Stolze Serie

Seit zwölf Jahren zeichnet Michel Casarramona die Plakate für das Stolze Openair in Zürich. Er setzt dabei auf alles, was kreucht, fleucht und menschliche Schwächen aufweist.

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Harmlose Tiere mit schlechten Charaktereigenschaften sind Michel Casarramonas liebste Protagonisten. Zum Beispiel Eichhörnchen mit kriminellen Absichten. Oder ein antriebsloser Dachs. Oder ein bünzliger Bär. Ein Töffli frisierender Hahn sowieso. Den niedlichen Tierchen «etwas unterzujubeln», findet Casarramona ziemlich reizvoll. Für das Stolze Openair, kurz das Stolze, darf er das nun seit mehr als zehn Jahren.

2004 zeichnete er sein erstes Plakat für das Mini-Open-Air auf der Stolzewiese im Kreis 6. Niedliche Wildschweinchen suhlten sich im ­Morast der Quartierwiese. Mit ihnen zeigte Casarramona die Angst der Veranstalter vor schlechtem Wetter. Die Sorgen der Veranstalter schwingen auf manchen Plakaten mit. Auf anderen hat er seine eigene Jugend verarbeitet. Der Hahn auf dem frisierten Puch Maxi zum Beispiel sei so ein «persönliches Sujet». Ob er damit damals vor der Polizei floh, wie das Plakat vermuten lässt? Überinterpretation.

Der Druck, das Geld

Das Stolze Openair begann 2003 ganz klein. Vielleicht 200 Leute kamen, es ging familiär zu und her. Über die Jahre wuchs das Quartierfest zum Fixpunkt im Open-Air-Kalender der Stadt. Auf dem Weg dorthin hatten die Organisatoren mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen. Davon erzählen die Plakate auch. Von subtilen Botschaften spricht Casarramona. Da ist der Dachs, der lieber vor dem Fernseher sitzt, statt freiwillig beim Open Air mitzuhelfen. Der Bär, der mit dem Teppichklopfer in der Hand aus dem Busch springt, um seinen Ruheanspruch durchzusetzen. Die Eichhörnchen, die ihr Fachwissen und ihre kriminelle Energie in den Druck von dringend benötigten Geldmitteln stecken, um dem klammen OK zu helfen.

Casarramona (46) gehört zum Stolze Openair wie der Fuchs zur Stadt. Inzwischen hat er zwölf Sujets für das zwei­tägige Fest gemalt, immer mit Käfern, Tierchen und Tieren. Für die Ausgabe dieses Jahr ist es ein Banjo spielender Wolf auf einem Motorrad. Die Arbeit für die Plakate ist aufwendig. Rund drei Wochen feilt Casarramona daran. Da ist das Sujet, da sind vor allem aber auch die Schriften, die er von Hand zeichnet. Für das letzte Plakat hat Casarramona gemäss Stolze-Openair-Homepage angeblich die 27 Stunden vor dem Abgabetermin nahtlos durchgezeichnet. Ob es was half? Manchmal, sagt Casarramona, schaue er nach tagelanger Arbeit den ersten Entwurf nochmals an und denke: So viel schlechter war der auch nicht.

Michel Casarramona geniesst die Freiheit bei der Gestaltung, «ausser primitiv geht eigentlich alles». Geht es nach ihm, wird er bis zu seiner Pensionierung jedes Jahr ein weiteres Plakat für das Stolze Openair zeichnen. Das wären (bei Rentenalter 65) noch 19 Plakate, jedes davon mit einem Tiersujet. Eine schöne Serie ist es schon jetzt, 2035 wäre es eine stolze Serie.

Stolze Openair, Fr ab 17.45 Uhr, Sa ab 14.15 Uhr, Stolzewiese, Eintritt frei. www.stolze-openair.ch

Bilder Eine Zeitreise mithilfe der Openair-Plakate

stolze.tagesanzeiger.ch

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 02.06.2016, 07:38 Uhr)

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