Remixen Sie bekannte Plattencover

Zwei Grafiker kreierten neue Interpretationen von meist real existierenden Plattencovern. Schieben – und vergleichen – Sie selbst.

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«Andrea ist mehr Gitarre, ich eher Synthie, zusammen ergibt das einen coolen Mix», meint Markus Läubli bald nach Gesprächsbeginn. Ziemlich kecke Behauptung, denkt man, schaut sich die Song­(aus)wahl genau an . . . und muss neidlos eingestehen, dass er wohl untertrieben hat: Die Mischung ist nicht bloss cool, sie ist fast schon «Hall of Fame»-verdächtig.

Aber halt! An dieser Stelle müssen wir den imaginären Tonarm hochheben und die Nadel an den Anfang der Platte legen. Anders gesagt: Bevor es hier richtig Rock-’n’-Roll-mässig abgehen kann, braucht es ein paar klärende Infos.

Man muss etwa wissen, dass Andrea Münch – so ihr voller Name – mit Markus Läubli im Kreis 4 seit 2011 das kleine Grafikatelier Weicher Umbruch betreibt.

Und dass die zwei zwecks kreativer Kopflüftung hin und wieder ein sinnig-sinnliches Non-Profit-Projekt starten. Wie vor zwei Jahren, als sie hierzulande gängige Zigi-Päckli auf deren grafischen Kern reduzierten, also ein spielerisches «Plain Packaging» betrieben. Wie 2013, als sie mit der Vision «Neues Geld» zeigten, wie man Währungen in der Post-EU-Ära wieder Identität geben könnte.

Oder – damit sind wir zurück im aktuellen «Groove» – wie seit Januar mit «A Single Year». Dabei gestaltet das Duo Tag für Tag eine Art «Remix» einer Vinyl-Single-Hülle, verlinkt diese Coverkunst mit dem entsprechenden Youtube-Song und präsentiert das Werk als frei zugängliches, optisch-akustisches «Intermezzo» auf der Website und auf Instagram.

Gestern, an Tag 136, war Mark Lanegans Stück «One Way Street» dran, dargestellt als rote Fläche mit weissem Balken, die Montagshülle zierte ein Pflaster als Symbol für Johnny Cashs Lied «Hurt». Diese Beispiele zeigen, dass es a) kein Wettbewerb sein soll (meist werden Songtitel gesucht, die originelle Umsetzungen anbieten; auch dann, wenn das Stück gar nie als 7-Inch ausgekoppelt wurde) und b) der Sound tatsächlich so toll ist, wie oben erwähnt – und wie rechts zu sehen.

Nicht selten hätten sie das «Heureka» binnen fünf Minuten, bisweilen brauche es aber auch eine Stunde und einen mit «Outtakes» gefüllten Papierkorb, erklärt Münch. «Was die Sache vereinfacht: Wir nehmen immer die gleiche Schrift, beschränken uns auf grafische Elemente.» Dennoch sei es in einigen Fällen schon knifflig gewesen, gesteht Läubli: «Das Sujet des Songs ‹Odessa› von Caribou, den ich unbedingt drin haben wollte, ist für alle, welche die Kinderwagenszene im Film ‹Panzerkreuzer Potemkin› nicht kennen, kaum nachzuvollziehen.» Und die abstrahierte Hasenschnauze von «White Rabbit» hätten echt Leute gar nicht erkannt, fügt er lachend bei.

Ob aus dem Projekt später ein Buch oder eine Ausstellung wird, sei völlig offen, sagt Andrea Münch. Vorerst gelte es jetzt mal, gute Ideen für anstehende Ereignisse zu finden: «Was wir zu ‹Tour de France› von Kraftwerk machen, wissen wir noch nicht, das Original ist so gut, dass wir da gehörig Respekt haben.»

Alle Single-Cover auf weicherumbruch.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.05.2017, 19:46 Uhr

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