Einen Augenblick dahinter sehen

Schleusen trennen im ­5-Stern-Hotel Baur au Lac die Welt der Schönen und Reichen von jener der Zuvorkommenden und Fleissigen.

Hinter den Türen des pompösen Ballsaals ist das Baur au Lac funktional gehalten. Auf den Plattenbelägen dürfen die Mitarbeiterinnen auch mal rennen. Fotos: Sabina Bobst

Hinter den Türen des pompösen Ballsaals ist das Baur au Lac funktional gehalten. Auf den Plattenbelägen dürfen die Mitarbeiterinnen auch mal rennen. Fotos: Sabina Bobst

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Die Grenze ist klar gezogen: Sie ist dort, wo der flauschige Teppich auf den Zimmeretagen zum schlichten Plattenbelag wechselt. Eine dünne goldene Metallleiste fasst den Teppich. An ihr endet die Welt der luxuriösen Üppigkeit und beginnt das Reich der Gouvernanten, Zimmermädchen, Floristen, Handwerker und Pagen. Es ist jener Teil des Hotels, zu dem die Gäste keinen Zutritt haben, der zwar weit weniger dekorativ ist – aber genauso wichtig: Die Arbeit hinter den Kulissen entscheidet massgeblich über das Wohlbefinden der Gäste.

Auf den Zimmeretagen finden sich ­allenthalben unscheinbare Türen. Es sind die Durchgänge hinter die Kulissen des Baur au Lac. Man muss sie kennen, denn optisch unterscheiden sie sich nicht von all den anderen Türen im Haus. Manche führen in das Treppenhaus, manche in Putzräume, manche direkt in Personen- oder Warenlifte.

Das Baur au Lac hat Tradition – und ist doch auf der Höhe der Zeit. Das Haus ist in den Jahrzehnten stetig umgebaut worden. Entsprechend sind Wege hinter den Kulissen verschlungen, die Gänge sind verwinkelt – es ist schwierig, sich zu orientieren. Es dauert deshalb einige Zeit, bis sich neue Angestellte im Baur au Lac wirklich auskennen.

An der goldenen Linie verwandeln sich die Angestellten. Zum Beispiel die beiden Zimmermädchen, die auf Portugiesisch miteinander scherzen. Sobald sie die Türen öffnen und vor die Kulisse treten, tritt ihre Persönlichkeit in den Hintergrund: andere Haltung, andere Mimik. Der Bodenbelag entscheidet über das Tempo ihres Schrittes. Über die Platten rennen die Mitarbeiterinnen auch einmal – auf Teppich niemals. Routine ist zentral: Nur wenn die Abläufe eingespielt sind, lässt sich (zumindest sichtbare) Hektik vermeiden.

Erstellt: 11.03.2015, 20:37 Uhr

Serie

«Im Huus»

In der Serie «Im Huus» widmen wir uns jeweils eine Woche lang dem Innenleben eines Zürcher Gebäudes. Nach einem Bürohaus, einem Stadion und einer Kirche schauen wir nun hinter die Kulissen des Zürcher 5-Stern-Hotels Baur au Lac. In der morgigen Ausgabe erzählt der Chef-Concierge aus seinem Alltag.

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