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Ein Zürcher auf Du und Du mit dem Jetset

Momo Mobetie, vermittelt Stars wie Snoop Dogg oder Rihanna für VIP-Events. Viele erzählen sich Geschichten über ihn. Neider, sagt er.

Niemand in Europa könne VIP-Events auf die Beine stellen wie er und seine Partner, sagt Momo Mobetie.
Niemand in Europa könne VIP-Events auf die Beine stellen wie er und seine Partner, sagt Momo Mobetie.
Sabina Bobst

Jeder glaubt, Maurice «Momo» Mobetie (37), Betreiber des Clubs Flamingo, zu kennen. Weil jeder eine Geschichte zu Momo kennt. Geschichten, die selten wohlwollend sind. Die einen sagen, er sei Drogendealer im grossen Stil. Die anderen nennen ihn einen Blender. Behaupten, er trage dick auf, lebe auf Pump, gaukle der Öffentlichkeit vor, dass in seinem Club, dem Flamingo in Zürich, die Stars ein- und ausgingen. Er selber sagt: «Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben.» Und: «Viele sagen mir: Momo, du gehörst nicht hierhin. Du denkst nicht wie ein Schweizer. Ich glaube, sie haben recht.»

Ein früher Donnerstagnachmittag im Januar. Draussen herrscht Schafskälte, drinnen brummt die Lüftung. Mobetie sitzt in einer Lounge seines leeren Clubs im vierten Stock des Gebäudes an der Limmatstrasse 65, trinkt Red Bull und raucht Marlboro. Er ist chic gekleidet. Dunkles Sakko («Ich liebe Loro Piano, ich bin ja schliesslich Italiener»), grosse Armbanduhr («ein Geschenk von Bertarelli»), Aktentasche von Louis Vuitton. Der Raum ist geprägt von nachdrücklichem Weiss. Weisse Säulen, weisse Sitzgruppen, weisse Flamingohälse, die sich in Herzform zusammenschmiegen. Gewisse würden das als Kitsch bezeichnen. Für Momo Mobetie ist dies Heimat und Kerngeschäft zugleich - und einer der schönsten Clubs der Welt.

Vor rund zehn Jahren belebte der in Rheinfelden aufgewachsene Eventveranstalter den Club neu: erst mit Salsa, heute vor allem mit Black Music. Zielpublikum: junge Menschen. Ein Stammgast hat den Hashtag flämelauftimmer kreiert. Soll heissen: Im Flamingo ist immer was los. Mehrere Gäste haben sich das Logo aufs Handgelenk tätowieren lassen. «Jetzt muss ich dann wohl auch», sagt Mobetie und lacht sein dröhnendes, kumpelhaftes Lachen.

Er sieht aus wie ein Geschäftsmann, redet wie jemand von der Strassenecke, lacht viel, ist laut, vereinnahmend. Das Socializen ist sein Geschäft. Er ist hier nicht nur der Hauptbesitzer - sein Partner ist Denner-Erbe Cédric Schweri -, sondern auch der Conférencier, der Dreh- und Angelpunkt, der Gästebetreuer.

Keine Zeit für Miami

Mobetie ist ständig am Reisen, ständig zwischen seinem Wohnort Kloten, seinem Büro in Glattbrugg, dem Flamingo, Miami, London, Paris, Mailand, Dresden, New York, Ibiza am Pendeln. Auf Social Media vermittelt er das Bild eines Lebemanns, der keinen grauen Alltag kennt. «Kann sein, dass das so wirkt. Das ist aber ein falscher Eindruck. Ich wollte noch nicht eine Sekunde in meinem Leben zum Jetset gehören. Aber ich arbeite für diese Leute. Ich mach meinen Event, hol meinen Cash ab und gehe wieder.» Er habe keine Zeit, um einfach so nach Miami zu fliegen und die Füsse ins Wasser zu halten. Sein Smartphone verweist auf 17'050 ungelesene E-Mails.

«Viele sagen mir: Momo, du gehörst nicht hierhin. Du denkst nicht wie ein Schweizer. Ich glaube, sie haben recht.»

