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Mit Gunkl auf Zürich-Tour: «von einer Bank gesponsert, natürlich»

Wir haben den Wiener Kabarettisten Gunkl gefragt, ob er mit uns Zürich analysieren mag. Mochte er. Machte er dann aber nicht.

Unterwegs in Zürich mit Gunkl: Der Wiener Kabarettist findet, die Stadt gaukle einem nichts vor.
Unterwegs in Zürich mit Gunkl: Der Wiener Kabarettist findet, die Stadt gaukle einem nichts vor.
Reto Oeschger

Die Übungsanlage gefällt ihm. Jedenfalls sagt der Gunkl: «Aha.» So, wie nur Österreicher «Aha» sagen. Dieses «Aha» reicht, und der Gunkl hat sein Zürcher Publikum für sich eingenommen. Weshalb eigentlich mögen wir diese Österreicher so, weshalb orientiert sich die Stadt Zürich so an der Stadt Wien?

«Tut sie das?», fragt der Gunkl, der mit bürgerlichem Namen Günther Paal heisst, 56 ist, von Wien her mit dem Auto nach Zürich fuhr und sogar hier logiert, wenn er in Luzern sein Programm spielt. Zürich sei grossartig, hier gebe es noch ein Raucherhotel.

Aber zurück zur Übungsanlage: Wir treffen den Gunkl am Hauptbahnhof, spazieren mit ihm zum Bellevue und lassen ihn auf dem Weg Zürich kommentieren. «Aha», sagt der Gunkl und mustert sogleich das Züri-Velo. So als sanfter Einstieg. Ein durchaus funktionales Rad scheine ihm das zu sein, «von einer Bank gesponsert, natürlich».

Dass Aha nicht ja heisst, wird bald klar. Der Spaziergang ist so vergnüglich, wie man das von einem Spaziergang mit einem Kabarettisten erwarten kann. Aber der Gunkl mag Zürich viel zu sehr, als dass er die Stadt scharf und durchdringend analysieren könnte. Dafür erzählt er gerne, und man hört dem Mann mit der schwarzen Mütze und der schwarzen Brille gerne zu.

Christa de Carouge bügelte für ihn

Zum Beispiel wenn er aus der Zeit erzählt, als er auf der Bühne noch Sakko trug. Dieses Sakko war ein bisschen zerknittert, also ging Gunkl in die Schneiderei neben dem Miller’s, wo er später auftrat, um zu fragen, ob sie ihm vielleicht das Sakko bügeln könnten. Dass die Dame, die ihm das umsonst machte, Christa de Carouge war, erfuhr Gunkl erst später.

Oder: Ein Freund von Gunkl ist ein ausgezeichneter Pianist. Ein Zürcher Café engagierte den Mann für eine Woche Afterwork-Beschallung. Als Instrument stellten sie ihm einen richtig guten Steinway hin, «für ein bisschen Palimpalim zwischen Finanzabschluss und Duschen», sagt der Gunkl und muss lachen. Er findet das gut: «Zürich hat, was es wiegt.»

«Zürich und Wien», nimmt er das Thema von vorhin noch einmal auf. Er hält die Hände flachvor sich auf Augenhöhe, nivelliert sie gegeneinander aus, «das ist natürlich ein Messen auf Topniveau.» Man habe es an beiden Orten gerne ordentlich, ja. Aber Zürich sei für ihn mehr Italien als Wien, fügt er später einmal an. Und das sage er jetzt nicht, weil wir gerade vor dem Bianchi stünden. «Die Holzläden, sehen Sie? Die gibt es in Wien nicht. Die gibt es in Italien.»

Wenn der Gunkl so das Limmatquai entlanggeht, den Kopf permanent leicht nach hinten gezogen, sieht es immer so aus, als würde er sich zurücklehnen. Noch ein bisschen mehr Distanz zum Objekt schaffen. Distanz schaffen, das passt zu Gunkls aktuellem Programm «Zwischen Ist und Soll».

Auf der Bühne interessiert er sich für den Nullpunkt, für die Ursache. Das tut er sehr präzise. Etwa einen Irrtum konsequent weiterdenken, schauen, wohin man gelangt, «wenn man ab dem Irrtum selber keinen Fehler im Denken mehr macht». Ein weiteres Muster: Dinge, die nicht ausgesprochen werden, weil sie vorausgesetzt werden, mit anderen Dingen kollidieren lassen, die nicht ausgesprochen werden, weil sie vorausgesetzt werden. Er wolle seinem Publikum etwas anbieten, sagt Gunkl, «die Welt verändern kann man nicht. Und das Scheitern am Unmöglichen ist billig.» Es gehe ihm «nur» darum: «Ich will eine Perspektive präsentieren und zeigen, dass sie ihre Berechtigung hat.» Perspektive hat Gunkl gelernt, er war schliesslich zuerst einmal Reproduktionsfotograf. Das heisst: ein Bild mithilfe von Filtern in seine vier Farben zerlegen. Das alleine ist lustig, wenn Gunkl im Niederdorf davon erzählt. Just als er seine Lehre abschloss, «setzte der Computer seinen Fuss in die Welt». Etwas vom Ersten, das er bewirkte: Er machte Reproduktionsfotografen überflüssig. Also studierte Günther Peel ein bisschen Publizistik, blieb ohne Abschluss und wurde Nachtwächter. Dann kellnerte er jahrelang.

Prozessorientiertes Trinken

Im Kleinen Café gab es einen anderen Günther, also kellnerte er fortan als Gunkl. Es war der Name, den ihm sein grosser Bruder gab, als er zur Welt kam: Günther war für den kleinen Buben unaussprechlich. Nebenher machte er Musik, unter anderem für den Kabarettisten Alfred Dorfer. Und wie er einmal so auf der Bühne sass und dem Dorfer bei der Arbeit zuschaute, dachte er sich: «Kann ich auch.»

Ebenfalls nebenher schrieb er kleine Texte auf, die er im Wiener Kleinkunsttheater Kulisse jeweils einer Angestellten vorlas. Bis der Chef kam und sagte, er habe gehört, er, Gunkl, habe ein Soloprogramm. Hatte er nicht, er schrieb aber eins.

Zum Schluss steht ein Highlight der Stadtführung für Raucher an: das Fumoir in der Kronenhalle. Gunkl lässt sich in den Sessel fallen, schaut die Glasvitrine an, darin teurer Schnaps und Zigarren. Das habe er auch nie gekonnt, bemerkt der Kabarettist: Prozessorientiert trinken. Er trinke wirkungsorientiert, und da sei Bier das Mittel seiner Wahl.

Gunkl, Zwischen Ist und Soll, Freitag und Samstag, 20 Uhr, Miller's.

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