Nächtigen wie Zürichs Grossindustrielle

Eine herrschaftliche Villa im Quartier Riesbach erblüht neu als Palais privé für alle.

Diese Herrschaftsvilla in Riesbach ist zum Hotel geworden. Foto: Dominique Meienberg

Diese Herrschaftsvilla in Riesbach ist zum Hotel geworden. Foto: Dominique Meienberg

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Wie oft ist man schon an den Herrschaftshäusern in Zürichs Einfamilienhausquartieren vorbeigeschlendert und hat sich beim träumerischen Gedanken ertappt, einmal in einer der Villen Hausherrin oder Hausherr auf Zeit zu sein. Zu schlafen wie einst die grossen Industriellen. Im Quartier Riesbach wird der Traum demnächst wahr.

Georg Syz-Hünerwadel gehörte Anfang des letzten Jahrhunderts zu jenen Grossindustriellen. Er stammte aus einer Zürcher Seidenhändlerdynastie und führte lange das Textilhandelshaus Hohl & Syz in Barcelona. Zurück in der Schweiz, war er froh darum, dass die Ingenieurfamilie Huber ihre Parzellen zwischen der Seeburg und der Kirche Neumünster zum Verkauf für den Bau von Wohnhäusern anbot. Syz fiel eine der letzten freien Parzellen an der Signaustrasse 6 zu. Nach den Plänen der Architekten Otto Pfleghard und Max Haefeli liess er sich 1911 seine Villa bauen. Sie gilt als eines der frühen Beispiele des sachlichen Heimatstils und war in der Art der Zeit voraus.

Die Architekten haben mit Sorgfalt und Stiltreue renoviert.

Das Büro Pfleghard und Haefeli gehörte zu jener Zeit zu den renommiertesten am Platz Zürich. Die Architekten hatten sich vor allem als Planer von Krankenhäusern, allen voran des Sanatoriums auf der Schatzalp aus dem Jahr 1900, einen Namen gemacht.

Der Zeit voraus war das Haus auch bezüglich des Aussenraums. Es ist ein Frühwerk des Gartenarchitekten Gustav Ammann, der kurz zuvor in die Firma des einst bekannten Otto Froebel eingetreten war. Froebel hatte etwa zusammen mit Evariste Mertens das Arboretum am Mythenquai gestaltet und züchtete eigene Seerosen: Nymphea froebelii.

Später diente die Villa ein halbes Jahrhundert als Bürogebäude. 2014 stand sie zum Verkauf. Darauf wurden die drei Zürcher Ehepaare Syz, Preiss und Jeszenszky aufmerksam. Nebenberuflich ein kleines, schmuckes Stadthotel aufzubauen, schwebte ihnen schon lange vor. Nun bot sich das Haus – dazu eines, zu dem sie Bezug hatten. Georg Syz-Hünerwadel war ein entfernter Verwandter von Hans Syz. Stefan Preiss war im Nachbarhaus aufgewachsen. Für 6,5 Millionen Franken übernahmen sie die Villa.

Stiltreue dank Originalplänen

Nach drei Jahren Planungs- und Umbauzeit nimmt das Hotel Ende Juni seinen Betrieb auf und öffnet das bauliche Zeitdenkmal für alle. Durch einen Glücksfall stiessen die Architekten von Edelaar Mosayebi Inderbitzin auf die Originalpläne aller Planer. Unter den Garten, einst mit Parkplätzen verstellt, haben die Architekten eine Tiefgarage gebaut. Landschaftsarchitekt Daniel Ganz hat die Umgebung nach den Ideen von Ammann und Froebel neu gestaltet. Bloss die Seerosen des Meisters mögen noch nicht blühen.

Möbel aus dem Privatbesitz ergänzen die nach Originalplänen restaurierten Räume.

Im Innern erwarten die Gäste auf zwei Geschossen neun Doppelzimmer mit Bad. Das kleinste kostet 280 Franken die Nacht mit Frühstück, die Suite mit eigener Veranda 650 Franken. Ein Rundgang durch die Räume zeigt, mit welcher Sorgfalt und Stiltreue die Architekten renoviert haben. Im Esszimmer wurde das hölzerne Wandtäfer belassen, in den Badezimmern die Armaturen nachgebaut und alle Räume mit viel Mobiliar aus dem Privatbesitz ergänzt. Da fühlt man sich in der Tat wie zu Syz-Hünerwadels Zeiten. Mit zwei Ausnahmen: in der Industrieküche im Parterre und im dunklen Hightechkino im Untergeschoss.

GPS-Koordinaten: 47.362742,8.556254 Bauzone Sammlung der baulichen Entdeckungen bauzone.tagesanzeiger.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.05.2018, 16:06 Uhr

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