Momo Mobetie

Neben dem Flamingo arbeitet er als Organisator von exklusiven Partys im In- und Ausland, vermittelt Stars wie P. Diddy, Paris Hilton, Snoop Dogg, Chris Brown oder Rihanna. Es gebe in ganz Europa nur drei Leute, die so etwas auf die Beine stellen könnten: Er und seine beiden Partner, behauptet er. «Man kann nicht einfach irgendwo anrufen und sagen: Ich möchte Paris Hilton buchen. Da würde man nie eine Antwort bekommen.» Für ihn sei das mit einem Telefonat erledigt. Auch dazu gibt es eine Geschichte, die in Zürich kursiert. Er habe behauptet, der kanadische Superstar Drake sei im Flamingo gewesen und habe dazu ein Bild gepostet, auf dem dieser ganz offensichtlich woanders zu sehen gewesen sei. Genauso sei ein Double von 50 Cent bei ihm gewesen.

«Eine, wo so öppis behauptet, macht sich ja sälber zum Aff!», wiederholt Mobetie dreimal. «Das mit Drake war ein Scherz. Eine meiner ehemaligen Mitarbeiterinnen ist sein grösster Fan. Ich wollte schauen, wie lange es dauert, bis sie sich meldet.» Der Post sei ganze fünf Minuten online gewesen. Niemand sei extra deswegen ins Flamingo gekommen. Alle seine Gäste hätten den Humor verstanden. «Nur Leute, die mir schaden wollen. Neider.»

Jene Neider seien es auch, die ihn immer wieder mit dem Drogenmilieu in Zusammenhang bringen. «Ein Drogendealer fährt sicher keinen Aston Martin. Ein Drogendealer tut alles, damit er nicht auffällt. Ich hingegen tue alles dafür, dass unser Club frei von harten Drogen bleibt.» Erneut meldet sich sein Smartphone, das er auf den Loungetisch gelegt hat: «Pling!», eine neue Message. Gerade fragt ein Agent, ob er nicht den amerikanischen Rapper Tyga für eine Party buchen wolle. «Für den interessiert sich doch keine Sau», sagt Mobetie.

«Momos World» bei MTV

Den glamourösen Teil seiner vielfältigen Tätigkeiten wird er der breiten Öffentlichkeit bald in einer Fernsehshow präsentieren. Auf dem Handy zeigt er dem Journalisten einen Rohschnitt der ersten Folge von «Momos World», dem MTV- Format, das spätestens ab März in 12, vielleicht sogar 18 Ländern zu sehen sein soll. Es zeigt einen 15-minütigen Ausschnitt aus einem Leben mit den oberen Zehntausend. Teure Anzüge, Champagner, Klunker, Straussenfilets - und mittendrin Momo. Es beginnt allerdings mit den schwierigen Kapiteln aus dessen Leben: Aufgewachsen in einem Wohnblock in Rheinfelden, Sohn von Immigranten, halb Italiener, halb Franzose, karibische Wurzeln, Scheidungskind. Er fliegt aus sehr vielen Schulen, sitzt später drei Jahre im Jugendgefängnis.

«Ich schäme mich nicht dafür, dass ich vorbestraft bin. Das gehört zu meinem Lebenslauf. Ich bin ein friedlicher Mensch, liebe die Harmonie. Aber ich würde mich und meine Familie auch heute noch verteidigen, wenn ich muss.»

Seine Rechte verteidigen - allerdings auf juristischem Weg - musste er auch im Fall der Pressegeschichte um seine Beziehung zur holländischen TV-Moderatorin Sylvie Meis. Die deutsche Presse schrieb, Meis habe sich von ihm getrennt, weil er bankrott sei. Er klagte erfolgreich. «Sehe ich aus, als wäre ich bankrott? Trägt diese Uhr jemand, der bankrott ist? Also: Pschschscht!», sagt er und hält sich den gereckten Zeigefinger vor den Mund.

Bleibt eine letzte Frage: «Ist dieses Leben nicht sehr oberflächlich? Besteht es aus mehr als aus knallenden Champagnerkorken und Smalltalk?» Er hat gewartet auf diese Frage. Wie auf die meisten, die an diesem Nachmittag behandelt werden. «Alles, was schön ist, kann man schlechtreden», sagt er. «Jeder Mann würde gerne eine Nacht mit Sylvie Meis verbringen. Allen voran die Journalisten, die ständig über sie berichten.» Er sei verliebt gewesen, darum habe er sich mit der Frau, die wöchentlich in den deutschen Klatschspalten auftaucht, in der Öffentlichkeit gezeigt.

Das Interview findet nach fast drei Stunden sein Ende. Die Eismaschine streikt. Der Chef ist gefragt. Auf dem Weg zur Tür hält Mobetie nochmals kurz inne: «Nein, ich finde mein Leben nicht oberflächlich. Es ist reich an Erlebnissen und Erfahrungen. Und nicht zuletzt an guten Geschäften.»

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