Die Rangliste der Zürcher Restaurants

Was taugt die neue Ausgabe des Restaurantführers «Zürich geht aus»? Die Analyse des «Züritipp»-Gastrokritikers.

Schöne Inspirationsquelle mit etwas gar milden Kritiken: Das neue «Zürich geht aus».

Schöne Inspirationsquelle mit etwas gar milden Kritiken: Das neue «Zürich geht aus».

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Ein Kollege verglich «Zürich geht aus» einmal mit einem Telefonbuch. Weil darin derart viele Restaurants besprochen werden, dass man meinen könnte, es handle sich um den Versuch, die ganze Zürcher Gastronomieszene in einem Heft abzubilden. 185 Lokale sind es in der gerade veröffentlichten Ausgabe 2016/17. In Worten: einhundertfüfundachtzig.

Ist «Zürich geht aus» also eine Werbeplattform im redaktionellen Gewand, wie Verschwörungstheoretiker behaupten? Oder gibt es tatsächlich einhundertfünfundachtzig wirklich empfehlenswerte Restaurants in Stadt und Region? Sicher ist, dass die Bewertung von Speiselokalen zu einem gewissen Teil eine subjektive Sache ist, sich über die Aussagekraft jedweder Kritik darum trefflich streiten lässt.

Mutiger Entscheid

Und so gibt es in den Hitlisten von «Zürich geht aus» Lokale, die wir nie und nimmer dort platziert hätten, weil wir bei unseren Testbesuchen alles andere als begeistert waren, aber auch solche, die sich ihre Auszeichnung redlich verdient haben. Manchmal ist «Zürich geht aus» sogar mutig. Etwa dann, wenn es das erst im letzten Winter eröffnete Ecco mit Küchenchef Stefan Heilemann in der Kategorie «Grosse Küche für Gourmets» gleich hinter The Restaurant im Dolder Grand (Heiko Nieder) und vor das traditionsreiche Küsnachter Rico’s (Rico Zandonella) auf Platz 2 setzt.

Weil die grosse Launch-Party für das Heft am Montag im Hotel Atlantis by Giardino, zu dem das Ecco gehört, stattfand? Nein, Platz 2 für Heilemann und sein Team ist ganz sicher keine Gefälligkeit, die Ecco-Küche ist tatsächlich ein enormer Gewinn für die Stadt, sie ist modern, elegant, bis ins kleinste Detail exakt, gleichzeitig aber auch problemlos verständlich und überhaupt nicht abgehoben. Wetten, dass es dafür im Herbst im «Guide Michelin» auf Anhieb zwei Sterne geben wird?

Gefreut haben wir uns auch über die Aufnahme von im «Züritipp» mit viel Lob bedachten Neueröffnungen in die Hitlisten: So steht das Hide & Seek – es ist ebenfalls im Atlantis by Giardino daheim – in der eigenartig benannten Kategorie «Speisekarten mit Aussicht» auf Rang 1. Das Gandria im Seefeld, von Gastgeberin Teresa Wenger und Küchenchef Adriano Peroncini in ein echtes Juwel verwandelt, schaffte es immerhin in die Top 10 der Rubrik «Verführung auf Italienisch - edel».

Verdiente Ehre für grossartige Gastronominnen

Das von Jeannine Meili runderneuerte Zolliker Rössli wird in der Rubrik «Zürcher Institutionen» auf Position 5 geführt. Eine mehr als verdiente Auszeichnung für eine Gastronomin, deren Lokale im besten Sinn gutbürgerlich sind und einen sehr wertvollen Beitrag zum Erhalt dieser Küchenkultur leisten.

Schön ist zudem, dass die Metzg an der Langstrasse in der Rubrik «Kreativ und frisch» Platz gefunden hat, obwohl Rang 8 zu weit unten ist. Marlene Halters Küche steht für verantwortungsvollen Umgang mit Fleisch, sie zeigt, dass es ein Riesenfehler ist, immer nur die Edelstücke zu essen.

Die Metzg ist wirklich ein Lokal mit regionalen Produkten, zeitgemässen Rezepturen und neuen Ideen, so wie es «Zürich geht aus» sich nach eigenen Angaben für diese Kategorie wünscht. Bei der Nummer 1 der «Kreativ und frisch»-Hitliste, dem Hato, sind wir uns da nicht so sicher. Die Küche dort lebt vor allem von teuren und oft von weither eingeflogenen Edelprodukten. Doch auch wir müssen zugeben, dass die vom Hato-Team beim «Zürich geht aus»-Launch gereichten Tuna-Nigiri mit frischem Wasabi absolute Extraklasse waren. Manchmal ist eben selbst ein einzelner Kritiker mit sich im Clinch.

Was bitte ist mit Hirschen und Sonne?

Dann – wir haben uns den grössten Tadel für den Schluss aufgehoben – gibt es noch Dinge, die uns mehr als nur ein bisschen irritieren. Wie um Himmels willen kann die Sonne in Stäfa, das klar beste Fischrestaurant im ganzen Kanton, in keiner der Listen auftauchen? Und hat die Redaktion vergessen, dass draussen im wundervollen Eglisauer Hirschen ein gewisser Tobias Buholzer ebenso wunderbare Gerichte auf den Teller zaubert?

Vielleicht müssen wir uns ja 2017 nicht mehr über diese Unterlassungssünden ärgern. Bis dahin werden wir sicher öfters in «Zürich geht aus» blättern. Alles in allem ist das Heft nämlich schon eine ziemlich gute Sache, eine sehr schön gemachte Inspirationsquelle bei der Restaurantsuche.

«Zürich geht aus», Gourmedia Verlag, 24.50 Fr.

Erstellt: 28.06.2016, 15:10 Uhr

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