Zürichs neuer Taschen-König

Hinter den erfolgreichen Zürcher Marken Qwstion und Viu steht Designer Christian Paul Kägi – ein minutiöser Arbeiter.

Mit dem Taschenlabel Qwstion hofft Chefdesigner Christian Paul Kägi nun auch am Hechtplatz auf Erfolg. Foto: Urs Jaudas

Mit dem Taschenlabel Qwstion hofft Chefdesigner Christian Paul Kägi nun auch am Hechtplatz auf Erfolg. Foto: Urs Jaudas

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Wer fragt, lernt. So ein deutsches Sprichwort. Wer Fragen stellt, gibt sich nicht damit zufrieden, wie etwas ist. Staunt wie ein Kind über Grundlegendes. Gute Fragen sind immer einfach, sagte Harvard-­Philosoph Michael Sandel einmal.

Ein Philosoph ist Christian Paul Kägi nicht. Aber er fragt gerne. Was ist eine sinnvolle Beschäftigung? Was ist nachhaltig? Was ist guter Konsum? Kägi schreit diese Fragen nicht in die Welt ­hinaus. Er lässt sie in seinem Kopf widerhallen, bis sie sich in einem Produkt ­manifestieren. Er ist ein stiller Denker und liefert als Industrial Designer auf diese Fragen Antworten. Die bekannteste dieser Antworten ist das Taschenlabel Qwstion: schlichte Alltagstaschen, die nachhaltig produziert werden und sich weit über Zürich hinaus immer grösserer Beliebtheit erfreuen. Für die Taschen hat Qwstion diverse Design-Awards gewonnen, einige bezeichnen das Label deshalb bereits als Nachfolger der Recyclingtaschen der Gebrüder Freitag.

Kleider für Freunde

Christian Paul Kägi empfängt in seinem Ladenlokal im Zürcher Kreis 4, in dem auch das Entwicklungsstudio integriert ist. Der 38-Jährige sitzt auf einem raumteilenden Holzkubus, den er entworfen hat, und sagt: «Was wir hier gemacht haben, versuchen wir bei all unseren Produkten anzuwenden: eine Lösung zu suchen für die individuellen Bedürfnisse.» Er spricht in ruhiger Art, wägt seine Worte bewusst ab. Im Fall des Kubus hiess dies: Wie kann man den überhohen Raum besser ausnützen und wohnlicher einrichten?

Im Fall von Qwstion hiess dies: Wie muss eine Tasche aussehen, die genauso gut zum Businesslook wie zu Sport­kleidern passt? Antwort: etwas ­zwischen Ledertasche und Wanderrucksack. Für Kägi, der die Last beim Velofahren lieber auf zwei Schultern verteilt, musste es ein robustes Rucksackmodell für jedes Wetter sein. Eines, das zu diesem Naturburschen mit rotem Haarschopf und dem Dreitagebart passt.

Im Pop-up-Store am Hechtplatz: Christian Paul Kägi.

Schon als Teenager hatte Kägi gerne seine eigenen Sachen entworfen. In seinem Elternhaus im zürcherischen Lindau verbrachte er Nachmittage in der Holzwerkstatt und im Nähzimmer, nähte sich Hemden und Hosen. Seinen Freunden gefielen die Kleider. Schon bald nähte er auch für sie – gegen Entgelt. «Dass meine Freunde meine Entwürfe getragen haben, erfüllte mich schon damals», sagt Kägi.

Ein Produkt begleiten

2008 nähte Kägi zusammen mit ­Sebastian Kruit, Matthias Graf, Hannes Schönegger und Fabrice Aeberhard die ersten Taschen, die seinen Bedürfnissen entsprachen. Das Label Qwstion war gegründet, die Freunde wieder begeistert. Seither fungiert Kägi als dessen kreativer Kopf. Das Team entwickelte das Design, die Stoffe, die Verschlüsse und den Schriftzug weiter und lancierte Kollektion um Kollektion. Mitgründer Schönegger sagt: «Christian stellte immer hohe Anforderungen an sich und die anderen.»

Ebenso wichtig wie das Produkt ist Kägi, wie das Produkt entsteht und dass es aus jeder Sicht nachhaltig ist. «Wie es denen geht, die mit ihm arbeiten, war Christian immer wichtig», sagt Schönegger. Zuerst dachten Kägi und sein Team an eine Produktion in der Schweiz, merkten aber bald, dass dem Land alles ­Textilwissen abhandengekommen war. In China, unweit von Hongkong, wurden sie schliesslich fündig und bauten mit Produzenten sowie Fabrikanten Bio-Öko-Standards auf. Die Qwstion-Gründer verstehen es als eine Art Entwicklungsarbeit. Trotz der hohen Qualitätsanforderungen war es ihnen ein Anliegen, dass ein Produkt für eine breite Masse entsteht. Rund 250 Franken kostet eine Qwstion-Tasche.

Die Art des Denkens verband Kägi schon im Studium mit Qwstion-Mitgründer Fabrice Aeberhard. Mit dem Designstudio Aekae machten sich die beiden 2006 selbstständig und entwarfen als ersten Auftrag ein Luxusboot. Sie gestalteten die Inneneinrichtung für das Hive, planten für Mammut. Sie stiegen im Café Z am Park ein und lancierten die Stuhlaktion «Take a Seat», bei der Designer Stühle umgestalten. Das Team funktionierte gut, hatte Erfolg. Aeberhard hatte eher eine Affinität zum Geschäftlichen, Kägi war der Konzepter. Aeberhard sagt: «Er arbeitet minutiös und für die letzten 20 Prozent. Er ist manchmal zu detailverliebt.» Dennoch hatten sie stets den Wunsch nach einem eigenen Produkt, das sie vom Entwurf bis zur Entstehung begleiten konnten. Parallel zu Qwstion präsentierten sie mit Sire 2009 eine teure Brillenkollektion aus Schweizer Horn. Mit der preisgünstigeren Brillenmarke Viu kam 2013 der Erfolg. Aeber­hard wirkt bis heute als deren Chefdesigner, Kägi hat dieselbe Position bei Qwstion inne.

Wien, Kopenhagen, Zürich 2

Heute verkaufen weltweit 150 Läden in 26 Ländern Qwstion-Taschen. Vor einer Woche hat das Label nach Zürich und Wien in Kopenhagen seinen dritten eigenen Shop eröffnet. Das Mobiliar entwirft Qwstion selber, die Taschen hängen meist an einem weissen Lochblech, grosse Wandbilder prägen die Räume. Ab heute und bis Ende März versucht Kägi am Hechtplatz ein neues Zürcher Publikum für seine Produkte zu begeistern. Wie in den anderen Shops ergänzen auch da andere Labels, die modernes Design mit bewusster Produktion verbinden, das Sortiment: etwa Soeder-Seifen, Teppiche von Schönstaub, Velt-Schuhe oder Kaffeemaschinen der Marke Zuriga.

Hat er etwas Zeit, entwirft Kägi im Studio neben dem Holzkubus neue Taschen. Freitage geniesst er gerne mit seiner Freundin und der vierjährigen Tochter in der Natur. Nur von Erfolg spricht Kägi nicht. Unter der Tür sagt er: «Wir haben mit guten Leuten zum geeigneten Zeitpunkt das Richtige gemacht.»

Diesen Donnerstag, ab 18 Uhr: Temporary Qwstion Store, Limmatquai 16.

www.qwstion.com

Erstellt: 29.11.2017, 21:05 Uhr

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