Mobiler Kaffee-Service

Die Brüder Minutillo bieten als Barista Corado Caffè-Catering an. Dafür haben sie eine alte italienische Espressomaschine restauriert und auch die Wagen dazu selbst gebaut.

Handwerker mit Geschäftsideen: Die Brüder Michael (links), Patrizio (vorne) und Valerio Minutillo. Foto: Sabina Bobst

Handwerker mit Geschäftsideen: Die Brüder Michael (links), Patrizio (vorne) und Valerio Minutillo. Foto: Sabina Bobst

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Wenn Patrizio und Michael Minutillo von ihrer Espressomaschine sprechen, der kultigen Faema E61, dann merkt man schnell: Sie ist ihre Herzensangelegenheit. Das Modell wurde in den 60er-Jahren in Italien produziert und stand damals in jeder guten Cafeteria.

Zusammen mit ihrem Bruder Valerio haben die beiden das über 50 Jahre alte Original für tausend Franken auf Ricardo ersteigert und anschliessend restauriert. «Das Chrom haben wir nur poliert. Wenn man genau hinschaut, sieht man noch die alten Kratzer», sagt Patrizio und zoomt in die Bilder der Faema hinein, die er auf dem Laptop zeigt. Die Anschlüsse für die Heizspirale – eine Art Notfallgenerator – seien bei ihrem Exemplar noch dran, wie sie stolz berichten. So musste man früher trotz Stromausfall nicht auf den Kaffee verzichten.

Showeffekt dank Cappuccinos

Die Brüder zwischen 24 und 29 sind Feinmetallbautechniker, Metallbauer und Koch, liebäugeln schon seit längerem mit einem eigenen Unternehmen in der Gastronomie. Nun haben sie Barista Corado gegründet: ein Kaffee-Catering, das aus zwei selbst gebauten Kaffeewagen plus Espressomaschine besteht. Die Wagen können «überall hingebracht werden – auch in den dritten Stock eines Familienhauses ohne Lift», sagt Michael. Mobilität ist ein entscheidendes Argument, und zwar nicht nur aus Sicht der Kunden. Sie ist gewissermassen aus der Not geboren: In Zürich war auch nach intensiver Suche kein Lokal verfügbar, das sich die drei hätten leisten können. «Wenn man hier ein Geschäft übernehmen will, muss man mit hohen Inventar- und Umbaukosten rechnen. Einen Kredit aufzunehmen, war uns aber ein zu grosses Risiko.» Seither ist ein Jahr vergangen, der Wunsch nach dem eigenen Betrieb allerdings geblieben. Darum entschieden sie sich für die Variante Catering, bei der die Mietkosten entfallen.

Gedacht ist der Service vor allem für Grossanlässe wie Hochzeiten oder Firmenevents: «Erst ab hundert Leuten lohnt es sich wirklich, uns mit der kompletten Ausrüstung zu buchen.» Die Pauschale, die sie neben Anfahrt, Aufbau und Material (rund 800 Franken) verrechnen, beläuft sich auf 5 Franken pro Kaffee. Dabei geht es laut Patrizio nicht nur darum, die Gäste mit dem Heissgetränk zu versorgen. «Dank unserer Cappuccinos, der schönen Verzierungen im Schaum, bieten wir einen Showeffekt.» Ihr Auftritt an den Veranstaltungen soll auch etwas fürs Auge sein und die einzelnen Events zusätzlich aufwerten. Valerio hat eigens dafür ein Baristadiplom erlangt und seinen Brüdern das Fachwissen weitergegeben.

Teigmaschine schon gekauft

Im Leben der Söhne eines eingewanderten Italieners spielte Kaffee schon immer eine Rolle. «Unser Vater sagte ständig, in der Schweiz gebe es keinen guten Kaffee. Er trank lieber seinen eigenen zu Hause», erinnert sich Patrizio. Als sie als Teenager in den Ferien in die Abruzzen reisten, bemerkten auch sie, dass sich das italienische Traditionsgetränk vom Kaffee in der Schweiz unterschied. Patrizio rühmt den «feinporigen Milchschaum» des typischen Cappuccino. «Wenn man mit dem Löffel durch die Crema fährt, sollte sich die Lücke im Schaum sofort wieder schliessen», erklärt er. Genau solchen Kaffee wollen sie anbieten. Seit Januar ist Barista Corado online, jetzt fehlt nur noch die Kundschaft.

Statt Däumchen zu drehen und auf die ersten Aufträge zu warten, schmieden die Brüder bereits neue Pläne: Ihnen schwebt eine Focacceria vor. Typisch, dass sie bei der Technik beginnen: Sie ­haben eine Teigmaschine gekauft und bauen gerade eine Kühlvitrine um.

www.corado.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2015, 18:44 Uhr

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