Gamen wie zu Omas Zeiten

Das Vintage-Computer-Festival in der Roten Fabrik zeigt: Auch Laien haben Freude an alten Rechnern. Ein Rundgang.

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Eine der ersten Erkenntnisse, die man macht, wenn man als Laie durch das Vintage-Computer-Festival steuert: Nerd bleibt Nerd. Oder: wer als Jugendlicher ein Computerfreak war, bleibt es auch im Alter. Denn auch wenn man als Gast wenig bis gar nichts von den technischen Details versteht, die einem an den etwa 20 Ständen in der Aktionshalle der Roten Fabrik begegnen, eins wird beim Gespräch rasch klar: Fast alle Aussteller besassen ihre Vintage-Computer schon als Jugendliche. Oder wie einer vom Stand mit den alten Spielkonsolen sagt: «Ich habe eine emotionale Bindung zu allen meinen Rechnern.»

Die zweite Erkenntnis: Mehr als ein Aussteller nimmt für sich in Anspruch, «den ersten Personal Computer auf dem Markt» zu zeigen. Geschenkt, dass er manchmal aus dem Jahr 1956, 1975 oder 1985 stammt. Und von der Grösse her zwischen Kühltruhe und heute gängiger PC-Grösse variiert. Bei irgendwas war er der erste, soviel ist klar. Manche, wie etwa der LGP-30 oder der PDP-8 - sie haben anstelle eines Bildschirms Lämpchen -, waren frühe kommerzielle Exemplare. Andere wie der Altair 8800 sind handlicher als ihre Vorgänger.

Crèmefarbene Schalen und Floppy-Disc-Laufwerke

Schliesslich die dritte Erkenntnis: Auch wer nur über IT-Schulwissen verfügt, kann hier einigen Spass haben. Dies zum einen aus ästhetischen Gründen, denn diese mal Kugel-, mal Kubus förmigen Rechner - der Begriff Rechner ist hier wörtlich zu fassen, viele der alten Objekte haben als Hauptfunktion das Rechnen -, sind elegant anzuschauen. Sie stellen zwar das genaue Gegenteil von aktuellen Tabletts oder Macbook Airs dar, doch genau darauf hat der Gast ja gehofft: crèmefarbene Schalen, Floppy-Disc-Laufwerke, grün blinkende Schrift, Lochkarten und natürlich eindimensionale Spiele mit Namen wie «Bubble Bobble» oder «Pong».

Es versteht sich, dass wer hochauflösende Games mit enormen Spielwelten wie GTA oder Call of Duty gewohnt ist, bei «Leisure Suit Larry» oder «Kaboom!» höchstens nostalgische Gefühle entwickelt. Für alle Gelegenheitsgamer aber erinnern sie an eine Zeit, als Gameplays noch simpel und das Angebot an Spielen überschaubar war. Und als man nicht drei Monate benötigte, um ein Spiel zu beenden, sondern drei Stunden. Zurück zu den Wurzeln ist auch im Bereich der Computerspiele modisch (die Lancierung der ersten Nintendo-Konsole vor wenigen Wochen zeugt ebenfalls davon).

Dem Computer hilft bei diesem Brückenschlag in die Vergangenheit, dass heutige Modelle im Grundprinzip noch genau gleich funktionieren wie jene Stücke aus den Sechzigern und Siebzigern, die ganze Räume beanspruchten. Evolution statt Revolution also. Nur dass aktuelle Computer ungefähr die tausendfache Leistung bei 100 Facher Kompaktheit aufweisen. Er sei ganz und gar nicht überrascht, sagt einer der älteren Aussteller, dass Computer irgendwann derart klein und Leistungsstark werden würden. «Man konnte durchaus damit rechnen».

So endet dieser vergnügte Nachmittag in der Roten Fabrik mit einer weiteren Erkenntnis: Computerfreaks sind ungeachtet des meistens nicht verständlichen Inhalts, überaus angenehme Gesprächspartner.

Das Festival läuft noch bis Sonntagabend. Der Eintritt beträgt 5 Franken. www.vcfe.ch

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.11.2016, 17:58 Uhr

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