«Viele leiden unter Zukunftsangst»

Was haben Maturanden über Drogen zu sagen? Zwei Schülerinnen formten aus ihrer einjährigen Recherche zum Thema ein Musical. Ein Gespräch über die Gefahren und den Reiz der illegalen Substanzen.

«Für uns Junge war der Platzspitz einfach ein schöner Park». Foto: Sophie Stieger

«Für uns Junge war der Platzspitz einfach ein schöner Park». Foto: Sophie Stieger

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Ihr Musical behandelt das Thema Drogen. Worum geht es genau?
Aurelia Weber: Flash handelt von einer Schulklasse, in der jeder Erfahrungen mit Drogen macht – direkt oder indirekt. So wie es heute oft der Fall ist. Wir versuchten so viele verschiedene Perspektiven wie möglich aufzuzeigen. Die des Sohnes, des Vaters, der Schwester, des Dealers. Lena Mettler: Dazu kommt auch eine Podiumsdiskussion zum Thema. Es kommen dabei ehemalige Süchtige und Drogenberater zur Sprache.

Wie verlief Ihre Recherche?
Mettler: Wir haben während eines Jahres mit Psychologen, ehemaligen Süchtigen und Leuten von der Drogenfachstelle Gespräche geführt. Haben Fachstellen aufgesucht. Wir wollten so realistisch wie möglich sein im Stück. Zum Beispiel fragten wir uns, ob es denkbar ist, dass Ritalin in den Haushalten einfach so herumsteht. Wir wollten auch wissen, wie schnell Kokain tatsächlich süchtig macht. Und wie schwierig der Entzug ist. Viel Input hat uns auch Michelle Halbheer geliefert, sie ist das Platzspitzbaby, das die Geschichte ihrer süchtigen Mutter in einem Buch niedergeschrieben hat. Weber: Es überraschte uns, dass in der Drogenfachstelle gut angezogene Bankertypen ein- und ausgingen.

Zeigen Sie auch auf, dass Drogenkonsum reizvoll sein kann?
Weber: Eine ehemalige Süchtige, die wir über Bekannte kennen, hat uns von ihren Erfahrungen erzählt. Über sie haben wir auch die schönen Seiten des Drogenkonsums aufgezeigt bekommen, wenn man das so nennen darf. Sie sprach von ewigem Frieden, wie man sich etwa den Zustand nach dem Tod vorstellt. Diese Formulierung hat in der Eröffnungsszene Platz gefunden. Mettler: Wobei wir schon in erster Linie zeigen wollten, dass man besser die Finger davon lässt. Das denken wir ja auch selber über Drogen. Wir sind eher ängstlich, was das anbelangt. Die Recherche hat uns eher abgeschreckt als gluschtig gemacht.

Welches sind in Ihrem Umfeld die angesagten Drogen?
Weber: Ganz klar MDMA und andere Partydrogen wie Ecstasy oder Speed. Koks vielleicht an zweiter Stelle. Und ­natürlich wird gekifft und Alkohol getrunken. Mettler: MDMA und Koks stehen gemeinsam auf dem Podest, würde ich sagen. Dazu kommt natürlich noch das Ritalin, wir kennen einige Leute, die zum Lernen Ritalin nehmen. Heroin ist bei unserer Generation fast ganz verschwunden.

Warum nehmen die Schüler überhaupt Drogen?
Mettler: Das Gefährliche und Verbotene daran fasziniert viele. Mit den Partydrogen kannst du am Wochenende abschalten. Mit dem Ritalin kannst du unter der Woche besser lernen. Weber: Ritalin nehmen viele auch wegen des Drucks, der auf ihren Schultern lastet. Die jungen Leute leiden heute wohl auch vermehrt unter Zukunftsangst. Viele glauben, dieser mit überdurchschnittlichen Leistungen Herr werden zu können. Der Druck ist grösser heute.

In Zürich war das Drogenelend früher gross und sichtbar. Wie haben Sie die Stadt diesbezüglich kennengelernt?
Weber: Wir sind Jahrgang 1996 und haben die offene Drogenszene in Zürich nicht gekannt. Der Platzspitz war für uns immer einfach ein schöner Park. Ich bin allerdings im Kreis 4 aufgewachsen, wo Spritzen in den Hauseingängen lagen.

«Flash» feiert Premiere am Dienstag, 25. November, 20 Uhr, Kantonsschule Stadelhofen.

Erstellt: 19.11.2014, 18:16 Uhr

«Flash» feiert Premiere am Dienstag, 25. November, 20 Uhr, Kantonsschule Stadelhofen.

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