Glosse

Wozu ein Stadtbummel? Es gibt doch Instagram ...

Wir zeigen Ihnen die schönsten Fotospots der Stadt. Garantiert #urban und #nofilter.

«Doing Zürich» – Stadttour im Schnelldurchlauf mit den besten Instagram-Spots. (Archivbild)

«Doing Zürich» – Stadttour im Schnelldurchlauf mit den besten Instagram-Spots. (Archivbild) Bild: Reto Oeschger

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Das Leben als Tourist war einst so schön einfach: Da zogen wir mit unseren Stadtkarten und Bauchtäschlis durch die Gassen, liessen uns treiben in Eindrücke, um uns dann ab und an (aber auch wirklich nur nach Absprache mit unseren Freunden) dazu zu überwinden, die Polaroid-Kamera zu zücken und abzudrücken. Zurück in der Heimat verbrachten wir dann mehrere Minuten mit dem verzweifelten Versuch, die Karte, wieder in ihre Ursprungsform zu falten und die Föteli ins Album zu kleben (und in meinem Fall – so viel Ehrlichkeit soll sein – mit Glitter zu schmücken).

Doch wann, ja, wann hat sie begonnen, diese Ära, in der wir unsere Leben nicht mehr leben, sondern bloss noch abbilden? Irgendwann nach 2010 muss es gewesen sein. Dann nämlich ist dieser Teufel Instagram auf den Markt gekommen. Und mit der Applikation folgte der Tourismus-Eklat. Den Usern mit den klingenden Namen wie @arbeitslosabersexy, @fast_and_the_curious oder @been_there_done_that ging es plötzlich nicht mehr darum, das Fondue in der Altstadt wirklich zu essen. Stattdessen sollte dieses publikumswirksam angerichtet und in Szene gesetzt werden. Natürlich gewürzt mit mindestens zehn rassigen Hashtags wie #nofilter, #reisedichinteressant oder #travelgram.

Graffiti statt Fraumünster

Da heutzutage nun auch Nicht-Influencer Bilder machen können, die einigermassen gut aussehen (Wunderfilter und Selfiestick sei Dank), müssen sich die wahren Profis neue Kniffs ausdenken, um aus der Masse hervorzustechen. Ihr Trick: Bilder posten, welche die Urbanität zeigen – Beton, Geländer, Graffiti müssen her. Frei nach dem Motto: Es ist eigentlich egal, was man postet. Hauptsache, es ist alternativ und sieht gut aus.

Wie weit die Tourismuswelt gesunken ist, zeigt ein Video, das derzeit im Netzwerk Reddit seine Runden zieht. Da bewirbt eine Influencerin der C-Kategorie – also wohl eine sogenannte C-Fluencerin – die 8 Top-Gratis-Instagram-Spots aus Zürich. (In der Sprache einer C-Fluencerin auch IG-Spots genannt – nicht zu verwechseln mit G-Spot, doch soll wohl von der Wirkung her Ähnliches erreicht werden). Alle sind sie innerhalb eines Tages zu erreichen. Bieten so also in Kürze maximales Foto-Post-Material. In die Auswahl haben es dann auch garantierte Klickschlager wie die Bahnhofstrasse oder das Bellevue geschafft.

Doch da auch wir ein Herz für die neuen Trends haben (und uns auch nicht zu alt fühlen wollen, um mit ihnen zu gehen), haben wir uns auf die Suche nach den wahren Insta-Spot-Schätzen gemacht. Und diese sind ganz sicher #wundervoll und #awesome und auch gar nicht so altbacken wie #HBZürich.

#MFO-Park

Stefan Raab war ihm bereits verfallen: dem Maschendrahtzaun. Dass ein solcher auch zum Fotosujet taugt, zeigt sich beim MFO-Park. Wer zudem für seinen Coolness-Faktor noch ein paar rauchende Jugendliche als Hintergrund-Elemente mitfotografieren will, wird in diesem Park auf jeden Fall nicht enttäuscht.
James-Joyce-Strasse, 8050 Zürich

#Kraftwerk

Hip, Hipster, Kraftwerk – müsste der Slogan für dieses Café wohl heissen. Wer sich zudem Zürcherinnen und Zürcher mit Riesenbrillen, Omas Blusen und neonfarbene Pullis als Sujets wünscht, der ist hier am richtigen Ort. Und wem dies noch nicht genügt, der soll sich an der Bar noch eine Biolimonade bestellen.
Selnaustrasse 25, 8001 Zürich

#Pfingstweid

Dieses Parkhausdach ist für die Inszenierung Ihres PS-starken Goldküstenwagens oder der dunkel gefärbten Sonnenbrille perfekt. Denn der Primetower als Hintergrund bringt Ihr Bling-Bling so richtig zur Geltung.
Parkhaus Pfingstweid, Pfingstweidstrasse 1, 8005 Zürich

#Augustinergasse

Ich verstehe, wenn Ihnen auf einer Fotoreise durch Zürich doch auch nach traditionelleren Sujets zumute ist. In diesem Fall sei Ihnen die Augustinergasse empfohlen. Die vielen bunt bemalten Erkern sehen bei Sonne und Schnee traumhaft aus. Und sie betonen eine wichtige Charaktereigenschaft der Schweizer: den Türspion. Denn nichts lieben wir mehr, als unseren neugierigen Blick zu den Nachbarn (und den nervigen Influencern) wandern zu lassen.
Augustinergasse, 8001 Zürich

#Thermalbad

Wer sich nicht vor hemmungslosen Pärchen scheut, die ihren Gefühlen auch einmal freien Lauf lassen, der ist im Panoramabad auf dem Hürlimann-Areal richtig. Und mit etwas Sprudel im Nacken lässt sich auch viel entspannter fotografieren. Etwas weniger entspannt ist da der Preis für ein solches Bild: neben der Ekelüberwindung kostet der Tageseintritt 36 Franken.
Brandschenkestrasse 150, 8002 Zürich (saf)

Erstellt: 15.04.2019, 14:23 Uhr

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