Die längste Strasse Zürichs in 45 Sekunden

5660 Meter vom Milchbuck bis an die Stadtgrenze in Affoltern. Die Wehntalerstrasse ist ein asphaltiertes Musterstück.

Zürichs längste Strasse in 45 Sekunden: 5660 Meter von der Stadtgrenze in Affoltern bis zum Milchbuck. Video: Nicola Brusa und Raisa Durandi

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Es gibt in der Stadt Zürich extrem viele Strassen und Wege und Steige und Plätze. Mehr als 2500 sind es, mehr als 2500 benamste. Sie messen zusammen 740 Kilometer – das entspricht ungefähr der Fahrstrecke Zürich-Affoltern–Rotterdam. Sie belegen eine Fläche von rund 8'155'500 Quadratmetern, rund zweieinhalb Mal der Central Park oder 25-mal die Fläche des Irchelparks. Alle Strassen zusammen sind laut dem Tiefbauund Entsorgungsdepartement mehr als 2 Milliarden Franken wert. Jedes Jahr ein bisschen weniger, genauer: 44 Millionen Franken. Abschreiber.

27 Fussgängerstreifen, 20 Ampeln: Die längste benamste Strasse Zürichs. Bild: Raisa Durandi

Die längste Strasse der Stadt misst 5,66 Kilometer: Die Wehntalerstrasse reicht vom Irchelpark bis an den Katzensee. Es ist eine Strasse, die man erleben muss, die man spüren muss. Und so sind wir sie an einem dieser schönen Herbstnachmittage mit dem Auto abgefahren 5660 Meter Fahrvergnügen in all seine Facetten (flüssig, Stop-and-go). Unser Fazit: Das ist eine Strasse wie aus dem Katalog. Sie hat alles, was es für eine richtig lange Strasse braucht. Bäume, Tafeln, Parkplätze (blau und weiss), Mittelstreifen. Hinzu kommen:

  • 27 Fussgängerstreifen. Durchschnittlich alle 209 Meter kann die Wehntalerstrasse auf einem Fussgängerstreifen überquert werden. Die Dichte nimmt stadtauswärts ab, dort gibt es mehr Ampeln als Fussgängerstreifen. Die Fussgänger unteroder überqueren die Strasse dort auf Passerellen oder durch Unterführungen.
  • 20 Ampeln. Die grüne Welle erfasst einen irgendwann und spült einen aus der Stadt hinaus. Oder in sie hinein.
  • 11 Garagen. Was, wenn den geneigten Autofahrer ein Defekt ereilt? Kein Problem. Entlang der Wehntalerstrasse gibt es zahlreiche Garagen. Zehn für Autos, eine für Motorräder haben wir auf unserer Fahrt gezählt.
  • 4 Tankstellen. Damit der Most nicht ausgeht, hat alleine die Ölgesellschaft des grossen M an zwei Stellen zahlreiche Zapfsäulen installiert.
  • 1 Veloladen. Für die Radtour gibt es sicher bessere Strecken. Wer sich auf der Wehntalerstasse einen Plattfuss einfängt, dem wird dennoch geholfen.
  • 1 Pneuhaus. Die griffige Faustregel lautet: Von Ostern bis Oktober Sommerreifen, von Oktober bis Ostern Winterreifen.
  • Massenhaft Häuser. Links und rechts.

Von 3000 auf 26'000 Einwohner

Was die Wehntalerstrasse zur spannenden Strasse macht, sind ihre Gegensätze. Zum Beispiel am Zehntenhausplatz, wo ihre Geschichte sichtbar wird. Auf der einen Strassenseite der Löwen (inzwischen ein Steakhouse), mit blauweissen Fensterläden und einem verschnörkelten Schild. Das Gebäude ist ein Zeuge des bäuerlichen Affoltern: In den 40er-Jahren wohnten im Ort rund 3000 Leute – heute ist Affoltern eines der bevölkerungsstärksten Quartiere der Stadt mit ziemlich genau 26 000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Die Wehntalerstrasse: 5660 Meter Fahrvergnügen in all seine Facetten. Bild: Raisa Durandi

Der Boom, der in den 50er-Jahren einsetzte, zeigt sich gleich gegenüber des Löwen. Eine Anlehnung an Le Corbusiers Unité d’Habitation vielleicht, aber vor allem ein schwerfälliger Wohnbau auf dicken Betonstützen. Was für ein Gegensatz!

Der aktuellere Boom wird etwas weiter stadteinwärts sichtbar: Der Neubau der Genossenschaft Frohheim datiert aus dem Jahr 2006. Ein langer, bunter Block zieht sich die Strasse entlang. Google macht sichtbar, was bei der Autofahrt verborgen bleibt: Dahinter sind in einer Art modernem Park sieben Bauten verteilt.

Auf der anderen Seite wiederum ein Zeuge des dörflichen Ortes, der Affoltern mal war. Ein gedrungener Bau mit einem angebauten Holzschopf.

Die Strasse erzählt, wie sich die Stadt langsam Richtung Affoltern ausgebreitet und verdichtet hat. Jedes Jahrzehnt ist an einzelnen Bauten ablesbar. Einzelne Grünflächen haben aber auch «überlebt». Zum Beispiel die Kleingärten am Maienweg. Anschliessend der Friedhof Nordheim, laut Wikipedia 120'000 Quadratmeter Grün. Die Häuserreihe, die den Friedhof von der Wehntalerstrasse abschirmt, steht wiederum stark im Kontrast zur gegenüberliegenden Strassenseite. Hier Reihenhäuser mit kleinen Rundbögen über den Haustüren, gegenüber zwei Reihen wuchtige, moderne, nüchterne, gesichtslose Neubauten. Solche Gegensätze finden sich überall auf den mehr als fünf Kilometern.

Noch kurz in den Kreis 1

Diese Serie heisst «Züri Extrem». Und da möchten wir Ihnen nicht vorenthalten, dass die Wehntalerstrasse ausserhalb der Stadt noch viel extremer ist. Vom Katzensee bis zum Kreisel in Schneisingen AG, wo die Wehntalerstrasse zu Ende ist (oder wendet), sind es weitere 15 Kilometer.

Auf der anderen Seite der städtischen Strassenskala befindet sich übrigens die extrem kurze Lochmannstrasse. Sie misst nur gerade 30 Meter und ist damit die kürzeste Strasse der Stadt. Sicher, es gibt noch kürzere Verkehrsstrecken – das sind dann aber (zumindest dem Namen nach) Wege, Plätze, Gassen, Brücken, Tore oder Steige. Die Lochmannstrasse verbindet die Fraumünsterstrasse mit dem Stadthausquai beim Bürkliplatz. Sie hat auf der einen Seite acht weisse Parkplätze (maximal zwei Stunden) und auf der anderen Seite eine ordentliche Aussicht über ein Blumenbeet und auf den See.

Extremes Zürich: Das Bellevue-Team ist in der Stadt ans Limit gegangen und hat extreme Orte gesucht und besucht. Hier finden Sie alle bisher erschienenen Beiträge. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.10.2017, 10:36 Uhr

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