Er zeichnet ohne Rücksicht auf Konventionen

Der Zürcher Comiczeichner Yves Nussbaum alias Noyau hat ein neues Buch mit seinen Werken veröffentlicht. In «Le Bon Goût» tun sich Abgründe auf.

Noyau spart weder an Witz noch an Boshaftigkeit: Welches arme Schweinchen muss heute dran glauben? Bilder: Aus dem besprochenen Band

Noyau spart weder an Witz noch an Boshaftigkeit: Welches arme Schweinchen muss heute dran glauben? Bilder: Aus dem besprochenen Band

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Auf dem Einband wird Flaubert zitiert: «Es gibt eine Sache, die uns behindert. C’est le goût, le bon goût, wir haben zu viel davon.»

Noyau, wie sich der in Zürich wohnhafte Illustrator Yves Nussbaum nennt, hat viel guten Geschmack, tatsächlich. Aber zu viel? Behindern oder einschränken lässt er sich davon jedenfalls nicht: Er zeichnet weich und bunt und schwungvoll – ohne Rücksicht auf Konventionen.

Es gibt viel nacktes Fleisch in seinem neuen Buch «Le Bon Goût», viel totes Fleisch auch. Da ist der Torero, der mit seinem roten Tuch zwischen Rinderhälften steht. Da das ganze Schwein mit treuherzigem Blick im Wurstnetz. Da die zur Mutter reduzierte Frau (mit Nuggis statt Nippeln). Und dort der Schönheitschirurg, der auf der Wiese des Freibads viel Arbeit vor sich liegen sieht.

Es sind durchwegs schöne Bilder, in denen wir den Lauf der Zeit, die Aktualität erkennen, und ziemlich oft unsere eigene Unzulänglichkeit.

Noyau, der bis vor den Sommerferien auf dem Bellevue den Streifen «Unter anderen» gezeichnet hat, versteht es, Boshaftigkeit lieblich darzustellen. Es sind durchwegs schöne Bilder, in denen wir den Lauf der Zeit, die Aktualität erkennen, und manchmal (also ziemlich oft) unsere eigene Unzulänglichkeit.

Da ist der Superheld mit goldener Tolle und grossem T auf der Brust, der die Heckflosse mit der amerikanischen Flagge rettet, während er das brennende Flugzeug abstürzen lässt. Da ist die Autofahrerin, die sich über eine Bettlerin auf dem Parkplatz aufregt. Da sind eine Frau und ein Mann, die während des Sex beide auf ihre Handys starren.

Die Westschweizer Zeitung «Le Temps» nennt «Le Bon Goût» ein unverzichtbares Werk und begründet das treffend: «Weil der Künstler überrascht. Weil er lustig ist. (...) Weil er keine Angst vor schlechtem Geschmack hat.»

Noyau: «Le Bon Goût», Les Cahiers ­Dessinés, Paris 2019. Bilder aus dem Buch sind bis zum 28. September im Buchladen Never Stop Reading ­ausgestellt, ­Spiegelgasse 18. www.neverstopreading.ch

Erstellt: 13.09.2019, 16:47 Uhr

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