Wo der Kellner König ist – oder «chames frässe?» (Teil 2)

Vor Wochenfris(s)t haben wir hier über streitbaren Service berichtet. Hier einige Geschichten unserer Leser.

«Aber Sie können ja das Fleisch einfach nicht essen»: Skurriles aus dem Service.

«Aber Sie können ja das Fleisch einfach nicht essen»: Skurriles aus dem Service. Bild: René Kälin

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In einem Zürcher Restaurant. Vier Gäste sitzen am Tisch; eine von ihnen ist Vegetarierin. Sie bestellt «Menü 1», das ein Stück Fleisch, Kartoffelstock und Gemüse enthält, und sagt, sie wolle es ohne das Stück Fleisch, bezahle aber selbstverständlich den vollen Preis. Die Kellnerin weigert sich, diese Bestellung aufzunehmen. «Das geht nicht», sagt sie, «aber Sie können ja das Fleisch einfach nicht essen.» C.S.


Zürcher Niederdorf. Das Lokal ist noch fast leer, wir sitzen noch nicht alle, und schon knallen die Karten auf den Tisch. Eine Minute später wird gefragt, was wir essen möchten. Natürlich werden wir geduzt, obwohl wir über 50 sind. Wir hätten uns noch nicht entschieden, teilen wir dem eifrigen Kellner mit. Eine gefühlte Minute später steht er wieder am Tisch und fragt mich: «Weisch es jetzt, oder machsch Ramadan?» M.S.


Kürzlich konnte ich in Zürich dann doch eine Apfelschorle bestellen, nachdem ich es schon fast aufgegeben hatte, das Personal auf mich aufmerksam zu machen. Dieses hat ja meist anderes zu tun als seinen Job. Als dann mein Glas Apfelschorle kam – zur Hälfte gefüllt mit Eis – und ich darum bat, dass man mir doch bitte das Eis herausnehmen möge, war die Antwort: «Sie müssen eben vorher sagen, dass Sie kein Eis wollen!» N.B.


Dass es nicht nur in Zürich bisweilen «schwierig» ist, zeigt dieses Beispiel aus Paris: In einem wunderbaren Restaurant in Paris, das seit Jahren in Familienhand ist, begrüsste uns die Inhaberin und führte uns zu unseren Plätzen. Freundlich informierte sie uns, dass sie seit kurzem das Menü auch auf Englisch hätten, und fragte uns, ob uns Französisch oder eben Englisch lieber sei. Da ich im ersten Moment etwas verwirrt war, bestellte ich die Karte auf Englisch. Als uns die Karte dann gebracht wurde und ich das bemerkte, entschuldigte ich mich freundlich und bat, mir die Karte doch auf Französisch zu geben. Dies bemerkte ihr Mann, der Koch, welcher in der Tür zur Küche stand, lässig angelehnt an den Rahmen, grimmig schauend, und seiner Frau auf Französisch genervt zurief: «Ja, vielleicht haben wir sie für die Deppen noch auf Schweizerdeutsch, mon dieu!» Seine Frau, wohl wissend um unsere Französischkenntnisse, überhörte ihren Mann, verzog keine Miene und brachte mir die Karte mit freundlichem Lächeln auf Französisch. Die Schlagfertigkeit war mir in diesem Moment natürlich abhandengekommen. Ich würde ihr aber heute anbieten, sie solle mir noch Stift und Papier bringen, damit ich die Karte für die nächsten Gäste ins Schweizerdeutsche übersetzen könne. T.H.

Zu Teil 1 von «Und? Chames frässe?» geht es hier lang. (ABO +)

Erstellt: 26.11.2018, 15:13 Uhr

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