«Als ich dann reich war, kaufte ich mir einen Mercedes»

Stephan Remmler, Schöpfer von «Da, da, da», teilt Fahrzeuge lieber, als sie zu besitzen. Das war früher anders.

Mit einem Kleinwagen begann auch Stephan Remmlers Auto-Biografie. Für Werbezwecke hat sich der Musiker in Zürich wieder hinters Steuer gequetscht. Foto: Danila Helfenstein

Mit einem Kleinwagen begann auch Stephan Remmlers Auto-Biografie. Für Werbezwecke hat sich der Musiker in Zürich wieder hinters Steuer gequetscht. Foto: Danila Helfenstein

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Alle kennen seinen Hit, keiner sein ­Gesicht. Und dann sieht man sich diesen Spot an, hört dieses bekannte Ticken. Sieht das furchige Gesicht eines Mannes, der leicht grimmig durch die Brille blickt. Hohe Stirn und Glatze. Im Hintergrund ein weisses Auto. Der Mann singt drei Worte: «Aha, aha, aha.»

Aha! Er ist es! Keiner kann das zweisilbige Wort so guttural artikulieren wie er: Stephan Remmler, Frontsänger von Trio, die 1982 mit «Da, da, da» einen Welthit landeten. Und nun gibt sich dieser Star der Neuen Deutschen Welle für eine Kampagne hin, in der es um alles andere als ein künstlerisches Anliegen geht. Um das Teilen von Privatautos für die Zürcher Plattform Sharoo. Zwei Tage stand er dafür in Zürich vor der Kamera.

«Da Da Da steht dein Auto (feat. Stephan Remmler)». Video: Sharoo

Sie gaben nicht nur Ihren Song für einen Werbespot hin, sondern auch sich selber. Sie halten sich sonst eher aus der Öffentlichkeit raus.
Das mag überraschen, ja, aber Sharoo ist eine gute Sache, die ich unterstützen wollte. Auch, weil es ein Schweizer Produkt ist und ich seit 30 Jahren glücklich in diesem Land lebe und seit Anfang Jahr Schweizer bin. Der Dreh in Zürich hat übrigens unheimlich Spass gemacht.

Spricht da einer, der Autos mag?
Heute sind mir Autos relativ wurst. In Basel ist der Nahverkehr so gut, dass ich dort keines brauche. Auf Lanzarote, wo ich das halbe Jahr über lebe, habe ich einen Citroën Berlingo. Den Kastenwagen nutze ich für meine drei Hunde. Mehr nicht.

Ein Musiker, der sich nichts aus Autos macht?
Das Auto als Statussymbol zu betrachten, habe ich mit 70 hinter mir.

Es war also einmal anders?
Klar doch.

Um Remmlers Faszination an der Idee zu ergründen, planen wir eine Fahrt in einem fremden Auto Richtung Basel. Mit diesem Trick würden wir die Vorteile dieser Art des «Sharens» erfahren, so die Idee. Selbstverständlich per Auto in Remmlers Stil – Mercedes aus den 80ern oder ein Porsche. In Zürich gibt es schliesslich vom Mini über den Tesla bis hin zum Hummer fast alles zu mieten. 1100 Autos stehen in der Schweiz auf der Sharing-Plattform zur Verfügung, 25'000 Buchungen zählt die Firma seit der Gründung im Frühling 2014.

Wenn Sie ein Auto wären, welches?
Ich kann es nicht sagen. Jedenfalls nicht eins, das unbedingt Individualität ausstrahlen soll, so wie das Architekten oder so brauchen, die speziell individuell wirken wollen.

Wie war Ihre Auto-Biografie?
Mein erstes Auto war ein Mini. Meine Grosseltern hatten ihn mir geschenkt.

Echt? Sie in einem Mini? Wie gross sind Sie?
1 Meter 86. Das ging schon, aber einmal war ich mit meiner Freundin in Portugal, Marokko und Griechenland unterwegs, und wir haben auf der Reise einen Stroh­sessel gekauft, den wir auf dem Rücksitz heimtransportierten. Da war der Mini echt voll.

