Stella, sing!

Die Sängerin Stella Cruz hat unglaublich viel Talent. Und trotzdem nimmt sie nur Alben auf, wenn jemand sie darum bittet. Wieso nur ist sie so bescheiden?

Einmal um die Welt – und dann zurück nach Wollishofen: Stella Cruz. Foto: Giorgia Müller

Einmal um die Welt – und dann zurück nach Wollishofen: Stella Cruz. Foto: Giorgia Müller

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Sie hat einen Wunsch, diese feine und ein wenig trollige Erscheinung namens Stella Cruz. Eigentlich Estella Wiss, aber Stella Cruz, das weiss sie schon, passt besser zu ihr, der Sängerin und Multiinstrumentalistin. Der Wunsch ist bescheiden. Und er liesse sich schon morgen erfüllen: An einem Konzert würde sie sich gerne auf einem Flügel begleiten.

Herrje, es wird Zeit, dass diese Frau ihren Flügel bekommt. Flügel, ja, sie soll fliegen und uns mitnehmen in ihr Universum, wo Watte uns vor dem Fallen schützt, vor dem Verletztwerden. Wo sie uns aber auch in Tiefen führt, dorthin wo Tod und Tränen lauern. In ihrem Universum, wird gespielt und getanzt, geweint und ganz viel geträumt.

«Life will take me home», singt sie. Und damit meint sie keinen physischen Ort. Vielleicht eher das Zuhause in sich, dem eigenen Körper. Da ist es egal, wo man gerade ist. Oder woher man kommt. So viel Glück haben nicht alle mit ihrem Leben. Stella Cruz, so scheint es, hat es.

Es war ein Weg dorthin, ihr Weg. Er hat sie einmal um die Welt geführt und wieder zurück nach Zürich-Wollishofen, wo sie aufgewachsen ist. Ihre Mutter Filipina, mit Nachnamen de la Cruz, ihr Vater Schweizer, Nachname Wiss. Sie tagsüber an der Arbeit im Spital, er Hausmann. Und mittendrin die trollige Kleine, die nie gross wurde. Ein Kind, 1983 geboren, das ständig sang, spielte, hüpfte, tanzte.

Die ständige Frage

Aufgewachsen ist Stella Cruz mit der Frage: Woher kommst du? Sie hat die Frage nie wirklich verstanden. Sie wurde ja hier geboren, ging hier zur Schule und sang mit, wenn ihr Vater Schwyzer­örgeli spielte. Aber sie sah halt anders aus. Das überforderte sie zuweilen. Und das führte dazu, dass sie sich irgendwann auf die Suche machen musste. Doch ­zuerst lernte sie Klavier und E-Gitarre spielen. Sie ging in den Stepptanz-Unterricht, und nach der ­Matura nahm sie Gesangsstunden.

Stella Cruz war eine, die am Gymnasium den Ballettsaal für sich alleine mietete, darin tanzte – und niemandem davon erzählte. Sie träumte noch ein Weile von einer Tanzkarriere in New York. Aber eigentlich hatte sie schon wieder etwas anderes im Kopf: Französisch wollte sie studieren. Doch nach ein paar Monaten taten ihr die Ohren weh vom hölzernen Français fédéral, mit dem an der Uni über Lautverschiebungen diskutiert wurde. Sie wollte weg.

Sie sagt, dass sie sich nicht so viel überlegt habe, als sie sich für die Aufnahmeprüfung an der Jazzschule der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) angemeldet habe. Sie sang «Turn Me On» von Norah Jones, der sie vielleicht schon ein wenig nacheifert, von der ihre Musik auch etwas hat. Von Jazz hatte Stella damals keine Ahnung. Aber Stella war gut.

Das geheilte Herz

Abgeschlossen hat sie die Schule mit einem Master in Stimmpädagogik. Das Unterrichten sichert nun ihr Überleben. Doch bevor die Schule sie entliess, bot sie Stella Cruz an, ein Album aufzunehmen. Aber Stella hatte den Flug auf die Philippinen schon gebucht. Sie wollte zu ihren Wurzeln, fand Entwurzelung und am Schluss sich selber. Darum geht es in ihrem Album «Simplify», das 2011 schliesslich nach der Reise mit der Unterstützung der ZHDK und dem Sound Development Studio erschien.

Danach ging eine Zeit lang nichts. Eine lange Beziehung ging in die Brüche. Die Musik musste erst einmal ihr eigenes Herz heilen. Diesen Frühling dann wieder ein Album, «Phoenix», eine Platte, die einen erneut fortträgt! SRF 3 hat zumindest schon mal den Song «Desert Lullaby» in seine Rotation aufgenommen.

Die Platte war wieder nicht ihre Idee, sondern die vom Perkussionisten Stephan Rigert, der sie auf der Website eines Open Airs entdeckte und gleich wusste: Mit ihr funktionierts. Er bat sie, Lieder zu schreiben, und finanzierte die Platte vor.

Das Leben bringt diese Frau zum Glück auf den richtigen Weg, dorthin, wo sie hingehört: auf die Bühne, mit Flügel, wenn da denn mal einer wäre. Will sie das auch? Irgendwie schon, sagt sie. Ach, sie kokettiert. «Stella, sing!», haben ihr die Menschen auf den Philippinen ständig zugerufen. Ja, Stella, sing!

Konzerte: 13. September Kleinkunst Rüschlikon; 16. Oktober Bogen F; 18. Oktober Mehrspur im Toni-Areal. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2014, 09:30 Uhr

Quelle: Youtube Quelle: Youtube

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