«Ich lebe von den Liebespaaren»

Xuân-Minh Fritschy backt und dekoriert Hochzeitstorten in ihrem Studio in Höngg. Die Technik hat sich die 30-jährige Zürcherin über Tutorials und Videoplattformen selber beigebracht.

30 Minuten für eine Rose mit 25 Blättern: Xuân-Minh Fritschy mit einer Torte. Foto: Dieter Seeger

30 Minuten für eine Rose mit 25 Blättern: Xuân-Minh Fritschy mit einer Torte. Foto: Dieter Seeger

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Eine Torte mit Apfel-Zimt-Biskuit, einer salzigen Caramelfüllung, dekoriert mit Zuckerrosen. Wie entsteht ein solches Meisterstück?
Das ist alles Handarbeit. Wie der Goldschmied für seinen Schmuck, brauche ich besonders für die Zuckerrosen viel Werkzeug. Die Zuckerrosen bestehen aus einer speziellen Blütenpaste. Die richtige Paste ist wichtig, damit die Blumen ihre Form behalten. Die Paste walle ich dünn aus und steche jedes Blütenblatt einzeln aus. Mit einem Ball-Tool bringe ich die Ränder der Blüte noch filigraner hin. Werden die Blütenblätter in Silikon eingelegt und gepresst, ergibt sich eine schöne Venenstruktur – die Blätter sehen fast aus wie echt.

Das hört sich sehr aufwendig an.
Je nach Grösse der Blume klebe ich 20 bis 50 solche Blütenblätter zusammen. Für eine Rose mit 25 Blättern brauche ich ungefähr 30 Minuten. Eine Torte kann durchaus mit 10 bis 20 Rosen bestückt sein.

Wie haben Sie das gelernt?
Die Technik habe ich mir selber beigebracht. Es gibt viele Tutorials und Videoplattformen. Blogger verdienen ihr Geld damit, Anleitungen mit Fotos online zu stellen. Die Amerikaner und Engländer kennen den Trend vom Cupcakebacken und vom Tortendekorieren schon lang. Dank Facebook ist der Trend vor fünf Jahren global explodiert und kam vor ungefähr drei Jahren in der Schweiz an.

Neben Technik braucht es aber auch viel Geduld, Zeit und Leidenschaft.
Ich habe früher intensiv getanzt. Als ich 2011 für eine Flamenco-Ausbildung nach Sevilla reiste, merkte ich, dass dies nicht meine Welt ist, und so habe ich die Schule abgebrochen. Plötzlich hatte ich viel Zeit und habe begonnen, Cupcakes zu backen. Ich entdeckte eine neue Leidenschaft. Da wusste ich, dass ich etwas mit den Händen machen möchte.

Warum haben Sie sich für ­Hochzeitstorten entschieden?
Ich liebe die Zuckerblumen! Zudem wollte ich herausfinden, wie man es schafft, dass Kuchen nicht wie Grossmutters Schokoladenkuchen aussehen, sondern eben diese perfekten geraden Linien haben. Mich fasziniert, dass die Designtorten aussehen wie nicht essbare Objekte und trotzdem sind sie ­geniessbar.

Grosses Bankett, die Braut in Weiss, und auf dem Sockel die ­Hochzeitstorte – das ist doch ­Tradition pur?
Ich möchte neuartige Designs schmackhaft machen, die es in dieser Art in der Schweiz noch nicht gegeben hat. Im Gespräch mit dem Hochzeitspaar versuche ich zu erreichen, dass die Hochzeitstorte nicht erst nach Mitternacht auf einem «Chromstahlwägeli» in den Saal gestossen wird, sondern bereits zu Beginn des Fests im Saal steht. Die Torte wird oft zu spät serviert und die Hochzeitsgäste haben keinen Hunger mehr. Ich möchte ein Kunstwerk ausstellen, losgelöst von jeglichen Traditionen.

Ihre Kunden heiraten aber ­traditionell?
Natürlich lebe ich von den Liebes­paaren, die traditionell heiraten. Aber es gibt auch Paare, die heiraten rustikal in einer Scheune oder Zuhause und setzen mit der Torte einen eleganten, traditionellen Akzent.

Setzen Sie auch aussergewöhnliche Wünsche um?
Ja. Letztes Jahr habe ich zum Beispiel ein tätowiertes Paar beraten. Im Gespräch kamen wir gemeinsam auf die Idee, einen Totenkopf zu kreieren, der ein Banner mit ihren beiden Namen trägt. Meine Zuckerblumen waren schwarz und dazu entwarf ich ein rotes Herz. Zunächst war das überhaupt nicht mein Stil, die Umsetzung machte mir dann aber grossen Spass.

Sind Männer mit Farben und ­Dekorationen der Torte ­einverstanden?
Meist ist die Frau federführend bei den Entscheidungen. Kann sich ein Paar nicht einigen, gibt es die Möglichkeit, die offizielle Hochzeitstorte mit einem Grooms Cake zu ergänzen. Einmal wollte ein Mann eine solche Bräutigamtorte in den Farben seines Fussballclubs.

www.minhcakes.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2015, 19:08 Uhr

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