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«Da, mis Bisness-Chärtli!»

Damit Sie beim nächsten Stehlunch nicht allein stehen müssen, buchstabiert Ihnen das Bellevue das Abc der Start-up-Szene. Vielleicht hilft es (nicht).

So sieht die Businesswelt ja nur in der Werbung aus. Ein Start-up nach dem Deal und vor dem Launch. Foto: Getty Images
So sieht die Businesswelt ja nur in der Werbung aus. Ein Start-up nach dem Deal und vor dem Launch. Foto: Getty Images

A

wie ASAP

In der Businesswelt hält sich niemand mit langen Sätzen auf. «Bitte antworten Sie mir sobald wie möglich»? «As soon as possible»? Forget it! Es muss heissen: «ASAP!» (wichtig: Grossbuchstaben).

B

wie Brown Bag Lunch

Braun und inspirierend wie Fäkalien sind die Tüten, die einem an solchen Mittagssitzungen verteilt werden. Ihr Zweck: die Denkmuskeln anregen, indem man das darin enthaltene lauwarme Wässerchen schlürft und am Wurst-Käse-Sandwich knabbert. Tja, die Denkmuskeln essen halt mit.

C

wie Content

In den Weiten des Online, wo User schnell und elegant auf Oberflächen surfen, ist «Content» so etwas wie der Gegenwind: Inhalt. Der Stein im Brett. Irgendwie lästig, aber auch erdend.

D

wie Deal

Egal, was Sie über Deals im Allgemeinen oder den «Jahrhundertdeal» (Trump) im Speziellen wissen: Es geht immer um eigene Vorteile. Darum, was Sie für sich herausholen können. Merke: Jeder Deal = «DeinDeal».

E

wie Elevator Pitch

30 Sekunden oder eben eine Liftfahrt lang müssten der Start-up-Generation ­reichen, um einem Investor-Löwen (den man in diesem fiktiven Beispiel per ­Zufall im Aufzug trifft!) ihre genieähnliche Idee zu verkaufen. Die Unternehmerszene wäre nicht, wie sie ist, würde sie nicht auch kostenpflichtige mehrtägige (!) Kurse anbieten, in denen der Verkauf des Elevator Pitch erlernt werden kann.

F

wie FYI

Die Abkürzung von «For Your Information» ist eine der häufigsten Businessfloskeln – meist kombiniert mit gelieferten Hinweisen, die Sie nicht interessieren. Besser würde es also heissen: FYN – For Your Non-Information.

G

wie Go-live

An Füssen hochziehen, Klaps auf den Po, erster Schrei – so stelle ich mir eine Geburt vor. Da das Gebären einer Website halt einfach wenig Dramatik bietet, müssen wir es halt «Go-live» nennen.

H

wie Hub

Neumodisch für: Büro. Meistens haben Start-ups Hubs (Reim!), aber auch die FDP hat einen Kampagnen-Hub. Was dann nicht mehr so modern wirkt.

I

wie IMO

Tschuldigung, wieder eine Abkürzung. Das ist langweilig, aber so ist das nun mal bei den Businesspeople – in my opinion. Dafür steht nämlich «IMO».

J

wie Judgen

Beurteilen. Auf die Schnelle könnte man meinen, «Judgen» stamme aus der Hip-Hop-Szene. «Was luegsch??» – «Was judgisch du mich?» Aber vielleicht ist der Unterschied zwischen diesen beiden Szenen gar nicht so gross. In beiden geht es darum: Wirkung.

K

wie KPI

Ganz einfach: die Kennzahl, die den Erfolg dieses Bellevue-Artikels misst (also die KPI), ist die Anzahl Schmunzler, die wir von Ihnen dafür ernten.

L

wie Launch

Nicht zu verwechseln mit Löntsch (Schweizer Dialekt für Lunch, gebräuchlich bei Ü-60-Jährigen). Launch. Man spricht: Laansch. Etwas launchen heisst, etwas starten, eröffnen, lancieren. Ist wichtig, weil das Aufbruch signalisiert. Wie «Together ahead».

