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Gehet hin und sarget ein!

Kegeln ist an Geselligkeit kaum zu überbieten. Doch leider fristen die Bahnen in Zürichs Kellern ein Schattendasein. Höchste Zeit für eine Wiederbelebung.

Kegeln: Eine Sportart, die langsam in die Bedeutungslosigkeit abdriftet – zu Unrecht.Foto: Sabine Rock
Kegeln: Eine Sportart, die langsam in die Bedeutungslosigkeit abdriftet – zu Unrecht.Foto: Sabine Rock

Haben Sie schon einmal eine Freude verspürt, wenn Sie jemanden einsargen? Das Glücksgefühl, wenn Sie Ihre Kontrahenten mit einem Strich auf der Wandtafel dem Grab näher bringen? Sie kennen diese Kegelvariante gar nicht? Dann wird es höchste Zeit.

Beim Einsargen geht es darum, immer mehr Punkte als die Spieler vor und nach einem zu holen. Wirft man weniger Kegel um, dann bekommt man einen Strich, manchmal zwei. Die Striche ergeben am Ende die Zeichnung eines Sargs. Irgendwann sind alle unter der Erde – bis auf die Siegerin oder den Sieger. Klingt bestialisch, ist aber ein himmlischer Spass.

Natürlich gibt es auch die ernsthafteren Varianten: das Sportkegeln mit speziellem Schuhwerk, speziellen Regeln und begrenzter Spielerzahl. Ganz egal, ob man das Spiel als Sport oder zum Spass betreibt: Es ist an Geselligkeit kaum zu überbieten und eine vorzügliche Teambindungsmassnahme. Die Wartezeiten bis zum nächsten Stoss verkürzt man mit Kommentaren über das Können der anderen Spieler und oft mit dem Genuss eines Kafi Schnaps. Die Treffsicherheit mag nachlassen, die Stimmung aber tut es nicht.

Sportkegeln hat ausgespielt

Doch leider ist das Kegeln in Vergessenheit geraten. Die Zürcher Bahnen dämmern in den Kellern vor sich hin oder werden gleich ganz geschlossen. Das gilt auch für das Kegelcenter Schmiedhof in Wiedikon, welches das Ehepaar Christine und Walter Jurt während gut 13 Jahren führte. Schon in den 60er-Jahren fanden auf den sechs Bahnen Schweizer Meisterschaften im Sportkegeln statt.

Die ersten Kegel fand man in einem ägyptischen Grab von 3200 v. Chr.

Doch auch das Sportkegeln hat seine Blütezeit hinter sich. Der nationale Dachverband verzeichnet sinkende Mitgliederzahlen. Auch die Jurts bekamen diesen Trend zu spüren. Sie konnten dem schwindenden Interesse selbst mit der UV-Beleuchtung zweier Bahnen und der Paintbrush-Wandmalerei nicht entgegenwirken. Ende Juli 2019 schlossen die Tore des Kegelcenters endgültig – nach der kantonalen Meisterschaft, versteht sich.

Damit in Zürich dieses jahrtausendealte Spiel – die ersten Kegel fand man nämlich in einem ägyptischen Grab von 3200 v. Chr. – nicht ganz ausstirbt, sei an dieser Stelle der Aufruf platziert: Gehet hin und sarget ein! Es gibt nämlich immer noch ein paar Kegelbahnen zu entdecken. Hier eine Auswahl:

  • Die Verspielte:Die Wirtschaft Ziegelhütte oberhalb von Schwamendingen verfügt nicht nur über einen eleganten Kegelraum im reinsten Sixties-Look. Die drei Bahnen befinden sich ausserdem in einem separaten Gebäude – und das ist sehr gut so. Denn dann kann man die Rock-Klassiker in der Jukebox laut hören. (Hüttenkopfstrasse 70, 8051 Zürich)
  • Die Ambitionierte: Auf den beiden Kegelbahnen im Restaurant Freihof in Altstetten trainieren Kegelclubs für Meisterschaften, bis die Säuliklingel läutet. Ambitionierte Hobbykegler können dort bei Spitzenkeglern an Probetrainings teilnehmen. (Badenerstrasse 540, 8048 Zürich)
  • Die Klassische: Im Restaurant Muggenbühl in Wollishofen wird mit polierten Kugeln aus massivem Holz gespielt. Die Bahn ist so beliebt, dass 28 Vereine das Muggenbühl zu ihrem Stammlokal erkoren haben. (Muggenbühlstrasse 15, 8038 Zürich)
  • Die Abgelegene: Im Restaurant Waidhof an der Grenze zwischen Seebach und Affoltern lässt es sich mit Aussicht auf die umliegenden Wiesen und Wälder kegeln. Intim ist es auch noch: Es hat nur eine Bahn. (Schwandenholzstrasse 160, 8052 Zürich)

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