Fünf Freunde mit Weitblick

Mit ihren selbst designten Brillen haben die Köpfe hinter Viu eine Nische entdeckt. Die Modelle sind fair produziert, schön – und vor allem günstig.

Die Welt als Brille und Vorstellung: Peter Käser, Kilian Wagner und Fabrice Aeberhard (v. l.) von Viu. Foto: Sophie Stieger

Die Welt als Brille und Vorstellung: Peter Käser, Kilian Wagner und Fabrice Aeberhard (v. l.) von Viu. Foto: Sophie Stieger

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Das Image der Korrekturbrille, das an ärztlich angehauchte Konsultationen im Brillengeschäft erinnert, soll entstaubt werden. So in etwa lautet die selbst gestellte Herausforderung von Kilian Wagner, Peter Käser und Fabrice Aeberhard, drei von fünf Freunden zwischen 30 und 35, die das Zürcher Brillenlabel Viu ins Leben gerufen haben.

«Die Schweizer bezahlen im Durchschnitt 600 Franken für eine korrigierte Brille, kaufen sich nur alle drei Jahre eine neue und entscheiden sich meist für ein möglichst unauffälliges Modell», holt Wagner aus. Sie aber würden die Brille als Fashionstück auffassen und daher als emotionales Produkt, das nicht nur nützlich sein, sondern vor allem zum persönlichen Look passen müsse. Ihre Ansicht: Die Brille steht im Dienst des Gesichts, dessen Konturen sie bestmöglich zur Geltung bringt. Deshalb setzen die Macher von Viu auf klare, einfache Formen und Naturtöne, bieten die rund 27 Einzelmodelle inklusive Sonnenbrillen in vier bis acht verschiedenen Farben an. Produziert werden sie in einem kleinen Familienunternehmen im Norden Italiens, das gute Qualität und faire Arbeitsbedingungen garantiert. Und doch ist das Ganze äusserst erschwinglich: Eine korrigierte Brille gibt es schon für 195 Franken. Wie geht das? Die Kosten für den Zwischenhandel würden komplett wegfallen, da Viu selbst entwerfe und direkt an die Endkunden vertreibe, begründet Wagner.

«Ursprünglich», erklärt Käser, «war Viu als Onlineshop geplant. Zusätzlich boten wir die Brillen in ausgewählten Läden zum Verkauf an, damit die Leute auch vor Ort anprobieren können.» Von der Nachfrage wurden sie regelrecht überrascht, als sie im Dezember 2013 online gingen. Auch der Service, während vier Tagen kostenlos vier Brillen zu Hause zu testen, fand grossen Anklang. Als Aeberhard an einem Ladenlokal vorbeifuhr, das freistand, wurde nicht lange gefackelt. Nach zwei Monaten Umbau­arbeit haben sie im April letzten Jahres das erste Geschäft in Zürich eröffnet. Sechs Monate später folgte ein zweites in Basel.

Brillen mit Geschichte

Der «Flagship»-Store an der Grüngasse im Kreis 4 wirkt denn auch mehr wie eine trendige Boutique als wie ein herkömmliches Fachgeschäft, obwohl zwei Optiker beratend zur Seite stehen. Der Laden, dessen Design Aeberhard und Christian Kägi (der Vierte im Bunde) konzipiert haben, ist nicht gross und bietet keine Sitzgelegenheiten zum Verweilen. Die hellgrauen Wände und der Betonboden verbreiten eine cleane Atmosphäre, an einem Holztisch stehen die Angestellten und tragen die Bestellungen ins iPad ein. Das gesamte Brillensortiment liegt auf weissen Platten ausgelegt, die horizontal in die Holzwand eingehakt sind. Gleich dahinter verbirgt sich das Büro, wo die Päckchen zum Versand bereitstehen.

Jede Brille trägt einen Namen, die für einen Charakter steht und aus denen sich Geschichten spinnen lassen. «Diva» ist eine kurvig-runde Erscheinung. «The Beast», ein Modell für Männer, fällt durch eine geometrische, eckige Form auf, und das Pendant für die Frau, «The Beauty», ist rundlicher und läuft katzenaugenförmig in eine angedeutete Spitze aus. Eine Spielerei, die frisch daherkommt und als Augenzwinkern gedacht ist. 60 Prozent der Brillen sind unisex. Welche am besten passt, entscheidet das Gesicht oder der Urgeschmack – wie beim älteren Herrn, der zufrieden mit seiner runden rosa Brille von dannen zieht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.01.2015, 18:14 Uhr

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