Fragen zum Jahreswechsel (3)

Kommt endlich Chuck Norris?

Heute geht es um äussere Werte: Wie bleibt man im Sommer bleich? Wie macht man aus einer hässlichen eine schöne Stadt? Wer bringt Hollywood nach Zürich?

Bald Ehrengast beim Zurich Film Festival? Chuck Norris mit Gattin Gena O'Kelley und den Kindern Danilee Kelly und Dakota Alan. Foto: Reuters

Bald Ehrengast beim Zurich Film Festival? Chuck Norris mit Gattin Gena O'Kelley und den Kindern Danilee Kelly und Dakota Alan. Foto: Reuters

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Anja Derungs, in Linz und Wien gibt es Ampeln, auf denen homosexuelle Paare aufleuchten. Gibt es die bald auch in Zürich?
Warum eigentlich nicht? Das ist doch ein schönes Zeichen: Grünes Licht für Lesben und Schwule! Das ist ja leider auch abseits des Zebrastreifens noch lange nicht überall Realität. In Linz übrigens wurden die homosexuellen Paare bereits wieder von den Ampeln verbannt.
Anja Derungs ist Leiterin der städtischen Fachstelle für Gleichstellung.


André Odermatt, werden Sie als Verfechter des Swissmill Tower im Sommer in der Badi dort ­sitzen, wo der Schatten hinfällt?
Wenn ich das nur könnte! Die zusätzliche Beschattung der Badi ist nun wirklich sehr gering. Auf den Liegeflächen rund ums Flussbecken wird man sich am frühen Abend um die kleine Ecke Schatten prügeln. Da habe ich als friedfertiger Mensch natürlich schlechte Karten.

Braucht Zürich nicht generell mehr Schattenwurf?
In einer nach innen wachsenden Stadt ist das Klima tatsächlich ein Thema. Aber es gibt ausser Hochhäusern noch andere bewährte Schattenwerfer: Bäume. Überhaupt wirken Begrünungen wie Klimaanlagen: horizontal und ver­tikal, am Boden, auf Dächern, an den Fassaden. So, wie die Stadt dichter wird, soll sie auch grüner werden.
André Odermatt ist Zürichs Hochbauvorsteher.


Manuel Amstutz, warum braucht es 2016 die Religion?
Die Frage, wozu es die Kirche auch in diesem Jahr wieder braucht, ist immer auch eine Frage der Perspektive. Aus theologischer Sicht hat sie die Aufgabe, das Evangelium zu verkünden und die Sakramente Taufe und Abendmahl recht zu verwalten. Aus politischer Perspektive hat sie für viele Menschen die Aufgabe eines Sozialpuffers in unserem tiefbürgerlichen Kanton. Es muss jedoch jedes soziale oder politische Engagement theologisch begründet werden – die ­Kirche ist keine Dienstleisterin, sondern eine Glaubensgemeinschaft. Dies ist ­leider momentan nicht immer der Fall. Im jetzt beginnenden Jahr sollte die Kirche daher ihren Glauben thematisieren. Ohne eine gemeinsame Position droht sie, in ihre Einzelteile zu zerfallen. Dann kann sie weder das Wort verkünden noch die Sakramente verwalten oder sich aus Überzeugung sozial und politisch engagieren.
Manuel J. Amstutz ist seit 2013 Mitglied der Synode der reformierten Kirche.


Alex Rübel, welches Tier fehlt im Zürcher Zoo?
Es ist nicht am Zoodirektor, zu bestimmen, welche Tiere im Zoo leben. Entscheidend in unserem Tierbestand ist, mit welchen Tieren wir unsere Ziele der Arterhaltung und des Naturschutzes am besten erreichen können – und dafür ist uns die Meinung der Zoobesucher wichtig. Hier sind die Präferenzen ganz klar: Eine Giraffe soll es sein, oder noch besser eine ganze Giraffengruppe.

Wird dem Wunsch entsprochen? Giraffen leben in der Savanne, wo wir zusammen mit der Lewa Wildlife Conservancy in Kenia versuchen, die letzten Nashörner in der Gegend zu erhalten. Giraffen sind noch nicht von der Ausrottung bedroht, aber Symbol für diesen artenreichen ostafrikanischen Lebensraum und sollen auch in Zukunft einmal im Zoo unserem Publikum gezeigt werden können. Daran wird bereits intensiv gearbeitet.
Der Veterinär Alex Rübel ist Direktor des Zoos Zürich.


Andreas Heusser, eigentlich wollten wir Sie nichts fragen, aber es fiel uns nichts ein. Was tun?
Das ist ein sehr schöner Gedanke, und ein tiefsinniger noch dazu. Im Buddhismus ist das Nichts das Höchste, was man im Leben erreichen kann: ein wunsch­loser Zustand der Ruhe und Zufriedenheit, frei von jeglichen Begierden, Abneigungen und Anhaftungen an Materielles. Aber auch bei uns im Westen ist das Nichts von existenzieller Bedeutung: Immerhin ist daraus in sechs Tagen – oder gar Knall auf Fall! – das ganze Universum entstanden. Da steckt also allerhand drin.

