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«Ich bin vor jedem Shooting nervös»

Cyrill Matter hat dreieinhalb Jahre in New York gelebt und in dieser Zeit als Fotograf etliche Weltstars abgelichtet. Jetzt zeigt er in Zürich seine Lieblingssujets.

Mit Cyrill Matter sprach Thomas Wyss

Eigentlich sei er einfach im richtigen Moment am richtigen Ort gewesen, sagt Cyrill Matter und lacht. Dieser richtige Ort war das New Yorker Café Select, und der Moment stimmte, weil auch der bekannte deutsche Creative Director Thomas Hayo da beim Kaffee sass. Man kam ins Gespräch, Hayo erkannte beim jungen Zürcher, der sich die Fotografie mit einer Assistenz und als wissensdurstiger Freelancer beigebracht hatte, eine Menge Potenzial, förderte und vernetzte ihn unter anderem mit dem Agenten Marek Milewicz, der ihm die Tür in die Branche öffnete – und plötzlich arbeitete er für Topmagazine, plötzlich hatte er Film-, Lifestyle- und Sportgrössen wie Ewan McGregor, Christoph Waltz, Jeremy Irons, Jean-Paul Gaultier, Roger Federer oder Lewis Hamilton vor der Linse.

Jetzt präsentiert Cyrill Matter in der Trace Gallery im Kreis 4 die Ausstellung «Chapter One» – sie markiert sozusagen den Abschluss seiner ersten Schaffensphase als Profifotograf.

Wie bleibt man auf dem Boden, wenn man so verrückt durchstartet?

(lacht) Ich bin Schweizer und habe vom Elternhaus Bescheidenheit vermittelt bekommen. Abgesehen davon, gibt es keinen Grund abzuheben; ich habe in meiner Arbeit noch viel Luft nach oben.

Dennoch hatten Sie etliche Weltstars vor der Kamera. Ist das nicht jedes Mal eine Art Ausnahmezustand?

Ich bin vor jedem Shooting nervös, egal, ob ein berühmter Name angekündigt ist oder nicht. Wobei es bisweilen schon surreal wirkt: Plötzlich bin ich drei Stunden mit Ewan McGregor am Shooten – so, als wär mein Filmheld Obi-Wan Kenobi von der Leinwand herabgestiegen.

Wie schafft man es, von solchen schon 1000-mal fotografierten Persönlichkeiten das «andere», noch nicht da gewesene Bild zu machen?

Das ist der falsche, weil unmögliche Ansatz. Ich kann die originellste Idee haben – wenn das Gegenüber nicht will, wenn die Chemie nicht stimmt, ist das alles hinfällig. Ich merke in den ersten zehn Sekunden, was möglich ist und was nicht. Man bereitet sich akribisch vor, nimmt, was man bekommt, geht mit seiner Intuition. Und dafür hat man oft gerade mal drei Minuten Zeit.

Dank Smartphone und Apps kann heute jeder Amateur tolle Fotos machen. Hat diese Entwicklung die genuine Kunst abgewertet?

Eine gewisse Abwertung hat sicher stattgefunden. Aber ich finde die technische Entwicklung gut, weil sie neue Chancen auftut und uns Profis zwingt, den Fokus noch mehr auf die Kreativität zu richten.

«Chapter One», Trace Gallery, Militärstr. 76, bis 15. 3. Am 24. 2. ist Cyrill Matter von 11 bis 17 Uhr in der Galerie.

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