Das Landesmuseum knipst den Kitsch an

Der Winter ist da. Im Hof des Landesmuseums gibt es Glühwein. Dieses Jahr mit besonderem Besuch.

Egal, wohin man schaut, man hat das Gefühl, im Rücken was zu verpassen: Das Landesmuseum als Lichtschloss. Video: Trailer Illuminarium

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War der Neubau des Landesmuseums bis gestern für viele Projektionsfläche von Unverständnis und Unmut, ist er noch bis Ende Jahr Projektionsfläche für eine winterliche Fantasie. Der gewaltige Betonbau wird für einige Wochen zur Kitschbude. Yuki und ihre Freunde erwachen, die Fabelwesen kriechen aus den Bullaugen im Beton und laden zum bunten Konzert. Yuki wurde Ende Oktober das erste Mal in Zürich gesichtet, vom Silo und dem Primetower äugte das Einauge mit Geweih, dem Limmatquai stattete es ebenfalls einen Besuch ab – ehe es sich wieder verkroch und auf seinen grossen Auftritt vorbereitete. Der war gestern Abend: Yuki lud im Landesmuseum zum ersten fantastischen Konzert.

Wenns eindunkelt in Zürich, wird das Landesmuseum zum Lichtschloss. Zu einem Ort, an dem man sich zur kalten Jahreszeit treffen soll. Sogar vom Baukran tropfen Lichttropfen. Es gibt Bars, ein Restaurant und Essensstände, vergleichbar mit dem Weihnachtsdorf auf dem Sechseläutenplatz. Und es gibt vor allem eine riesige Ladung fantastischen italienischen Kitschs – direkt importiert aus dem Süden Italiens. Die Fratelli Parisi aus Lecce haben den Innenhof des alten Landesmuseums mit Licht gefüllt. Die geschwungenen Elemente sehen aus wie riesige Scherenschnitte, verziert mit bunten Lichterketten.

Schöne Rundumberieselung

Als die Italiener ihre Installation das erste Mal angeknipst haben, so erzählen es die Veranstalter am Abend der Eröffnung, sei die Umgebung taghell beleuchtet gewesen. Dass gestern an den Premiere nichts mehr blendete an den meterhohen Lichtwänden und Kuppeln, war einem Hochleistungsdimmer zu verdanken – die Beleuchtung wurde auf 20 Prozent heruntergedimmt. Nein, nicht um, auf 20 Prozent. Und die Technik wird in den nächsten Tagen noch weiter aufgerüstet, das Licht ist immer noch eher hell und kalt.

Zurück zu Yuki. Ihre Bühne ist der Hof des Neubaus. Eine Geschichte, ein Animationsfilm in 3-D, läuft über die Fassade, fantasieund farbenvoll. Sie wird mit hoher Präzision an die Wände rundherum projiziert – egal, wohin man schaut, man entdeckt einen neuen Effekt, eine versteckte Attraktion, eine kleine Geschichte in der grossen. Egal, wohin man schaut – man hat auch immer irgendwie das Gefühl, im Rücken etwas zu verpassen. Die Umgebung wird dafür perfekt ins Spektakel integriert: Aus den Bullaugen tropft farbiges Licht, ehe sie zu Orgelpfeifen werden, die Fenster am Altbau beginnen zu wackeln und sind plötzlich Klaviertasten. Dicke blaue Finger spielen – was eigentlich? Ein Konzert auf Basis von Giuseppe Verdis «La traviata». Plötzlich hallen Arien durch das Landesmuseum, Yuki übernimmt den weiblichen Part – das ist jetzt auch der Link zu den italienischen Lichtinstallationen im Hof vorne, die sonst so überhaupt nicht zur Ästhetik der modernen Lichtinstallation passen will.

Der Vorhang fällt. Yuki und ihre Freunde ziehen sich einen Moment in den Beton zurück. Sammeln ihre Kräfte. In einer halben Stunde beginnt die Sache wieder von vorn. Die Saison der Projektionen hat gerade erst begonnen.


Illuminarium im Innenhof des Landesmuseums täglich 17 bis 23 Uhr, bis 31. Dezember
Lichtshow mehrmals täglich,
Eintritt Erwachsene 13 Franken;
10- bis 16-Jährige 8 Franken;
6- bis 9-Jährige 5 Franken.
www.illuminarium.ch

Erstellt: 17.11.2017, 14:41 Uhr

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