«Es gibt Tage, da laufe ich nur die Luxusmeilen auf und ab»

Er weiss, welche Regeln bei den Superreichen gelten: Privatbutler Hanspeter Vochezer über anspruchsvolle Oligarchen und einkaufsfreudige Kunden.

«Als Butler ist man ein Dirigent», weiss Hanspeter Vochezer. (Bild: Getty Images)

«Als Butler ist man ein Dirigent», weiss Hanspeter Vochezer. (Bild: Getty Images)

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Herr Vochezer, woher kommt Ihre Passion fürs Dienen?
Butler ist der abwechslungsreichste und intimste Beruf der Welt. Er erfordert Diskretion, Diplomatie, ein perfektes Auftreten und Flexibilität – Dinge, die mir sehr entsprechen. Als Hotelier ist man zuständig, dass sich Gäste im Hotel wohlfühlen. Als Butler geht man einen Schritt weiter. Man ist ein privater Multitaskmanager. Ein Butler kocht, serviert, empfängt Gäste und organisiert alles, was in einem Haushalt anfällt.

Wo arbeiten Sie?
Das ist so unvorhersehbar wie der Beruf. Ich habe unter anderem Stars wie Gunter Sachs, Queen Latifah oder Quincy Jones im Ausland betreut oder als Headbutler in einer Entzugsklinik an der Goldküste gearbeitet. Auch organisiere und begleite ich Familien aus dem Ausland zu ihrem Aufenthalt in den Schweizer Bergen oder werde für eine Butler-Schulung auf Jachten in Genua oder Monaco gebucht.

Sie arbeiten für sehr reiche Leute. Worum dreht sich bei einer solchen Klientel Ihr Alltag?
Es geht vor allem um das Organisieren des Alltags. Ich kümmere mich um den Fuhrpark oder stelle sicher, dass die Haushälterin ihren Job gut macht. Wer macht die Putzpläne, wo lässt sich etwas optimieren? Als Butler ist man ein Dirigent und die Brücke zum Master, zum Principle, zum Monsieur, zur Madame – wie auch immer die Kundschaft gern genannt werden will.

Könnte ich auch als Butlerin arbeiten?
Stammen Sie aus der Hotelbranche oder haben Sie Erfahrung in gehobenen Privathaushalten?

Nein.
Dann würde ich Sie zwei Jahre in die Praxis schicken: in die Luxushotellerie, an eine Bar, in Restaurants und die Hauswirtschaft. Die Hotellerie ist die Basis, 95 Prozent jedoch sind mentale Einstellung. Den Rest können Sie lernen. Das Butlersein ist pickelhart. In schwierigen Situationen und bei anspruchsvollen Kunden die Contenance zu bewahren, kann schon eine Chal­lenge sein. Russische Oligarchen etwa gelten als sehr anspruchsvoll.

Sind aus Ihrer Sicht die ­letztgenannten denn auch die ­mühsamsten Kunden?
Das darf man so nicht pauschalisieren. Aber es gibt Oligarchen, die für den ­Butler eine Herausforderung sind. Wenn man sie fragt, was sie essen wollen, kommt keine Antwort. Wenn dann aber nichts auf dem Tisch steht, kann es sehr schwierig werden. Kunden aus dem Mittleren Osten wiederum sind wegen ihres komplett anderen ­Tagesrhythmus anspruchsvoll. Sie wünschen das Dinner zwischen 23 und 1 Uhr, aber Nanny und Kind sind dann um 6 Uhr wach. Das ist dann beinahe ein 24-Stunden-Job.

Zumal saudische Familien auch oft in Riesengruppen unterwegs sind.
Und sie haben Koffer, und zwar nicht nur einen, in dem man stehen kann! Wir haben schon Lastwagen aufgeboten nur fürs Gepäck. Und wenn es ans Aus­packen und Aufbügeln der Garderobe für Monsieur oder Madame geht, ist man vier Stunden beschäftigt.

Was sind angenehme Kunden?
Solche, bei denen man weiss, wie sie ­ticken. Der Brite kommt um 19 Uhr zum Dinner, Italiener und Spanier erst gegen 22 Uhr. Das sind grosse Unterschiede. Der Deutsche sagt, wenn ihm etwas nicht passt, und das mag ich. Dank einer direkten Kommunikation weiss ich genau, was von mir erwartet wird.

Wer geht am meisten shoppen?
Personen aus Russland oder aus dem Mittleren Osten sind besonders einkaufsfreudig. Hier deckt sich wohl das Klischee mit meinen persönlichen Erfahrungen. Es gibt Tage, da sammle ich nur Shoppingtaschen ein und laufe dafür die Luxusmeilen auf und ab.

Sie haben die Jacht erwähnt, der Inbegriff des Reichtums. Gelten da eigene Regeln?
Ja, weil der Luxus dort keine Grenze mehr kennt. Wenn jemand ein Candle-Light-Dinner an einem Strand oder auf einer Klippe will, wird das organisiert. Im Notfall werden Inselgruppen einfach gemietet. Speziell ist für das Personal vor allem, dass man nie allein ist, da der Raum sehr eng und die Teams oft gross sind. Was auch speziell ist: Die Mieter einer Jacht sind besonders anspruchsvoll, denn sie zahlen eine Viertelmillion oder mehr für zwei Wochen. Sie wollen dafür etwas geboten bekommen. Ein Besitzer ist da meist entspannter, da er das Umfeld gewohnt ist und das ganze Jahr Zugang dazu hat.

Eine Spezialsituation ist auch der Privatjet.
Ja, weil die Platzverhältnisse für die Flight-Attendants sehr beschränkt sind. Zudem organisieren sie das komplette Catering selbst, egal, wo auf der Welt der Jet für einen Zwischenstopp landet. Je nachdem, wo der stattfindet, ist das nicht so einfach.

Mit wem arbeiten Sie lieber, mit Männern oder mit Frauen?
Alles in allem brauchen Männer weniger, um glücklich zu sein. Frauen sind hier um einiges anspruchsvoller. Das Hauspersonal kündigt denn auch in den meisten Fällen wegen der Madame. Von den Berufskollegen her macht es übrigens keinen Unterschied, ob diese männlich oder weiblich sind. In den letzten Jahren gibt es einen Trend zu weiblichen Butlerinnen, was sehr zu ­begrüssen ist, da nach meiner Erfahrung gemischte Teams besser funk­tionieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.05.2019, 08:49 Uhr

Hanspeter Vochezer

Manieren vom Butler lernen

Der Küsnachter Hanspeter Vochezer (42) ist selbstständiger Butler und vermittelt unter dem Namen seiner Firma Swiss Butlers professionelles Hauspersonal. Er gibt auch Business-Kniggekurse mit Schwerpunkt Auftrittskompetenz und schult Hauspersonal. Daneben erteilt er regelmässig Workshops in der Taste Academy von Smith und Smith (nächster Termin: «Dinieren mit Manieren» am 13. Juni). Bevor er sich selbstständig machte, war Hanspeter Vochezer über 20 Jahre in der internationalen Hotelleriebranche tätig. Unter anderem hat er im Reid’s Palace in Madeira gearbeitet oder war als Offizier auf einem Luxusliner tätig. Vochezer lebt an der Goldküste und ist ohne Butler aufgewachsen. (CS)

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