Ist Zürich cool genug für Instagram? – Ja!

Ein Bild von einer Stadt: Wir haben uns einmal auf den Fotoblogs der Zürcherinnen und Zürcher umgeschaut. Und dort gesehen, was Hunderttausenden weltweit gefällt.

Ihre Zielgruppe ist klar umrissen: Zoë Pastelle hat auf Instagram 127'000 Follower. Foto: zoepastelle

Ihre Zielgruppe ist klar umrissen: Zoë Pastelle hat auf Instagram 127'000 Follower. Foto: zoepastelle

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zoepastelle
Alles Lifestyle Zahlen
127'000 Follower, 607 Einträge.
Erster Eintrag: 12. Mai 2015.

Inhalt
Zoë Pastelle. Wie sie sich sonnt, wie sie durch die Stadt spaziert, wie sie in die Kamera blinzelt, wie sie einen Smoothie schlürft. Es geht auch um Produkte, die die 17-jährige Zoe Huithuizen, wie sie bürgerlich heisst, inszeniert. Sei es Nagellack, vegane Burger oder eine Sonnenbrille. Ein Satz, der die Seite wohl recht gut zusammenfasst: «Every-day smoothie time, tomorrow off to Berlin.»

Das sagen die Follower
Zoë Pastelles Zielgruppe ist klar umrissen: mehrheitlich weiblich, Mode- und Lifestyle-affin, zwischen 15 und 23 Jahre alt. Legt sich Zoë Pastelle bauchfrei in Pose und sagt: «Enjoing the sunny Saturday after a nice workout», antwortet die Community wohlwollend: «schöns Chleid» oder «Wow like it!». Oder auch: «Wo hast du die Sonnenbrille gekauft?» Die weiblichen Follower zeigen sich meistens inspiriert, die männlichen beeindruckt. Beide antworten einsilbig, in Englisch und garniert mit Emojis. Alles sehr bejahend.

Einschätzung
Einem männlichen Betrachter über 30 bleibt im Angesicht Zoë Pastelles höchstens die Erkenntnis, dass sich seit seiner Schulzeit nicht allzu viel verändert hat. Auch damals auf dem Pausenhof ging es um Aussehen, Style und Shopping. Einziger Unterschied: Die 17-jährige Zürcherin hat eine Öffentlichkeit um sich geschart, grösser als die einer grossen Schweizer Lokalzeitung. Ob das ein Vorteil oder ein Nachteil ist, wenn sie das Lifestyle-Girl-Image irgendwann einmal satthat, wird sich weisen. Klar ist: Der Account könnte mehr Humor vertragen. Sehr schwer zu finden bei Instagram, ­übrigens. (dsa)


tastyasheck
Technicolor-Food Zahlen
116'000 Follower, 1176 Einträge.
Erster Eintrag: 1. Dezember 2011.

Inhalt
Vegetarisches Essen, das aufgrund pflanzlicher Zutaten in wilden Farben schillert und schimmert. Technicolor-Food. Dahinter steht – beziehungsweise kocht – Heike Müller, eine 49-jährige Designerin, die im Grossraum Zürich lebt. Ihr inneres Kind spiele gern mit Farben, schreibt sie. Die hübsch arrangierten Kreationen am Ende wieder zu zerstören, bereite ihr kein Problem: «Ich bin eigentlich immer hungrig.»

Das sagen die Follower
Es gibt bekanntlich den Ausdruck «Foodporn», «Esspornografie». Wenn man die Einträge von Müllers Followern und Followerinnen liest, fällt einem in der Tat eine orgasmische Note auf. Eine ekstatische Kurzsilbigkeit, ein wonnevolles Seufzen: «Omg, yum!» «Himmlisch!» «Awesome!» «Wow!» «Pretty!» «Love you!» «Jaaaa!»

Einschätzung
Einzeln sehen die fotografierten Gerichte fantastisch aus. Man assoziiert: Regenbogenpeople, Greenpeace-Party, Kleingartenbetreiber-Fressorgie, Pippi Langstrumpf auf LSD. Wenn man die Bilder in der Serie anschaut, Seite um Seite durchblättert, kommt aber bald einmal Langeweile auf. Das Spektrum pflanzlich generierter Farben ist begrenzt, zu oft ist zum Beispiel ein grelles Violett anzutreffen. Und auch die übers Essen gestreuten Dekosprossen und Showblüten sind auf Dauer etwas öde. Der hier zu Wort kommende Fleischfresser findet ausserdem: «tastyasheck würde noch an Format zulegen, wenn öfter mal Fleischgerichte vorkämen.» Warum nicht zum Beispiel eine ins Türkis oder Ocker­farbene gedrehte Bärlauch-Wildsau-Bratwurst? Ginge das, please? (tow)


cars_in_zurich
Bolidenknipserei Zahlen
71'500 Follower, 1154 Einträge.
Erster Eintrag: 9. August 2015.

