Die schönste Nebenstrasse von Luzern

Bevor es zurück nach Zürich geht, machen wir noch den Schlenker nach Luzern. Dort treffen wir Massimo Portmann – der bekannt wurde, weil er sich über den Stau aufgeregt hat.

«Motzer der Nation»: Eventmanger Massimo Portmann erlangte mit einem Youtube-Video Berühmtheit.

«Motzer der Nation»: Eventmanger Massimo Portmann erlangte mit einem Youtube-Video Berühmtheit.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach einer halben Stunde bereits leuchtet auf dem Display eine Meldung auf: «Pause einlegen», illustriert von einer dampfenden Kaffeetasse. Vielleicht ist das Auto wie wir müde von Baba Shrimps, die im Radio eine Zugabe nach der anderen spielen. Fahren wir also bei der nächsten Raststätte raus, müssen ja eh tanken. Und holen bei dieser Gelegenheit Hamburger und Pommes, die wir, schöne Ferienerinnerungen!, auf dem Parkplatz essen. Schmeckt wie warmer Karton, zugeklebt von Coca-Cola.

Beschleunigen und zurück auf die Autobahn. Freiheit fühlt sich dann am grössten an, kurz bevor sie endet.

fahnen wehen hallo #grandtour #luzern #postkartenstadt

Ein Beitrag geteilt von Das Bellevue (@bellevuegoestourist) am

Luzerns Fahnen und Fähnchen flattern im Sonntagnachmittagswind, als wir in der Postkartenstadt ankommen. Beim Casino am See finden wir im Parkhaus einen freien Platz. Vom nahe gelegenen Freibad kommt ein Schweizer Tourist zum Casino – in der Badi kann man nur mit Bargeld bezahlen, und im Casino gibts ausreichend Bancomaten.

Ob das Casino an diesem prächtigen Sonntag ebenfalls Gäste habe? Der Angestellte hinter dem Tresen nickt. Es ist seit neun Uhr geöffnet, Leute habe es immer. Hauptsächlich Männer. «An den Wochenenden gleicht sich der Anteil von Männern und Frauen aber etwas aus», sagt der Casino-Mitarbeiter. Ein Mann kommt, bezahlt den Eintritt und versucht sein Glück.

alter spielautomat im #casinoluzern

Ein Beitrag geteilt von Das Bellevue (@bellevuegoestourist) am

Wir wollen noch schnell ein Bild vom originalen Spielautomaten machen, der hinter dem Tresen im Foyer steht. Dürfen wir? Wir dürfen – müssen aber darauf achten, dass wir die Überwachungskamera nicht ebenfalls abbilden.

Auf die Bemerkung, wir seien noch nie in einem Casino gewesen, folgt leider keine Einladung. Dafür treffen wir Massimo Portmann. Der Luzerner, der hier als Eventmanager arbeitet, wurde vor fünf Jahren durch ein Video bekannt, in dem er sich lautstark über abgesperrte Strassen in der Stadt Luzern aufregt – aufgenommen in seinem Auto. Das Video lud er auf sein Facebook-Profil, von wo es runter- und auf Youtube hochgeladen wurde. Der «Motzer der Nation» war geboren. Für den heute 28-jährigen Portmann eine mühsame Geschichte, die nun endlich ruhen soll.

Wir haben ihn gefragt, ob er uns seine Plätze in Luzern zeigen mag. Der Blick von innen interessiert uns. Portmann hat zehn Jahre als DJ Prime gearbeitet, war Clubbetreiber, er kennt sich in dieser Stadt aus.

zum beispiel die #bargleis13 an der #lindenstrasse

Ein Beitrag geteilt von Das Bellevue (@bellevuegoestourist) am

In seinem alten BMW erreichen wir die Lindenstrasse im Stadtbezirk Reussbühl, eigentlich eine unscheinbare Seitenstrasse, aber bei den Einheimischen ­beliebt. Hier steht Portmanns erste eigene Bar: das Gleis 13. Gegenüber haben er und fünf Kollegen am Tag Partys ­veranstaltet. «Von 13 bis 22 Uhr haben wir mit allen Nachbarn hier gefeiert.» Wohnungen säumen die Strasse, ein Kinderhort, Portmanns Coiffeur in einem blauen Häuschen – und fertig ist die Lindenstrasse.

