt sich Frau Steele zu Tisch, schon gehts Rund in ihrem Unterleib. Diese Filmszene dürfte den Geisha- oder Lustkugeln mächtig Auftrieb gegeben haben. Dass Frauen durch das alleinige Tragen der Dinger zu ungehanten Höhen aufschwingen, ist laut Expertin allerdings unwahrscheinlich. Mit diesem diskreten Beckenbodentraining lernen die Frauen aber, ihr Bewusstsein wieder auf die Körpermitte zu richten. «Man kümmert sich um alle Muskeln des Körpers – nur nicht um den Beckenboden», sagt Knoll. Dabei hilft gerade dieser Muskel, Orgasmen leichter zu erreichen.

Ein Busen gegen Stress

Der sogenannte Anti-Stress-Busen hat Ähnlichkeit mit der Brust aus Woody Allen Film «Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten», die wegen eines missglückten Experiments zu gewaltiger Grösse anwächst, durch die Gegend schwappt und alles unter sich zermalmt oder in Milch ertränkt, bis Allen sie mithilfe eines Kruzifixes in einen ebenso gewaltigen BH locken und dort einfangen kann. Der Silikon-Busen aus der Condomeria hat allerdings weniger bedrohliche Ausmasse «und seine wohltuende Wirkung liegt auf der Hand», sagt Knoll.

Der Duft machts

Wenns etwas heisser zu und her gehen darf, aber nicht gleich in der Notaufnahme enden soll, rät Knoll zu Massageöl-Kerzen. «Reifere Frauen mögen den Duft von Amber. Er ist schwer und üppig. Das passt zur Sinnlichkeit dieser Altersklasse», sagt sie. Die Jungen würden eher zu Kerzen mit Kokos- oder Vanille-Duft greifen, «die sind luftig und leicht.» Überhaupt sei der Geruch ein wichtiges Aphrotisiakum. Auch hier müsse es passen. Und darin liegt ein weiterer Teil des Erfolges der Condomeria: Das sinnliche Erleben der Toys. Ein Vibrator mag im Internet schön aussehen. Auf der Haut fühlt sich aber keiner an wie der andere.

Erstellt: 05.09.2017, 07:43 Uhr

Artikel zum Thema

Zürcher Shopping mit Stil

Die Stadt bekommt wieder einen Buchladen für Architektur, Kunst und Fotografie. An einem Ort mit blutiger Vergangenheit. Mehr...

Fenstersturz im Niederdorf: Prostituierte wieder auf freiem Fuss

Die beiden Rumäninnen, die nach dem mysteriösen Tod eines Freiers an der Häringstrasse verhaftet wurden, sind wieder frei. Mehr...

Das Niederdorf verliert eine Institution

Der Laden Läbis im Niederdorf war mehr als nur ein Ort, wo man Lebensmittel kaufte. Dass er jetzt schliessen musste, sagt auch einiges über das Quartier. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Dank Hightech sicherer im Schnee unterwegs

Gewinnen Sie mit Bächli Bergsport und Mammut ein Lawinenverschütteten-Suchgerät der neusten Generation.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...