«Der Voiturier ist die Galionsfigur»

Hans Stricker arbeitet seit bald vier Jahrzehnten im Baur au Lac, seit fast 30 Jahren ist er Wagenmeister. Er versteht sich als Visitenkarte des Hotels: Er ist der erste und der letzte Angestellte, den die Gäste sehen.

Hat als Kellner-Lehrling angefangen: Baur-au-Lac-Voiturier Hans Stricker. Video: Lea Koch.


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Spruch lautet: Der wahre Meister zeigt sich an der Drehtür eines Luxushotels. Welches sind Ihre Hauptaufgaben als Voiturier?
Ich bin die erste Person, die der Gast sieht, wenn er anreist, und die letzte, wenn er wieder abreist. Zu meinen Hauptaufgaben gehört es, den Gast zu empfangen, ihn ins Haus zu begleiten und mich um sein Auto zu kümmern, falls er mit einem solchen angereist ist.

In Deutschland heisst Ihr Beruf «Wagenmeister». Warum?
Die Bezeichnung stammt noch aus einer Zeit, als der Wagenmeister vor dem ­Hoteleingang die Kutschen in Empfang nahm. Er half beim Aussteigen, spannte die Pferde aus und so weiter. Der ­Wandel begann dann mit dem Siegeszug von ­Eisenbahn und Auto. Voituriers findet man vor allem bei Luxushotels. Im Prinzip bin ich eine spezialisierte Form des Portiers.

Welche Qualitäten muss man für diesen Beruf mitbringen?
Der Voiturier ist die Visitenkarte und Galionsfigur eines Hotels. Er muss dem Gast gegenüber Aufmerksamkeit zeigen, Verantwortung übernehmen, und er sollte sich schnell auf die Bedürfnisse der Hotelgäste einstellen können.

Was heisst das?
Ich muss rasch merken, ob ein Gast reden oder lieber ungestört sein will.

Wie wichtig ist Freundlichkeit?
Sehr wichtig, und ich betone das Wort Freundlichkeit deshalb stark, weil ich Unterwürfigkeit ablehne. Zudem merkt ein Gast schnell, wenn Hotelangestellte auf übertriebene Höflichkeit machen.

Als Visitenkarte des Hotels . . .
. . . will ich mich nicht selber loben. Aber ich denke, Hotels der Spitzenklasse können nicht ohne weiteres auf Voituriers verzichten. Wenn der Gast höflich und zuvorkommend am Eingang begrüsst wird, dann sieht er wahrscheinlich gelassener über mögliche Wartezeiten an der Réception oder einen Irrtum des Zimmerservice hinweg.

Sind Sie mit Stammgästen per Du?
Nein, zwischen Gast und Angestelltem braucht es die nötige Distanz.

Weshalb tragen Sie eine Uniform?
Die Uniform dient dazu, zu repräsentieren. Zudem ist sie ein guter Schutz gegen das Wetter.

Viele Hotelgäste fahren mit teuren Autos vor. Wird man da automatisch zum Autoliebhaber?
Die Rolls-Royce, Ferrari und Porsche beeindrucken mich nach wie vor.

Ihr Favorit?
Der Aston Martin DB9.

Im Baur au Lac übernachten viele Prominente. Wer beeindruckte Sie?
Alain Delon, als er in Zürich sein neues Parfüm vorstellte. Mit welchem Charme er sich um 23 Uhr verabschiedete und aufs Zimmer ging, das hatte schon Stil.

Flippen Promis manchmal aus?
Im Gegenteil. Die Leute sind meist umso angenehmer, je berühmter sie sind.

Sie könnten ein Buch schreiben mit Ihren Erlebnissen aus 40 Jahren.
Ein solches wird es aus Gründen der Diskretion nie geben. Für mich privat habe ich ein Album angelegt mit Fotos und Autogrammen vieler Persönlichkeiten. Es ist allerdings ausschliesslich für mich bestimmt, quasi als Erinnerung an die vielen Begegnungen.

Erstellt: 08.03.2015, 22:44 Uhr

Hans Stricker: «Ich muss rasch merken, ob ein Gast reden oder lieber ungestört sein will.» (Bild: Sabina Bobst)

Serie

«Im Huus»

In der Serie «Im Huus» widmen wir uns jeweils eine Woche lang dem Innenleben eines Zürcher Gebäudes. Nach einem «»Bürohaus, einem Stadion und einer Kirche schauen wir nun hinter die Kulissen des Zürcher 5-Stern-Hotels Baur au Lac.

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

1000-Sterne-Hotel: unterwegs mit dem Zelt

Outdoorfeeling pur! Alena Stauffacher, begeisterte Bergsportlerin, erzählt von ihren Camping-Erfahrungen.

Kommentare

Blogs

Mamablog Darf die Mutter mit dem Bub aufs Männerklo?
Sweet Home Glamour gegen Langeweile

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Essen auf Rädern: Eine Frau kauft sich ihr Abendessen bei einem Strassenhändler in Bangkok. (19. August 2019)
(Bild: Mladen Antonov) Mehr...