Die Lindenstrasse sei ein Kunstwerk an sich, schwärmt Portmann, als wir auf der Baselstrasse zurückfahren: «Und hier verkehren am meisten verschie­dene Nationalitäten auf engstem Raum!» Die Baselstrasse: eine kleine Zürcher Langstrasse.

Als sich vor uns ein Auto an der Autokolonne vorbeipresst, schrammt es die Verkehrsinsel und parkiert dann auf dem einzigen freien Parkfeld. «Oh mach der nid z Auto kaputt!», leidet Portmann mit. «Eifach wäge bitz Stress!»

In der Max-Bar trinken wir Cola Zero. Hier hat Portmann das Handwerk des Barkeepers gelernt. Gegenüber ist das Vögeligärtli: eine Wiese, ein Spielplatz für Kinder, Schachbrettfelder für die Erwachsenen. «Der einzige Flecken in der Stadt, der nicht überbaut ist», sagt Portmann. Eine Gruppe von Bekannten geht vorbei, von weitem winkt Portmann einem weiteren Kollegen zu. Ob er sich jemals überlegt habe, von Luzern wegzugehen? «Eigentlich nicht.»

Auf der Kapellbrücke sehen wir, wie sich dort die Touristen stauen. Vor den Uhren- und Schmuckläden warten die Cars, welche die Kundschaft direkt bei den Geschäften abladen. Konsumtourismus.

Zurück beim Casino, deutet Portmann auf die Seebadi und die angrenzende Promenade. Hierhin gehe man, wenn man etwas Ruhe brauche und entspannen wolle. Und einen Essenstipp hat er auch noch, bevor er sich verabschiedet: das Clubsandwich mit Pommes im Seecafé. «Das Beste, was du je gegessen hast.» Nächstes Mal dann!

Am Abend, während der Heimfahrt, spinnen wir die Ortsangaben auf den verschiedenen Verkehrsschildern munter weiter: Hinwil. Inwil. Nwil. Wil. Il. L – aber kein grünes.

Kurz vor Zürich stocken wir. «Stadt­einfahrt bei Wiedikon: Stau. Wartezeit dreissig Minuten», kommentiert der Radiomoderator. Dem Fahrer im Porsche Cabrio vor uns ist das egal: Auf dem kleinen Display schaut er «Sportpanorama».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.08.2018, 23:42 Uhr

Collection

Grand Tour



Das Bellevue-Team begibt sich mit Unterstützung von Schweiz Tourismus für sechs Wochen auf die Grand Tour of ­Switzerland. Folgen Sie uns auf grandtour.tagesanzeiger.ch und auf Instagram: bellevuegoestourist

Artikel zum Thema

Unser aller Emmentaler

Bellevue Der Käse mit den berühmten Löchern ist mehr als nur «ein Stück Schweiz». Er ist das Symbol dieses Landes – sein Urbild. Eine Spurensuche. Mehr...

Jolololüooooo!

Bellevue Die Jodlerin Melanie Oesch fährt uns an einen ihrer liebsten Flecken Heimat. Zum Juchzen! Im Eriz im Berner Oberland ist die Welt noch in Ordnung – oder? Mehr...

Eine gefährliche Liebschaft

Bellevue Als Züri-Tourist nach Basel? Darauf hatte unser Autor eigentlich gar keine Lust. Doch dann liess er sich richtiggehend verführen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Kaffee – von der Produktion bis zur Wiederverwertung

Der Kaffee von Nespresso mag zwar auf einer Plantage am anderen Ende der Welt wachsen, zuletzt landet er jedoch auf Schweizer Äckern als Dünger.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Kleine Feste auf die Schnelle

Michèle & Friends Drogen konsumieren für Fortgeschrittene

Zurück von der grossen Tour 

Was bleibt von einer sechswöchigen Reise einmal rund um die Schweiz? Mehr...

Und wie steht es mit Downtown Switzerland?

Bellevue Sechs Wochen lang haben wir das eigene Land bereist. Zum Abschluss wollen wir schauen, was Zürich zu bieten hat. Mehr...

Die schönste Nebenstrasse von Luzern

Bellevue Bevor es zurück nach Zürich geht, machen wir noch den Grand-Tour-Schlenker nach Luzern. Mehr...