Der freakigste Fitnessclub der Schweiz

Es gibt viele Fitnessclubs in Zürich – aber nur einer bietet auch Fitnessmuffeln Wohltaten für Leib und Seele.

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Der Vita-Parcours ist – neben Roger Federer – die beste sportliche Erfindung der Schweiz. «Der grösste Fitnessclub der Schweiz» nennt man sich in der Eigenwerbung. Zutreffender wäre «der freakigste Fitnessclub der Schweiz». Das aber im allerbesten Sinne. Wer es richtig ernst meint, der trainiert natürlich im Gym – und das ist manchmal das Problem. Im Gym gibt es Menschen, es riecht nach Schweiss, und man hört fremde Menschen stöhnen – das ist nicht jedermanns Sache. Wer frei, unbeobachtet, in seinen ältesten Klamotten und, wenn es sein muss, mit Stirnband trainieren will, entscheidet sich für den Vita-Parcours.

Erfunden wurde er in Zürich, genauer Wollishofen. Dort gab es eine Männerriege, eine Reihe tüchtiger Burschen vermutlich, die gern im Wald Baumstämme umherwuchteten und Klimmzüge übten. Weil die Waldarbeiter aber ihre Turngeräte immer wieder verstellten, schlug man der Gemeinde vor, einen permanenten Parcours einzurichten. So wurde am 18. Mai 1968 der erste Vita-Parcours in Fluntern eröffnet.

Das Konzept taugt noch heute, auch wenn die Anweisungen auf den blauen Tafeln auf das Niveau von Amateursportlern und Familien ausgerichtet sind. Es kombiniert Kraft, Ausdauer und Koordinationsübungen, dem ambitionierten Freizeitsportler steht es natürlich frei, den Parcours zu einem anspruchsvollen Crossfit-Training zu pimpen.

Der Vita hat gegenüber dem herkömmlichen Gym viele Vorteile. Erstens tut Natur nicht nur dem Körper gut, sondern auch dem Gemüt. Zweitens trifft man hier die lustigsten Leute, etwa den Typ Vater, wahlweise mit Kindern im Schlepptau, für den ein Besuch im Gym aus diesen Gründen nicht infrage kommt.

Ich mag sie, diese Väter, selbst mit Stirnband. Nur etwas mag ich nicht: wenn sie stundenlang die Rumpfbeugestation besetzen. Bei Männern macht sich das mittlere Alter bekanntlich im mittleren Körperbereich bemerkbar, und viele scheinen zu glauben, Rumpfbeugen seien ein wirksames Mittel dagegen. Darum lasst euch hier, liebe Vita-Parcours- und andere Freunde der Rumpfbeugen sagen: Auch hunderttausend Rumpfbeugen machen kein Sixpack und lassen euren Dad-Bauch nicht schrumpfen. Sixpacks macht man in der Küche. Und wenn ihr nur eine Übung richtig ernsthaft macht, dann lieber Burpees, die Fitnessübung der Knastis. Ich bin sicher, ihr könnt mit ihnen mitfühlen.


Michèle Binswanger ist Autorin beim «Tages-Anzeiger», liebt Sport und Trainingsphilosophien. Wöchentlich schreibt sie die Work-out-Kolumne und postet regelmässig auf diesem Instagram-Kanal.

Erstellt: 24.10.2019, 17:05 Uhr

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