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Jeder für sich im selben Boot

Die Zürisee-Böötler sind eine Szene, die gar keine sein will. Teil 1 der Bellevue-Sommerserie «Wir Szenis».

Jeder für sich und irgendwie doch zusammen: Die Böötler-Szene. Foto: Urs Jaudas
Jeder für sich und irgendwie doch zusammen: Die Böötler-Szene. Foto: Urs Jaudas

Szenen zeichnen sich durch eine interne Geschlossenheit aus. Sie sind eine Art Stamm mit eigenen Codes, spezifischer Kleidung und – vor allem – eigenen Begriffen. Wir wollen im ersten Teil unseres Böötli-Szene-Reports Abhilfe schaffen und jene Begriffe erklären, die uns zentral erscheinen. Dabei handelt es sich nicht um ein Glossar, wir möchten Sie nicht in die Welt der Schifffahrt einführen und erklären, wo Steuer- und wo Backbord ist. Vielmehr geht es um einen Rundumblick, damit Sie sich ein Bild machen können.

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Szenefaktor, der

Bei den Böötlern auf dem Zürisee handelt es sich nicht um eine klassische Szene. Sie raufen sich nicht zusammen, haben keine typischen Orte, an denen sie sich treffen. Sie sind vielmehr eine Schicksalsgemeinschaft, deren Verbindung in erster Linie in der Wahl ihres Gefährts besteht. Nur schon der gebotene Abstand von 50 Metern, den sie auf dem See zueinander einhalten müssen, verhindert die Rudelbildung. Sie sind Atome auf dem Wasser, oder nennen wir sie: eine Antiszene.

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Luxus, der

Auf dem Zürisee wird Luxus nicht grossgeschrieben. Jedenfalls nicht so gross wie auf dem Mittelmeer. Superjachten gibt es hier keine. Und das hat nichts mit einer Regelung zu tun, diese sieht keine Einschränkungen vor. Im bevölkerungsreichsten Kanton des Landes besteht Luxus vielmehr darin, sich Ruhe auf dem See gönnen zu können.

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Kleidung, die

Goldene, gestickte Knoten auf dem marineblauen Jackett, Segelschuhe, Polo mit Print oder weisse, na ja, Hochwasser-Hosen. Der Stil der Segler hat sich längst ausserhalb von nautisch interessierten Kreisen durchgesetzt. Ob es sich in den Seerestaurants am Zürichsee nun aber um einen Warenhaus-Herrenabteilungsstil handelt oder ob das alles echte Böötler sind, lässt sich also nicht leicht beantworten.

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Gesprächsthema, das

Manchmal tauscht man sich unter den Böötlern über Motorenstärken oder neueste Jachtmodelle aus. Wer dies als Aussenstehnder mitverfolgen möchte, kann entsprechende Gespräche am ehesten in den Seerestaurants mit Anlegestelle mithören. Etwa in der Seerose in Wollishofen, in Strozzis Strandhaus in Feldmeilen, dem LO in Thalwil oder dem Restaurant auf der Insel Ufenau.

Manchmal tauscht man sich unter den Böötlern über Motorenstärken oder neueste Jachtmodelle aus. Foto: Urs Jaudas
Manchmal tauscht man sich unter den Böötlern über Motorenstärken oder neueste Jachtmodelle aus. Foto: Urs Jaudas

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Trend, der

Wer sich durch Jachtmagazine wühlt oder mit Werftbesitzern spricht, kann bald einen Trend ausmachen: elektrisch betriebene Jachten. Sie sind auf dem Zürisee zwar noch immer eine Seltenheit, doch erwartet etwa der Chef der Portier-Yachtwerft in Meilen, dass sich dies in Zukunft ändern könnte. Besonders Jachtbesitzerinnen, deren Anzahl stetig steige, bevorzugten E-Boote. Dass das funktioniert, zeigen die Bayern auf dem Starnberger See. Dort sind nur Boote mit Elektromotor zugelassen.

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Jachtclub, der

In vielen Seegemeinden existieren Jachtclubs. Sie kommen dem Begriff der Szene in ihrer Exklusivität sehr nahe. Das Problem: In aller Regel sind sie verschwiegene Gemeinschaften, die die Öffentlichkeit meiden. Beim Jachtclub Zürich etwa kann nur Mitglied werden, wer von zwei Paten vorgeschlagen wird und zudem eine Probezeit von einem Jahr bestanden hat.

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Jachtrock, der

Das leichte Leben auf der Jacht. Wie soll man es musikalisch untermalen? Einen Vorschlag macht das US-amerikanische Label Numero Group. Mit seiner Compilation «Seafaring Strangers: Private Yacht» präsentiert es ein Genre, das bisher wenigen bekannt war: den Jachtrock. Luftige Melodien, samtene Saxofone und weiche Gesänge lassen einen entrückt übers Wasser gleiten, als hätte man nie etwas anderes gemacht.

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