M

wie Meet & Greet

Hoi, Sali, Tschau, Tschau, da, mis Bisnesschärtli, Küssli, Küssli, Küssli.

N

wie Native Advertising

Die «Werbung im bekannten Umfeld» (Wikipedia) ergibt sich aus der Rechnung Journalismus + sinkende Werbeeinnahmen. Die Werbung wirkt wie Journalismus, ist es aber nicht. Aber scheints ist sie gewinnbringend.

O

wie Out-of-Office

«Guten Tag. Sie erhalten diesen automatischen Textabschnitt, da ich mir derzeit mit meinen vielen, vielen Bazeli Ferien auf den Malediven leiste. Ihr ­Anliegen wird nicht weitergeleitet. ­Bitte wenden Sie sich in dringenden Ange­legenheiten an meinen Kollegen Max Mustermann.»

P

wie Pivot

Dreh-, Angelpunkt, Schlüsselfigur, Achse. Pivot-Tabellen sind eine spezielle Art von Tabellen (Wikipedia). Mehr muss man glaubs nicht wissen.

Q

wie Quick and dirty

Apropos «dirty»: Wissen Sie, wie die deutsche Übersetzung von «Dirty Dancing» lautet? Dörte tanzt. Anyway: Schnell und dreckig ist eine Lösung, die innert kürzester Zeit entstanden ist. Sie ist nicht perfekt, aber tut es für den ­Moment. Sie können sich das wie bei «Dirty Dancing» vorstellen: Diesen Kultfilm zu schauen, hilft über Liebeskummer hinweg. Quick and dirty.

R

wie Roadmap

Eine Roadmap ist eine Art Lebenslinie, die zeigen soll, wo Sie in Zukunft hinwollen (Quelle: Jeder Business-Blog, den das Web hergibt). Derzeit könnte mein Roadmap für Sie wohl sein, dass Sie es sicher bis ans Ende dieses Artikels schaffen.

S

wie Staffing

Ein Begriff, zwei Bedeutungen: Einerseits bezeichnet er das Rekrutieren von Angestellten, andererseits die Situation, dass solche Angestellte ihren Chef mobben – ein bisschen zynisch ist das ja schon.

T

wie Trainee

Ist ein hoch qualifizierter junger Mitarbeiter, der innerhalb des Unternehmens ausgebildet und gefördert wird. Handelt es sich um eine Mitarbeiterin, wird sie bald auf Widerstände stossen. Weil Frau.

U

wie Unicorn

Nicht das Fabelwesen, aber in etwa gleich schwierig, es in freier Laufbahn zu entdecken: ein Start-up nämlich, dessen Bewertung vor dem Börsengang eine Milliarde Franken übersteigt.

V

wie Vercharten

Schönmalerisch für «Ich verstehe gerade gar nichts. Haben wir nicht ein paar bunte Bilder, Zahlen und Grafen?» Oder: «Schluss mit dem Gequatsche. Ich will Fakten sehen.»

W

wie Wannapreneur

Das sind die Menschen, die statt Businessplan lieber ein paar Inspirational Quotes schreiben: «Dream bigger», sagen wir da nur.

X

wie Xing

Ist ein soziales Netzwerk, in dem Mitglieder hauptsächlich ihre beruflichen Kontakte verwalten. Anmelden!

Y

wie Yes-Butter

Die «Ja, aber»-Sager sind dem (Vorsicht, Wortspiel!) Aberglauben verfallen, dass hinter jeder Idee ein Unheil wartet. Sind Sie Anhänger dieser Religion, ist es Zeit für einen dieser (wieder sehr teuren) Workshops, in dem Sie vom Yes-Butter zum Why-Notter gemacht werden. Ich meine, why not?

Z

wie Zertifikat

Ganz ehrlich: All diese Business-Schools und MBAs wurden nur geschaffen, um sich Zertifikat um Zertifikat ausstellen zu lassen. Falls Sie sich fragen, wo das Bürokratiemonster hockt: hier.

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