Wer macht so etwas?

Frank Baumann hat ein neues, fieses Werk veröffentlicht. Diesmal im harmlosen Kleid eines Bilderbuchs. Weshalb tut er das?

Ein Hund zwischen Schafspelzen: Eines der Bilder, die Frank Baumann für sein Buch manipuliert hat. Fotos: Frank Baumann: «Was stimmt hier nicht? Finde die sieben Unterschiede», Kein & Aber, Zürich 2019

Ein Hund zwischen Schafspelzen: Eines der Bilder, die Frank Baumann für sein Buch manipuliert hat. Fotos: Frank Baumann: «Was stimmt hier nicht? Finde die sieben Unterschiede», Kein & Aber, Zürich 2019

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Frank Baumann ist ein Quälgeist, eine perfide Nervensäge. Einer, der andere mit grosser Lust piesackt. Jetzt auch mit einem Bilderbuch, als dessen Autor oder Erfinder er genau das macht, was er damals als Moderator von «Ventil» schon gemacht hat: Die Leute zum Hyperventilieren bringen. Was die Sache nicht besser macht, ist Baumanns unverkrampfter Umgang mit seiner eigenen Boshaftigkeit, mit seinem manipulativen Wesen, er hausiert quasi mit seinem miesen Charakter. Er ist ein teuflischer Verführer, und wenn man ihn darauf anspricht, grinst er, sagt: «Das kann man mir nun wirklich nicht vorwerfen.»

Zwischen oben und unten hat Frank Baumann sieben Unterschiede geschaffen... Klicken Sie hier, um das Bild zu vergrössern. ... sie zu finden: Gar nicht so einfach. Klicken Sie hier, um das Bild zu vergrössern.

Kann man? Kann man nicht? Schwierig, nach der stundenlangen Zeitverschwendung mit Baumanns Buch «Was stimmt hier nicht?» diese Frage emotionsfrei zu beantworten. Sicher: Baumann liess einen Warnkleber auf dem Buch anbringen («Kaufen Sie dieses Buch nicht: Suchtgefahr!»). Sicher: Baumann versteckt sich nicht (dieser Hund auf dem Cover grinst wie dieser Hund Baumann). Sicher: Bilderbücher sind per se etwas Kindisches.

Schuld sind die anderen.
Also: Ist die andere, Gaby, Franks Frau.

Konfrontiert man diesen Baumann mit seinem quälgeistigen Werk, hört man ihn durchs Telefon – grinsen. Kann auf einen Schlag die Empörung der Zuschauerinnen und Zuschauer der Sendung «Ventil» nachvollziehen, damals in den 90ern auf SRF, wenn sie von Frank Baumann einfach aus der Leitung geworfen wurden. Im Grunde, sagt er, im Grunde könne er gar nichts dafür. Schuld sei – wen wunderts – seine Frau. Er habe auf Facebook aus Spass zwei Bilder publiziert, die er zuvor mit Photoshop manipuliert hatte. «Finde die sieben Unterschiede» (das ist auch der Untertitel des Buchs), schrieb er dazu – und er wird wohl gekichert haben, als er sich seine Facebook-Freunde mit hochrotem Kopf vorgestellt hat.

Man sollte sich vom Grinsen nicht täuschen lassen: Frank Baumann ist ein Zleidwärchi. Foto: Sabina Bobst

Aber eben, Gaby, seine Frau: «Du musst ein Buch machen», habe sie ihm gesagt. Von nun an, wir schreiben es zugegebenermassen nicht völlig frei von Schadenfreude, begann das Leiden für Frank Baumann. Auch dank seines Freundes und Rechtsanwalts Herbie Pfortmüller (merci!), der sich eingeschaltet hatte. Nein, man darf keine Gesichter zeigen, auch nicht von Menschen in New York oder Venedig oder London, auch nicht, wenn man die Fotos selber geschossen hat.

Ein Hund pinkelt
Navyboot-Gründer Bruno Bencivenga auf die Schuhe.

Also hat Baumann begonnen, Gesichter zu montieren, viele Gesichter. Um den Ärger in Grenzen zu halten, mogelte Baumann Kollegen in die Bilder. Ein Hund pinkelt Navyboot-Gründer Bruno Bencivenga auf die Schuhe. Der ehemalige St. Moritzer Promi-Juwelier Heini Schmid spaziert in ganz üblen Schuhen durch New York. Hinzu kommen kleine Scherze. Ein Schaf, das raucht, ein Elefant, der Metro fährt, Donald Trump, das Engelsgesicht.

Es sind zwanzig kleine Folterwerkzeuge, die Frank Baumann – er selber nennt sich harmlos Zleidwärchi – Doppelseite um Doppelseite in seinem Buch versammelt. Man zermartert sich das Hirn, hegt Zweifel an der eigenen Geistesgesundheit, bemerkt eine Unruhe in sich aufsteigen, die sich spätestens dann in Wut verwandelt, wenn man die Fehler statt mit dem Filzstift mit Post-its markiert hat.

«Was söll i nume in Walliselle?», singen Stiller Has. Baumanns Buch hilft auch da nicht weiter.

Und wenn dann ein solches Zettelchen am schweissigen Handballen kleben geblieben ist. Viele der Bilder sind banal – und genau deshalb so schwierig: Sie geben absolut keine Anhaltspunkte fürs Auge. Der Kiosk mit den Souvenirs in Bern – zum Umblättern. Die Baublache in Lachen – zum Weinen. Die Turnschuhauslage in Wallisellen – «Was söll i nume in Walliselle?», singen Stiller Has.

Die Sache endet, wie sie angefangen hat: Aussichtslos. Schlimm: Frank Baumann findet es formidabel, dass die Serie beinahe unendlich fortsetzbar sei. Auch schlimm: «Ich unterhalte einfach gerne.» Schlimmer: «Steigerung liegt drin.» Am schlimmsten: «Fortsetzung folgt.»

Frank Baumann: «Was stimmt hier nicht? Finde die sieben Unterschiede», Kein & Aber, Zürich 2019, 48 Seiten, 22 Franken.

Erstellt: 15.10.2019, 17:11 Uhr

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