Und dann verteilt er den Fussballern plötzlich Damen-BHs

Zwei Zürcher haben eine App entwickelt, mit der sich die Leistung von Amateur-Spielern messen lässt. Nun wollen sie aufsteigen.

Philip Shemella (rechts) und Dario Kurt helfen bei der Analyse dessen, was auf einem Fussballplatz passiert. Foto: Fabienne Andreoli

Philip Shemella (rechts) und Dario Kurt helfen bei der Analyse dessen, was auf einem Fussballplatz passiert. Foto: Fabienne Andreoli

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Die Fussballwelt staunte, als Zlatan Ibrahimovic bei einem Vorsaisonspiel mit dem PSG sein Shirt mit dem Gegner tauschte und unter seinem Trikot eine Art Sport-BH zum Vorschein kam. Die Klatschpresse klärte auf: Es handelt sich um einen Halter für einen Tracking­sender, mit dem Fitness, Laufleistung, Stellungsspiel oder Geschwindigkeit erfasst werden können. Das war 2013.

Drei Jahre später. In der Kabine des FC Maur, der zu dieser Zeit in der 4. Liga spielt, verteilt Dario Kurt unter den Spielern Sport-BHs von H&M für Damen. Niemand aus dem Team muckst auf. Im Gegenteil. Wie es im Fussball so ist, hat auch dieser Trend rasch Akzeptanz gefunden. Die Amateurspieler wollen so einen Tracker. Die Erhebungen von Leistungsdaten ist in den Niederungen der Schweizer Liga angekommen.

Tracking hilft auch Talentscouts

Die App entwickelt haben Kurt (30) und Philip Shemella (37), beide im Zürcher Oberland wohnhaft. Einer ist Daten­visualist, der andere Datenwissenschaftler. Mit Skunksports, so der Name der Applikation, wollen sie das professionelle Tracking auch für Amateure zugänglich machen.

Sie feierten schon erste Erfolge: Den FC Rapperswil-Jona konnten sie als Partner gewinnen. Bereits ein Jahr nach Inbetriebnahme der Profivariante von Skunksports stieg der Verein auf in die Challenge League, wo er seither spielt. «Wir können diesen Erfolg natürlich nicht eins zu eins auf unsere App zurückführen», sagt Kurt. Aber Tracking sei hilfreich.

Mit Skunksports lassen sich viele ­Fragen klären. Etwa: Wie waren die Laufwege eines Spielers während des Spiels? Hat er mit der Mannschaft harmoniert? Welches war seine Höchstgeschwindigkeit im Sprint? Was seine im Spiel absolvierte Distanz? Oder bezogen auf das Team: Gelingt es, bei Ballbesitz das Spiel breit zu machen? Und um­gekehrt? Fragen, für die gute Trainer eine Intuition hätten, sagt Kurt. Das Tracking liefert die Daten.

Wo hat sich der Spieler während des Matches aufgehalten? Die Heatmap zeigt es an.

Interessant soll die App dereinst auch für Agenten auf der Suche nach Nachwuchs werden: Welches ist der Marktwert des Spielers? Wo steht er im Vergleich zu Zlatan Ibrahimovic? Bis die Schweizer App Skunksports allerdings derart eingesetzt werden könne, dauere es noch eine Weile. «Ab 5000 vergleichbaren Spielern wird es interessant», sagt Kurt. Ihren Blick haben die beiden Entwickler auch auf die Wachstumsmärkte China und Afrika gerichtet. Und auf die Verfeinerung der dargestellten Daten.

Skunksports ist nicht der einzige ­Anbieter von Tracking-Applikationen in der Schweiz. Laut Kurt und Shemella sei aber noch keine Anwendung so detailreich dargestellt oder so leicht zu hand­haben gewesen. Spielfelder für die ­Bewegungs-Heatmap etwa müssten bei Skunksports nicht mehr via externem Kartentool gezeichnet werden, sondern konstruierten sich automatisch aus einem GPS. Auch sei das Tool relativ günstig zu haben. Tracker und Shirt kosten 148 Franken. 2000 kostet das Profi-Tool für ein Team pro Jahr.

«Sie sind keine jungen Zlatans»

Den Kritikpunkt, dass Skunksports nur eine App mehr sei, die Daten sammle und mit der sich die Nutzer freiwillig sozialer Kontrolle aussetzen würden, ­sehen die Entwickler. Auch dass solche Messdaten zu einer Art Professionalisierung führen könnten in einer Phase, in der es jungen Spielern um Spass und Freundschaft gehen sollte.

Für Kurt und Shemella überwiegen die positiven Auswirkung auf das Leistungsverhalten der Spieler. Oder das spielerische Element des Tools. Es käme dem Drang der Spieler entgegen, sich zu messen und zu vergleichen. «Die Spieler wissen, dass sie keine jungen Zlatans sind», sagt Dario Kurt. Dass sie dem Superstar in vielen Belangen sowieso nacheifern werden, davon gehen sie aber aus.

Erstellt: 12.09.2018, 17:48 Uhr

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