Man ist versucht, dem Heli seinen rot glänzenden Bauch zu tätscheln

Die Rega präsentiert im Zürcher HB ihren neuen Helikopter. Man(n) darf dem Piloten Fragen stellen – und «seinen» Heli streicheln.

Im Zeitraffer: Hier wird der Rega-Helikopter im HB richtig positioniert. Video: Jasmine Brönnimann

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Die Körperhaltung verrät viel über den Gemütszustand – eines Helikopters. Und der neue Helikopter der Herzen lässt seine Rotorblätter hängen. Es ist ein Airbus H145, nigelnagelneu, wahnsinnig schön, wahnsinnig modern, auf Hochglanz poliert, mit Power ohne Ende, vollgestopft mit Technik, ausgestattet mit Kameras, alles im Dienste der Luftrettung. Man ist versucht, dem Heli seinen rot glänzenden Bauch zu tätscheln.

Es ist Freitagmorgen und der H145 steht mitten in der grossen Halle des Hauptbahnhofs. Weshalb bloss lässt er die Rotorblätter hängen? Wie es sich für einen Helden der Lüfte gehört, wäre er lieber draussen im Einsatz, so wie die letzten vier Wochen.

Wichtiger Einsatz am Boden

Genial seien diese vier Wochen gewesen, erzählt Adrian Ferrari. Dem Basisleiter und Rettungssanitäter ist es offenbar nicht nur in der Luft wohl. Was er stellvertretend für die Rega verstanden hat: Dass diese Mission im HB für das Image ebenso wichtig ist wie jeder einzelne der 12'573 Helikoptereinsätze im vergangenen Jahr. Zeigen, was man hat, wer man ist, wie man arbeitet. Viele sprechen von «meinem Heli», erzählt Ferrari. Jeder Gönner sehe sich als Teil der Rega. Identifikation und Faszination, so funktioniert die Rega. In der Luft und am Boden.

Finanziert mithilfe von Gönnerbeiträgen: So kam der Rega-Helikopter in den HB. Video: Jasmine Brönnimann

Noch bis am Samstagabend kann der Heli im HB von Nahem bestaunt werden. Er ist einer von sieben H145 der Rega, die gemeinsam die Mittellandflotte bilden, stationiert in Dübendorf. Mittellandflotte! Dieser Name ist ein Beleidigung für das moderne, dynamische Fluggerät, das hier steht. Mittellandflotte ist so plump – sogar der kleine rote Feuerlöscher hinter dem Pilotensitz ist dynamischer designt! Oder die beiden Kabelschneider ober- und unterhalb der Cockpit-Scheiben.

Das Eleganteste am Helikopter, sagt Adrian Ferrari, sei sowieso sein Verhalten in der Luft.

An einem Helikopter ist irgendwie alles gut. Das hängt wohl mit der maximalen Gewichtsreduktion und der absoluten Funktionalität zusammen, die der H145 vereint. Das Eleganteste am Helikopter, sagt Adrian Ferrari, sei sowieso sein Verhalten in der Luft. Wenn er schwebt, wenn er dort landet, wo eigentlich kein Platz zum Landen ist.

Aber auch am Boden reizt es, über die glänzenden Rundungen zu streichen. Den Finger in die wenigen Millimeter zwischen Heckrotor und Verkleidung zu schieben, um so die Präzision zu spüren. Wenn man alleine wäre, würde man wohl nach den Spitzen der Rotorblätter greifen, fachmännisch dreinschauen und die Elastizität prüfen.

Rot-weisse Absperrbänder schützen den Heli vor allzu viel Liebe seiner Fans.

Man ist nicht alleine. Zudem schützen rot-weisse Absperrbänder den Heli vor allzu viel Liebe seiner Fans. Die sind in der Schweiz zahlreich: 3,5 Millionen Gönnerinnen und Gönner unterstützen die Rettungsflugwacht. Im HB bleiben die Leute stehen, zücken ihre Smartphones, Selfie mit Pilot Alex Itin.

Wenn der neue Heli der Superheld der Lüfte ist, dann ist Itin sein Sidekick. Und vielleicht auch sein grösster Fan. Er lobt das aufgeräumte Cockpit mit seinen drei grossen Bildschirmen, die moderne Grafik der Anzeigen, den 4-Achsen-Autopiloten, der neben Höhe und Richtung auch Geschwindigkeit und Leistung für den Piloten regelt. Das beste aber: Die zwanzig Prozent mehr Leistung – «die spürt man physisch, und das ist ein gutes Gefühl.» Wie gut es sich anfühlt, wurde Itin die beiden vergangenen Tag bewusst: Weil HB-ZQI für den HB vorbereitet wurde, musste Itin eine alte Maschine fliegen.

Mit einem einzigen Motor schweben

Was zwanzig Prozent bedeuten: Bei voller Ladung im Hochsommer, etwa wenn man ein Frühgeborenes im Inkubator oder eine Patientin an der Herz-Lungen-Maschine transportiert, fliegt man nicht am Leistungslimit. Oder: Wenn einer der beiden 900-PS-Motoren ausfällt, kann der Pilot den Heli noch eine halbe Minute in der Schwebe halten. «Mehr Reserve bedeutet mehr Sicherheit», fasst Itin zusammen.

Macht die Rega denn nicht per se guten Fluglärm?

Itin hat sich einen Bubentraum erfüllt: Rega-Pilot. Dass er seinen Traum lebt, dafür braucht man ihm bloss zuzuhören. Die Faszination des Fliegens sei das eine, erklärt er, die Faszination für den Helikopter das andere. «Auto, Zug, Flugzeug, Schiff», sagt er, «ihnen allen ist diese Dynamik nach vorne gemeinsam.» Der Heli hingegen, der bewege sich in alle Dimensionen, könne sogar schweben.

Was beim neuen Helikopter auffällt, ist der verkleidete Heckrotor. Ungewöhnlich. Viel leiser sei er dadurch, erklärt Itin. Ist das wichtig? Macht die Rega denn nicht per se guten Fluglärm?

Erstellt: 15.03.2019, 17:02 Uhr

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