Im Studio des Superstars

Der Winterthurer Produzent Cem Berter hat es bis ins Kleingedruckte des neuen Prince-Albums geschafft.

Cem Berter verpasste dem neuen Prince-Album «Plectrumelectrum» einen glasklaren und samtweichen Sound. Foto: Doris Fanconi

Cem Berter verpasste dem neuen Prince-Album «Plectrumelectrum» einen glasklaren und samtweichen Sound. Foto: Doris Fanconi

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Die Notiz kann man leicht überlesen. «Recorded & Mixed by Ben Mühlethaler & Jamie Lewis». Das steht ganz hinten auf dem Booklet des neuen Prince-Albums «Plectrumelectrum», das vor gut einem Monat zusammen mit dem Album «Art Official Age» erschienen ist. Es waren ein Winterthurer und ein Berner, die das neueste Werk des US-Superstars abgemischt und aufgenommen haben. Zwei Männer mit einer Produzentenkarriere, die bis in die 80er-Jahre zurückreicht.

Dabei hat der Winterthurer Cem Berter, wie Jamie Lewis mit bürgerlichem Namen heisst, die erste Mail betreffend einer Zusammenarbeit mit dem Popstar in den Spamordner verschoben. Die Betreffzeile «Collaboration with Superstar Prince» schien ihm verdächtig. Dass er für Prince einen Remix anfertigen solle, erfuhr Berter erst, als er Tage später ein weiteres Mail öffnete. «Can we meet ­tomorrow?» Klar können wir das. Das Prince-Management reiste für das Treffen nach Winterthur. Zwei Remixes vom letzten Prince-Album «Lotus Flower» waren das Ergebnis dieses Treffens. ­Damit war ein erstes Stück des Weges hin ins Studio des Popstars geebnet. Die Remixes von «Dance 4 me» und «2Nite» konnte Berter auf seinem eigenen Label Purple Music veröffentlichen.

Fan vom Scheitel bis zur Sohle

Den Prince-Fan in Berter erkennt man nicht bloss am Labelnamen, der sich auf das erfolgreichste Prince-Album «Purple Rain» bezieht. Auch die asymmetrische Frisur des 46-Jährigen oder die Farbe Lila an Hemdkragen, Armkette sowie Armbanduhr weisen auf seine Bewunderung für den Künstler hin.

Seit 1997 führt Berter sein Label zusammen mit seiner Frau Manuela. 400 Titel umfasst der Labelkatalog, darunter auch Stücke der Disco-Urgesteine Cerrone, Nile Rogers oder Jocelyn Brown – einer der Gründe, weshalb Prince auf die Schweizer aufmerksam wurde.

2012 traf ein erneutes Mail aus Minnesota in Winterthur ein: Ob Berter zusammen mit seinem Studiopartner Ben Mühletaler 2013 in den Pasley-Park-Studios das neue Album des Weltstars abmischen könne. Die Reise nach Minnesota war rasch geplant. «Hi Prince, how are you.» Man war jetzt Kollegen.

«Fix it!»

In den Pasley-Park-Studios («Ein Bunker») hat Prince seit Mitte der 80er-Jahre alle seine Alben aufgenommen, dort finden die Tourproben statt und werden im kleinen Rahmen Konzerte und Privatpartys gegeben. Berter und Mühletaler wohnten in einer Art internem Hotel. Fixe Arbeitszeiten gab es nicht, die Crew begann gegen Mittag und arbeitete, bis das Tageswerk vollendet war – manchmal bis neun Uhr am Abend – meistens bis nach Mitternacht. «Wir schauten nicht auf die Uhr», sagt Berter.

«Fix it!», forderte Prince, als auf einer Aufnahme ein Geräusch fehlte. Eines, das laut Lewis kein «normaler Mensch» je hören würde. Es war jenes Fiepen, das entsteht, wenn ein Trompeter beim Ansetzen seine Lippen öffnet. Das müsse man hören, meinte Prince. Berter und Mühlethaler arbeiteten nun an einem Stück Ewigkeit.

Nach insgesamt vier Pasley-Park-Besuchen und zahlreichen verstrichenen Rückreiseterminen war das Album im Kasten. Ein Album, das wie alle Prince-Produktionen glasklar und gleichzeitig samtweich klingt. Die Tonspuren schmiegen sich sanft aneinander, auch dank Berters und Mühletalers Arbeit. Dass «Plectrumelectrum» mit Equipment aus den 80ern eingespielt wurde, kam den Produzenten entgegen. Sie arbeiten seit mehr als 30 Jahren mit ähnlichen Geräten. Berters aktuelle House-Veröffentlichungen jedenfalls atmen auch heute noch den Optimismus dieser Epoche. Man kann sagen, dass sowohl Prince als auch die Schweizer Produzenten in den 80er-Jahren stecken geblieben sind. Oder anders formuliert: Beide haben in der Zeit etwas für sie Gültiges gefunden, auf das sie seither bauen. Die beiden Schweizer hat diese, sagen wir, Sturheit bis ins Kleingedruckte des CD-Booklets des Superstars Prince gebracht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.10.2014, 23:33 Uhr

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