Passiert Ihnen das manchmal auch?
Zum Glück fällt mir oft und sehr lange nichts ein. Seit drei Jahren bin ich damit auch professionell beschäftigt.

Wann macht sich bei Ihnen Leere breit?
Schöne und inspirierende Formen der Leere habe ich zum Beispiel auf Schneetouren in den Bergen erlebt, in der Namib-Wüste oder im Dia-Beacon-Museum in New York. Auch den Tiefschlaf finde ich sensationell! Für unangenehme Formen der Leere reicht bereits der Blick in eine Gratiszeitung. Oder generell: Scheinheiligkeiten, Parteiparolen, Life­styleprodukte, Promis, Weihnachten.
Andreas Heusser ist Direktor des No-Show-Museums, des Museums des Nichts.


Philipp Kutter, Wädenswil wurde im «Tages-Anzeiger» in ­«Hässlich» ­umbenannt. Kam es darob zu ­Bürgerprotesten?
Es war heftig. Bei mir gingen zwei Briefe ein. Stellen Sie sich das vor: zwei Briefe!

Sie haben zwar repliziert, der ­TA-Autor habe keine Ahnung. Aber ehrlich: Hat der Tagi nicht doch ein bisschen recht?
Ich befürchte es. Einer der beiden Briefeschreiber wies mich nämlich darauf hin, dass der Tagi schon recht habe. Rechnet man das hoch, sind 50 Prozent der Bevölkerung dieser Meinung.

Das ist für einen Stadtpräsidenten sicher Ansporn: An welchen Ecken wird Wädenswil in diesem Jahr (noch) schöner?
Wunderschön wird die Ecke Rotweg/Fuhrstrasse. Dort stellen wir ein neues Schulhaus fertig für unsere Oberstufe. Wädenswil hat übrigens viele schöne Ecken, die man dank unserer App ent­decken kann. Ein kostenfreies Must- have für jeden Aggloforscher. Philipp Kutter ist CVP-Stadtpräsident von Wädenswil.


Bendrit Bajra, über welchen Ihrer Witze wurde dieses Jahr am meisten gelacht?
Definitiv das Video bei «Giacobbo/Müller», das hat einfach alles gesprengt. Mike Müller spielt den Vater so überzeugend, er könnte mein eigener Vater sein. Bendrit Bajra wurde 2015 vom Facebook- zum Bühnenkomiker.


Nadja Schildknecht, Sylvester ­Stallone kam als Stargast, Arnold Schwarzenegger war hier – holen Sie 2016 endlich Chuck Norris?
Rückfrage (vom Pressesprecher): Können Sie nicht etwas Realistischeres fragen? Ob Bruce Willis kommt?

Nein. Kommt Chuck Norris? Frau Schildknecht sieht sich leider nicht in der Lage, Ihre Frage bis Silvester noch zu beantworten. Bitte fragen Sie im Februar oder März wieder nach.
Nadja Schildknecht ist Gründerin und Organisatorin des Zurich Film Festival und hat einen Mediensprecher.


Daniel Böniger, vom szenigen ­Hamburgerladen bis zur Kantine: Alle machen heute auf regional, bio und saisonal. Wie lange noch?
Natürlich folgen viele Restaurants, die solche Küche anbieten, damit einem typischen Foodtrend. Doch bekanntlich sind manche Modeerscheinungen gekommen, um zu bleiben, zumindest in Ansätzen: Denken Sie an Sushi, Fondue, Lightprodukte, die alle ursprünglich als zeitgeistige Erscheinungen bei uns aufgetaucht sind – und uns nicht mehr verlassen haben. Hinzu kommt, dass es sich bei Bio-, regionaler und saisonaler Küche ja eigentlich um eine Rückbesinnung auf alte Werte handelt. In Zeiten stetiger Veränderung suchen viele Konsumenten solche ursprünglichen Bezugspunkte. Bloss eines darf man daraus keinesfalls rückschliessen: dass durch diese Bewegung die gespritzte Tomate aus dem winterlichen Holland ausstirbt. Nein, auch sie wird leider bleiben.
Daniel Böniger ist Gastrokritiker des «Tages-Anzeigers».


Regina Spiess, wenn wir uns ­aufgehoben fühlen möchten: Vor wem müssen wir uns 2016 in Acht nehmen?
Vor evangelikalen Gruppen. Was bei ihnen viele anspricht, ist das Aufgehobensein in der Gruppe. Dazu kommen das spirituelle Erleben, oft verstärkt durch Musik, klare Werte, und der gemeinsame Auftrag, die Frohe Botschaft weiterzugeben. Die Konflikte stellen sich später ein, etwa wenn es keinen Raum für Homo­sexualität oder für sexuelle Erfahrungen ausserhalb der Ehe gibt.
Regina Spiess leitet die Fachstelle Infosekta.

Erstellt: 06.01.2016, 08:39 Uhr

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