In 20 Schritten zum exzellenten Bürger

Damit Zürich in Sachen Lebensqualität die Nummer 1 bleibt, sind alle gefragt: Die Zeitschrift «Monocle» (genau, die von Tyler Brûlé) hat 20 Regeln für Städterinnen und Städter aufgestellt.

Durchs Monokel betrachtet: Eine gute Stadt schafft man nur zusammen. <nobr>Foto: Prisma/Dukas</nobr>

Durchs Monokel betrachtet: Eine gute Stadt schafft man nur zusammen. Foto: Prisma/Dukas

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Wir, die Nummer 1? Zürich, die lebenswerteste Stadt von allen? Der ganzen weiten Welt, kann das sein? Und woran liegt das?

Diese Fragen wirft das aktuelle Ranking der Londoner Zeitschrift «Mo­nocle» zur Lebensqualität auf (wir berichteten). Zürich sei eine Oase, deren Bewohner sehr wohl wüssten, wie man das Leben geniesse. Der zweite Teil des Satzes ist interessant, denn er verweist auf den Beitrag der Zürcherinnen und Zürcher zur Lebensqualität. Er ist essenziell.

Was muss ein Bürger, eine Bürgerin machen, um seine/ihre Stadt lebenswert(er) zu machen? Das «Monocle» hat 20 Regeln aufgestellt, 5 davon haben wir bereits vorgestellt – auf vielfachen Wunsch hin komplettieren wir heute die Liste. Im Sinne eines Zweithalbjahresvorsatzes dürfen Sie sich gern von dieser Liste inspirieren lassen. Ja, Sie müssen sogar, wenn wir Nummer 1 bleiben möchten:

1. Achte auf andere. Aufmerksamkeit ist eine zentrale Eigenschaft des Urbanisten. «Behalte im Auge, was um dich herum passiert», rät «Monocle».

2. Schnüffle nicht. Weder Leim noch im Leben anderer.

3. Bleibe informiert. Indem man eine Zeitung aus der Stadt liest (Tipp, der uns besonders am Herzen liegt – und Ihnen ein herzliches Dankeschön).

4. Unternimm etwas. Indem du ein Open-Air-Kino organisierst, das in deinem Quartier fehlt. Oder dabei hilfst, dass auf der Dachterrasse der Garten ­gepflegt ist.

5. Engagiere dich. Wählen, abstimmen, mitdiskutieren. «Informiert und involviert zu sein, ist der erste Schritt, die eigene Stadt zu formen.»

6. Verwurzle dich. An alle Gewerbe­treibenden: Offene Türen sind eine Idee, Rabatte für die Nachbarschaft beleben dieselbe.

7. Benutze dein Wissen. Und stelle es deinem Quartier und der Nachbarschaft zur Verfügung.

8. Entspanne dich. Wenn nicht immer alle so schnell sind wie du: drossle Tempo und Temperament.

9. Halte die Stadt sauber. Ja, Zürich ist sehr sauber. Aber nicht immer und überall. «Geh voran», rät «Monocle», «nimm Müll auf und entsorge ihn richtig.»

10. Halte die Stadt ordentlich. «Sharing means caring», heisst es. Dazu gehört aber auch, das Trotti, Publi- oder Smide-Bike nicht irgendwo, sondern ­irgendwo zur Seite zu stellen.

11. Zeig dein Gesicht. Wie man sich in die Nachbarschaft integriert? Indem man sich vorstellt, interessiert und miteinander parliert. Das ist übrigens auch der einzige Weg, in einer Bar, Pizzeria oder am Marktstand wirklich Stammkunde zu werden.

12. Zeige Haus-Stolz. Natürlich stehen in der Wohnung schöne Möbel und gestutzte Zimmerpflanzen. Weshalb nicht auch auf Balkon und Fensterbrett?

13. Sei tolerant. Zum Beispiel gegenüber der Nachbarin, die ihren runden Geburtstag ein bisschen lauter und länger feiert. Nur schon, weil du selbst vielleicht auch nicht immer der perfekte Nachbar bist.

14. Nimm Veränderung an. Städte verändern und erneuern sich stetig. Das macht sie aus. Verändere dich mit ­deiner Stadt.

15. Teile deinen Platz. Wer Platz hat, ist privilegiert. Wer keinen Platz hat, bedrängt. Vielleicht lässt man den Nachbarn mal in seine Werkstatt, bietet seinen Velounterstand der Nachbarin an. Oder seinen Parkplatz dem Gewerbe rundherum, wenn man ihn während des Tages nicht braucht.

16. Sei bereit. «Monocle» rät, einen Gedanken daran zu verschwenden, was bei einem Terroranschlag zu tun wäre. «Das ist 2019 realistisch für Stadtbewohner.»

17. Sei involviert. Lerne das Quartier und die Nachbarschaft kennen, seine Bewohner, seine Geschichte, seine Bräuche. Und denke daran: Gut integrierte Bewohner sind zentral für hohe Lebensqualität.

18. Bleib in der Nähe. Unterstütze den Quartierladen, frequentiere die Bar um die Ecke, den Blumen- und Bücher­laden. Nur das hilft gegen das Lädelisterben, das aus lebendigen Quartieren urbane und anonyme Wüsten macht.

19. Sei positiv. Du bist eine Botschafterin, ein Botschafter deiner Stadt. Zu Hause ebenso wie auf Reisen.

20. Brich die Regeln. Und zwar immer dort, wo dies zu mehr Lebensqualität beitragen kann.

Erstellt: 15.07.2019, 16:14 Uhr

Wirklich Nummer 1?

Kurz nach dem Erscheinen des «Monocle»-Rankings veröffentlichte Citilab.com eine Art Replik, in der die Aussagekraft solcher Städtevergleiche relativiert wird. Die Plattform beschäftigt sich ausschliesslich mit städtischen Themen. Zürich sei eine kleine privilegierte Stadt in einem kleinen privilegierten Staat, «wie kann man sie nach denselben Parametern beurteilen wie Bangkok oder Tokio?». Das generelle Problem solcher Rankings: Durch die Verwendung von Daten als alleinigen Treiber geben sie vor, un­par­teiisch zu sein. «Sie stellen jedoch eine Weltanschauung dar, die von einem sehr spezifischen Standpunkt aus betrachtet wird», schreibt Citilab.com. Zürich beurteilt sie so: «Weniger langweilig, als man denkt, aber dennoch langweilig.» (bra)

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