Kitch ’n’ Roll

Von heute Freitag bis Sonntag findet am Zürcher Stadtrand das erste Street-Food-Festival statt. Mit dabei sind auch zahlreiche Foodtrucks, wie man sie immer häufiger antrifft. Wir stellen fünf davon vor.

Küche auf Rädern: Fünf Foodtrucks vor dem Zürcher Prime Tower. Foto: Reto Oeschger

Küche auf Rädern: Fünf Foodtrucks vor dem Zürcher Prime Tower. Foto: Reto Oeschger

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401 Dishes
Der Zürcher Foodtruck-Pionier
Fast neun Meter lang ist der umgebaute Wohnwagen, der derzeit über Mittag in den Industriequartieren von Altstetten und Schlieren anzutreffen ist. Die Macher von 401 Dishes gehörten zu den Ersten, die in Zürich auf Foodtrucks setzten. «Wir haben das Konzept in den USA und in Grossbritannien kennen gelernt und sahen auch in Zürich Potenzial für mobile Küchen», sagt Regula Imholz, eine der Betreiberinnen von 401 Dishes. Auch wenn die Gesetzgebung in Zürich im Gegensatz zu Städten im Ausland noch sehr restriktiv sei bei mobilen Küchen: Kunden hätten sie genug. Nicht zuletzt, weil in Zürich in den letzten Jahren neue Bürokomplexe aus dem Boden gestampft wurden, die Infrastruktur zur Verpflegung der vielen neuen Angestellten allerdings noch nicht überall vorhanden sei. Amerikanisch ist nicht nur die Idee der mobilen Küche, auch der silberne, fast neun Meter lange Air­stream-Wohnwagen von 401 Dishes ist ein Klas­siker der Camperszene in den USA. 2013 haben die Betreiber einen solchen angeschafft und zur Küche umgebaut. «Den Männern gefällt die Technik, den Frauen die Ästhetik», sagt Imholz. Im Airstream bereiten ehemalige Köche der geho­benen hiesigen Gastronomie täglich Fleisch-, Fisch- und Vegigerichte zu und bieten diese zu fairen Preisen an; so kostet kein Mittagsmenü mehr als 15 Franken. «Da wir jeden Tag in der Woche unseren Standort wechseln, können wir eine Woche lang das gleiche Essen anbieten», sagt Imholz, das sei ein Vorteil des gastronomischen Nomadentums, und es mache auch aus ökologischen und ökonomischen Standpunkten betrachtet Sinn. Am ersten Zürcher Street-Food-Festival ist der Truck mit einem Spezialprogramm präsent.


Unmeat
Der vegane Rebell und Rock ’n’ Roller
«Das Blümchen- und Körnchenpicker-Image der Veganer war gestern», sagt Theo Favetto vom veganen Schweizer Grossverteiler Veeconomy, der den Wagen betreibt. «Statt Gut- und Belehrmenschen zu sein, zelebrieren wir unser Ding mit viel Spass und Rock ’n’ Roll», fügt er an. Dementsprechend wurde das von ihnen betriebene Gefährt nun gerade neu gestaltet: Wo vor kurzem noch Schäfchen und Blumen die mobile Küche zierten (das Auto gehörte ebenfalls einem Betreiber, der veganes Essen anbot), prangt heute auf glänzendem Schwarz das Unmeat-Logo. Der Wagen soll in Zukunft auch an Hardcore-­Punk-Festivals zum Einsatz kommen, wo veganes Essen seit Jahrzehnten schon Teil der Jugendkultur ist. Den veganen Burger gibt es am Festival für 9 Franken. Daneben werden Hotdogs angeboten oder Fast-Food-Klassiker wie Southern Fried Vegan Chicken oder vegane Fish & Chips. Sie seien insbesondere auch für Leute ­gedacht, die sich gewöhnlich nicht vegan ernährten, sagt Favetto. Unterdessen ist der neue Unmeat-Foodtruck an verschiedenen Schweizer Standorten anzutreffen; geprüft wird auch der Einsatz an anderen Musikfestivals und weiteren kulturellen Veranstaltungen.