Inhalt
Zürichs Sportwagen, Strassenboliden, Protzvehikel. Ein Jüngling aus Winterthur fotografiert sie. Cédric Plattner, 16-jährig, ist Mechatroniker-Lehrling und ein extrem fleissiger Carspotter. Mit der Nikon in der Hand pirscht er durch Zürich, legt in einer Session bis zu 15 Kilometer Weg zurück und lässt es klicken, wenn er wieder mal am Bürkliplatz oder anderswo einen exaltierten Heckspoiler oder goldüberzogene Felgen sichtet.

Das sagen die Follower
Die Community kommentiert in vier Sprachen: Englisch, Deutsch, Schweizerdeutsch und Albanisch. Besonders beredt oder eloquent ist das Völkchen nicht. Meist sind die Einträge Gefühlsäusserungen à la OMG («Oh my God!»). Zu einem weissen Bugatti heisst es: «Nice!» Zu einem McLaren: «Geils Pic.» Zum Lamborghini sagt der Konkurrenzspotter neidlos: «Glückwunsch.» Während ein anderer – erfrischend schnöde – einwirft: «Kranke Farbe!»

Einschätzung
Äutelis halt. So Sportchäreli. In allen Farben. Die meisten sind sehr niederflurig. Gern wüsste man mehr über die Fahrer (Fahrerinnen?). Aber man sieht sie kaum hinter den verspiegelten Scheiben. Und wenn man etwas sieht, dann in der Regel bloss eine Sonnenbrille und ein Coolface. Oft sind die Autos auch parkiert. Die Fahrer brunchen dann im Baur au Lac oder ähnlich, während sich vor ihrem Vehikel die Garagistenjugend zusammenrottet. Nun eine Gesundheitswarnung an alle Velokuriere und Langsamverkehr-Visionäre: Meidet die Seite! Sie kann bei euch Bluthochdruck, Herzkammerflimmern oder auch Darmblutungen bewirken! (tow)


lerichti
Geometrie-Freak Zahlen
33'400 Follower, 258 Einträge.
Erster Eintrag: 15. September 2014.

Inhalt
Architektur, hauptsächlich aus der Schweiz: von der Bibliothek des rechtswissenschaftlichen Instituts in Zürich zum Goetheanum in Dornach; vom Hauptquartier von Japan Tobacco International in Genf zur Messe in Basel. Fotografiert und inszeniert vom 39-jährigen Zürcher Philipp Heer.

Das sagen die Follower
Heers Bilder werden von den Usern intensiv geliked – die wahre Währung von Instagram sind Likes und nicht Follower, sagen die geübten Nutzer. Heers Follower kommentieren im Schnitt bis zu 200-mal pro Bild, die Kommentare sind ausnahmslos positiv. Die meisten fallen simpel aus und sind in der Art: «Sehr schön gemacht» oder «Tolles Gebäude» oder «da fahre ich auch bald hin». Speziell: Philipp Heer beantwortet alle Kommentare unter seinen Bildern selber. So bilden sich unter diesen durch und durch von Geometrie beherrschten Aufnahmen ganze Rattenschwänze an Kommentaren. Meinungsunterschiede gibt es aber nicht.

Einschätzung
Heers Account bietet einen schönen Überblick zum architektonischen Schaffen in der Schweiz und im nahen Ausland. Geglückt ist ihm dies, weil er aus der Not (er verdient kein Geld mit seinen Bildern) eine Tugend gemacht hat (er fokussiert, um die Kosten unter Kontrolle zu halten, auf Schweizer Architektur). Was fehlt, ist die persönliche Einschätzung: Nicht jedes Gebäude hat es verdient, unkommentiert zu bleiben, ganz egal, wie fest es auf seinem Sockel steht. Oder kann uns jemand erklären, was am BMW-Hauptgebäude in München so toll sein soll? (dsa)

Erstellt: 19.05.2016, 02:53 Uhr

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