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Das perfekte Kind

Ich will eine Traumfamilie! Die App Muse soll mir helfen, das Potenzial meiner Kinder zu erschliessen. Ein Selbstversuch.

An einem Freitag kurz nach Feierabend schickt mir Muse die erste Anweisung: Ich soll meinen Sohn Siro (6) ermuntern, eine Karte von der Umgebung zu zeichnen, und das Resultat mit einer echten Karte vergleichen. Siro zögert. Ich schlage vor: unser Haus, die Badi Tiefenbrunnen gleich gegenüber, der Kindergarten, die Säuli auf dem Quartierhof. Siros Miene verfinstert sich. Er mag es nicht, wenn ich Kreativität von ihm fordere. Er hat lange nichts Gegenständliches gezeichnet, aus Angst zu versagen. Noch immer malt er lieber abstrakte «Kunst», Schatzkarten oder Südseeinseln. Er verschwindet im Kinderzimmer und baut dort mit seiner Schwester Lego-Klötze zusammen.

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Jeden Tag schickt mir Muse eine Aufgabe für Siro und eine für Nora (3): Die App will Erziehungshelferin sein, Allan Guggenbühl für die Hosentasche sozusagen. Mehr noch: Entwicklerin Vivienne Ming (44) plant mit ihrer Software nicht weniger als die Neuerfindung der Erziehung. «Disruption» heisst das in der Sprache des Silicon Valley. Dort hat Ming für das Start-up Gild jahrelang Unternehmen geholfen, die passenden Bewerber zu finden. Unabhängig von deren Uni-Abschluss. Ming interessiert sich für das «wahre Potenzial» der Menschen, wie sie sagt. Statt um erfolgreiche Karrieren geht es bei ihrer eigenen Firma Socos Learning, die Muse entwickelt hat, um die optimale Erziehung. «Unser Ziel ist es, mit Technologie bessere Menschen zu erschaffen», sagt die Neurowissenschaftlerin, «kreativer, gesünder, produktiver.»

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