Guerilla Kitchen
Der rote Land Rover serviert Viergänger
Eigentlich wollten sie einen VW-Bus kaufen für ihre mobile Küche. Doch es wurde ein fast 50-jähriger Land Rover. «Das passte besser zu uns», sagt die gebürtige Bündnerin Eveline Hofstetter. Zusammen mit Thomas Andermatt hat sie aus diesem Land Rover die Guerilla Kitchen gebaut, die am Street-Food-Festival ihre Premiere feiert. «Wir sind viel gereist, haben uns durch ganze Städte gegessen», sagt Hofstetter. Von daher rühre folgende Erkenntnis: Gerichte müssen einfach sein, und Essen soll stets in einer geselligen Runde stattfinden. Ihr Mobil lässt sich aus diesem Grund zu einer riesigen Stehbar ausbauen. Für die Zubereitung ihrer Menüs benutzen sie frische, zur Saison passende, lokale Zutaten. Auf dem Menüplan stehen keine Fast-Food-Häppchen, sondern opulente Viergänger. Sie würden traditionelle Schweizer Küche mit orientalischen Einflüssen bevorzugen, sagt Hofstetter. Anzutreffen ist das in sozialistisches Rot getauchte Mobil an stets wechselnden Standorten. Dazu werden Galerie-Eröffnungen, Baustellen oder auch Kirchen gehören.


Black & Blaze
Der Espresso-Künstler auf drei Rädern
Claude Stahel ist ein Punk auf drei Rädern. In seiner Youtube-Sendung «Eat it Rich» tingelte er mit einem zur Küche ausgebauten Piaggio APE 50 durch die Landschaft. Auf Kuhwiesen oder in Hinterhöfen brutzelte er Côte de Bœuf oder garte kenntnisreich selbst gemachte Kartoffelgnocchi. Die Sendung ist ansprechend produziert und strotzt vor rebellischem Geist. Das mobile Kochen hat Stahel mittlerweile aufgegeben, stattdessen hat er vor drei Jahren in der Forch die Kaffeerösterei Black & Blaze eröffnet. Gleichzeitig baute er sein «Dreirad» zu einer mobilen und etwas abenteuerlichen Kaffeeküche um. «Mit dem APE rumzufahren, ist gefährlich, du fährst selten schneller als 30 km/h und bist so für andere Verkehrsteilnehmer ein konstantes Hindernis», sagt Stahel. Die Innenausstattung des Piaggio steht allerdings im Widerspruch zum alten Gefährt: Der Espresso wird mit einer La Marzocco gebraut – das ist so was wie der Bentley der Kaffee­maschinen.


Clouds’ Break Point
Die «Wolke» kocht nun auch ebenerdig
Das höchstgelegene Restaurant der Stadt ist das Restaurant Clouds im Prime Tower. Es befindet sich im 35. Stock in etwas mehr als 100 Meter Höhe und gehört auch dank dem Koch David Martínez Salvany zu den besseren Adressen der Stadt. Dieses Jahr nun hat das Clouds sein Angebot um einen ebenerdigen Ableger erweitert. Seit Mai steht auf dem Maagplatz vor dem Prime Tower ebenfalls ein zur Küche umgebauter Air­stream, diesmal des Typs «Flying Cloud», der kleinsten erhältlichen Variante. Hier nun sollen sich die Angestellten der neuen Büros im Industriequartier verköstigen. Das Hauptangebot des neuen Take-out bilden Spiesschen in verschiedensten Variationen, dazu Salate und hausgemachte Desserts. Für das Street-Food-Festival hat man sich extra eine Bewilligung eingeholt, um das Gefährt verschieben zu können. Zudem wurden die Preise reduziert.

Erstellt: 29.08.2014, 13:05 Uhr

Wagenburg unweit der Allmend

Das erste Street-Food-Festival der Schweiz versammelt während drei Tagen mehr als 40 Food-Stände – davon sind beinahe die Hälfte Food-Trucks. Vom Freitag, 29., bis Sonntag, 31. August, errichten sie gemeinsam auf einem Parkplatz vor der Weinhandlung Smith & Smith (Nähe SZU Manegg an der Allmendstrasse 92) eine Art kulinarische Wagenburg. Einige Angebote, die am Festival zu probieren sind: Kimchi-Tacos und Kimchi-Quesadillas, deftiges veganes Fast Food, Rosmarin-Softeis, Cheesecake, Uzbekische Samsa und Plov, Pulled-Pork-Burger, viet­namesische Hefeklösschen oder schlicht Variationen von Mozzarella und Tomaten. Mehr Informationen zum Festival unter: www.streetfoodfest.ch

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