Was kam nach dem Mini?
Ein VW-Käfer, bei dem schon bald von unten Wasser eindrang. Danach hatte ich einen R4 und dann einen Chevrolet Station Wagon. Den fuhr ein Freund von mir eines Tages gegen einen Baum. Meinem Freund ist nichts passiert, aber mein Auto war hin.

Wars das?
Nein, als ich dann reich war, kaufte ich mir einen Mercedes 380 SEL. Der hatte damals schon eine Heizung für jeden Sitz. Ich gab ihn auf, als der Kat kam.

Und nun teilen Sie auch Autos?
Nein, noch nicht. Sollte ich in Basel aber je ein Auto brauchen, werde ich mir über Sharoo eins mieten.

Die Wahl fällt auf den roten Mini von Sharoo-Vermieter Christian. Bloss, er beantwortet die Anfrage per Mail nicht. Man ist also auf das Wohlwollen der Vermieter angewiesen. Bei Sharoo heisst es, bei Neumietern seien Autobesitzer besonders vorsichtig. Gute Ratings sind auch hier die zweite Währung.

Es bleibt ein Auto, wie es bei Remmler verpönt ist, weil Kreative darauf abfahren: ein Saab. Er gehört Matthias und ist alles andere als sexy. Ein 9-3 Aero, hellblau-türkis. 70 Franken kostet die Tagesmiete. Die geplanten Fahrkilometer gehen bei der Sofortbuchung vergessen.

«Da da da», live im ZDF-Studio 1982. Video: Trio

Ihr Song war schon Werbeträger für diverse Produkte: für Volkswagen, Citroën, Pepsi oder auch für Kekse. Warum?
Keine Ahnung, wirklich. Ich weiss nur, dass im Falle von Volkswagen das typisch deutsche Lied an das Herstellungsland erinnern sollte.

Ist es Fluch oder Segen, wenn der eigene Hit für alle möglichen ­Produkte verwendet wird?
Fluch? Nein. Es ist grossartig, dass so ein Ding seit 35 Jahren auf der ganzen Welt funktioniert. Es ist fast, als hätte ich «White Christmas» erfunden.

Was an Ihrem Song ist so gut?
Das kann ich nicht sagen. Ich freue mich einfach darüber, dass er gut ist.

Liegt es vielleicht an der Einfachheit von «Da, da, da»?
Das mag zutreffen. Wir haben alle Songs auf das Wesentliche reduziert.

Matthias’ Saab ist im Kreis 2 schnell gefunden. Via App schliessen wir auf, der Zündschlüssel liegt unter der Blende. Sofort ist jenes Gefühl da, das wir von Airbnb kennen: Man kommt in Berührung mit Privatem. Konkret: mit Gummistiefeln im Kofferraum und Entspannungs-CDs in der Mittelkonsole. Das ist spannend und irritierend zugleich.

Nach einigen Stunden am Rhein parkieren wir das Auto wieder in Zürich, verschliessen es per App und haben ­umgehend ein Dankes-SMS auf dem Handy. Die gefahrenen Kilometer werden später in Rechnung gestellt. Auch die Busse, die wir irgendwo vor Basel eingefahren haben, können wir vorerst vergessen. Was will man mehr? Deshalb: gutes Engagement, Herr Remmler.

Welche Beziehung haben Sie ­eigentlich zu Zürich?
Ich muss gestehen: Zürich kannte ich bis zu diesem Dreh kaum. Ich war schon auf der Botschaft, mehr nicht.

Und was sagen Sie jetzt zur Stadt?
Ich weiss nun, wie schön und lebendig die Kreise 3 und 4 sind.

Erinnern Sie sich an den Ort der Schlusseinstellung im Spot?
Ja, von da war der Blick über die Stadt wunderschön. Wie heisst es da genau?

Waid.
Schwieriger Name, lassen wirs.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.11.2016, 18:07 Uhr

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