Bei Stereo Luchs tanzen Wörter und Vibes im Takt

Es sind «bloss» fünf neue Songs. Doch sie zeigen: Der Zürcher Dancehall-Sänger ist zwei Jahre nach dem letzten Album schon einen Schritt weiter.

Hat allen Grund, gut drauf zu sein: Silvio Brunner alias Stereo Luchs.

Hat allen Grund, gut drauf zu sein: Silvio Brunner alias Stereo Luchs. Bild: Goran Basic

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Das erste Mal vergisst man nie, heisst es – zumindest wenn es gut war. Und das erste Mal mit Stereo Luchs war gut. Gut im Sinn von intensiv, aber doch locker, lustig und gleichwohl schweisstreibend, und würden Zigaretten zu meinem Leben gehören, hätte ich mir vor lauter Zufriedenheit bestimmt diese berühmte «Zigi danach» angezündet.

Dieses erste Mal fand übrigens im Exil statt, in der Reihe «Jamaica’s Finest», in einer frostigen Winternacht, nach dem Abendessen bei einem Kreis-5-Kumpel. Er sagte so ungefähr: «Lass uns die Kälte wegbouncen, dä Luchs isch im Huus», ich hatte keine Ahnung, wovon er quasselte, doch drei Stunden später war mein Hemd pitschnass… und ich zum Fan geworden. Und dies, obwohl ich – anders als bei den einheimischen Troubadouren, Punkern, Rockern und selbst Hip-Hoppern – bei den auf Mundart reimenden Reggae- und Dancehall-Artisten eigentlich immer ein bisschen Mühe gehabt hatte: Lyrics und Sounds hatten irgendwie nie vollends diesen «Aus einem Guss»-Habitus, viele Strophen wirkten eher in die Rhythmen reingequetscht als organisch mit ihnen verschmolzen; selbst bei anderen Lokalhelden mit Jamaica-Flair wie Phenomden oder Linez geriet das Gehör bisweilen ins Stolpern (Sie wissen, was ich meine).

«Kei Schlaf»: Der neue Track von Stereo Luchs. Video: Youtube

Nicht so bei Silvio Brunner alias Stereo Luchs – bei ihm tanzten Wörter und Vibes im Takt, mal forscher und mal smoother. Womöglich lag es daran, dass er immer schon eine Nähe zur diesbezüglich Zürcher Hip-Hop-Schule gehabt hat (was im Jahr 2014 auch zur Aufnahme ins renommierte Tempel-of-Speed-Kollektiv um Tinguely de Chnächt, Skor und Sterneis führte), deren Reime zwar unabhängig vom Inhalt stets höchst elastisch und geschmeidig wirken, aber eben letztlich doch hochpräzis ausgearbeitet sind.

Einmal ist es gar kitschig

Seis drum, jedenfalls funktionierte dieses Text-Musik-Duett schon beim 2013 veröffentlichten Album «Stepp usem Reservat» von 2013. Es funktionierte mindestens so gut, wenn nicht noch besser beim Nachfolger «Lince» von 2017, der deshalb zum grossen Wurf wurde, weil er musikalisch mit angesagten (und sprechgesangstechnisch anspruchsvolleren) Rhythmen wie Afrobeat oder Trap spielte. Und es funktioniert – logo – auch bei der neuen EP «Off Season». Sie hat fünf Songs und ist, der Titel deutet es an, ein Intermezzo auf dem Weg zu einer grösseren Sache.

Doch erfreulicherweise ist es eben mehr als ein Pausenfüller: Sowohl beim Sound wie bei den dazugehörigen Storys tut Stereo Luchs einen «next step», beides wirkt (trotz Autotune!) atmosphärischer, lieblicher… und bei «Balkon» gar uncool kitschig! So also klingt Dancehall, wenn er sommerlich beschwipst ist, denkt man – und freut sich bereits aufs nächste erste Mal.

Stereo Luchs: «Off Season» (Pegel Pegel!/ Island Records) Kommende Konzerte findet man auf Stereo Luchs’ Facebook-Site.

Erstellt: 17.06.2019, 13:44 Uhr

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