«Bitte! Gehts noch?»

Für uns überwindet das Duo Lapsus die Grenze zwischen Interviewern und Interviewten – die zwei führen das Gespräch gleich selber.

Seriös versus lustig: Peter Winkler (l.) scheint nicht mit allen Fragen seines Partners Christian Höhener einverstanden zu sein. Foto: Doris Fanconi

Seriös versus lustig: Peter Winkler (l.) scheint nicht mit allen Fragen seines Partners Christian Höhener einverstanden zu sein. Foto: Doris Fanconi

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In einer Zeit, in der Finanzen und Ressourcen landauf, landab knapper werden, Kunden keine Könige mehr sind, geht es auch den Künstlern an den Kragen. Mangels Personal müssen sie ihre Interviews schon selber führen. So ist es für einmal Christian Höhener alias Assi Bruno Gschwind, der seinem Partner Peter Winkler, alias Brunos Chef Theo Hitzig, auf den Zahn fühlt.

Herr Winkler, es freut mich, dass ich Sie an dieser Stelle interviewen darf.
Wieso sprichst du mich mit Sie an?

Weil das viel seriöser rüberkommt. Im Fernsehen machen die das schliesslich auch so.
Aber wir sind Komiker, das Interview sollte doch nicht seriös sein, sondern lustig.

Lustig sind Sie als Komiker doch auf der Bühne, aber hinter der Fassade sind doch die lustigen Leuten oft traurige, depressiv veranlagte ­Menschen. Trifft das auf Sie auch zu, Herr Winkler?
Also das finde ich jetzt nicht gerade eine geeignete Einstiegsfrage. Wir wollen doch eigentlich über unser Stück «On/Off» sprechen.

Wieso versuchen Sie sich ­herauszuwinden? Ist es Ihnen ­unangenehm, über Privates zu sprechen? Wollen Sie nichts von Ihrer Familie erzählen? Der Leser hört gerne Geschichten über die Alltagsprobleme mit der Frau und den rotznäsigen Kindern.
Nein! Ich will über unser neues Stück «On/Off» reden!

Das bringt mich zur nächsten Frage. Sie spielen auf der Bühne Theo Hitzig. Das ist ein nervöser, hyperaktiver, besserwisserischer Managertyp, der nicht merkt, dass er im Grunde mit der technologischen Welt total ­überfordert ist. Ich kenne Sie ­persönlich schon länger und habe das Gefühl, dass sich in der Figur Theo Hitzig sehr viele von Ihren ­persönlichen Problemen ­wiederfinden.
Also was soll das! Wirst du jetzt zum Hobbypsychologen?

Herr Winkler, die Leute wollen Persönliches erfahren, etwas mit Zündstoff. Etwas, das Sie als Cervelat-Promi zurück auf den Boden der Normalsterblichen holt. Schlagen Sie Ihre Kinder? Onanieren Sie? Betrügen Sie Ihre Frau? Haben Sie Frauen sexuell belästigt?
Bitte! Gehts noch? Kann mich bitte der Schawinski interviewen? Also in unserem Stück «On/Off» geht es um die Zukunft. Wohin geht die Reise mit dieser ganzen technologischen Entwicklung? Muss man da mitmachen? Kommen wir da unbeschadet heraus?

Ich sehe, Sie versuchen unbeschadet aus diesem Interview zu kommen. Wir sind hier nicht in der Zukunft, wir sind in der Gegenwart, Herr Winkler, und die ist nun wirklich keine ­Plauschreise! Alles ist im Wandel. Auch für diese Zeitung, für die wir hier ein Interview ­schreiben. Sie kämpft mit Leserschwund, und den kann man nur stoppen, wenn die Interviewten, wie Sie Herr Winkler, Interessantes erzählen und die Hosen runterlassen. In Facebook wimmelt es von Selbstdarstellern, die alles Erdenkliche von sich ­geben, da müssen Sie sich schon mehr Mühe geben, dass die Leser nicht abwandern!
Sie sollen ja vor allem ins Hechtplatztheater wandern, da bearbeiten wir mit unserem Stück «On/Off» diese Themen auf humorvolle Weise.

Schon haben Sie wieder Werbung gemacht! Als Mitspieler bin ich zufrieden mit Ihnen, aber als Interviewer bin ich enttäuscht! Sie haben bis jetzt nichts Persönliches gesagt, Sie haben uns nichts Relevantes zur Lage der Welt ­offenbart. Es ging Ihnen nur um die Selbstvermarktung.
Lapsus hat übrigens auch einen Facebook-Account! Diese Seite ist für dich aber blockiert. Du würdest die Leute mit deinen Kommentaren und Fragen nur vergraulen!

Ich hätte wirklich mehr von Ihnen erwartet. Trotzdem danke für das Gespräch.
Gern geschehen. Auf der Bühne zahl ichs dir heim!
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.11.2017, 20:44 Uhr

Das Comedyduo Lapsus

«On/Off» – ihr neues Programm

Mit ihrem siebten Programm kippen Theo Hitzig (Peter Winkler) und sein Assistent Bruno Gschwind (Christian Höhener) den Schalter um und überwinden das Raum-Zeit-Kontinuum. Sie treten an mehreren Orten gleichzeitig auf, lesen Gedanken oder legen geheime Gewohnheiten des Publikums offen. Und sie vollführen, was bis jetzt nur mit Autos möglich war: ein komplett selbstfahrendes Unterhaltungsprogramm. Ihr weltweiter Crashkurs führt Hitzig und Gschwind durch Digitäler, über Berge und aufs Eis. Auch wenn die Autokorrektur sie gelegentlich vom Weg abbringt, können die beiden unterwegs interessante Pop-up-Fenster öffnen und so manche Festplatte weichklopfen. Dass auf der Reise auch Pannen geschehen, gehört zu den Geschäftsbedingungen, die wir alle unbesehen unterschrieben haben. Doch nach jedem Absturz folgt ein Neustart. Und ganz am Schluss ein echtes Feuerwerk. (roc)

«On/Off», Theater am Hechtplatz bis 26. 11., Premiere am 7. 11. www.lapsus.ch

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