Mini, aber oho

Wie viele Briefmarken gibt es auf der Welt? Welche ist die teuerste und welche die älteste? Wir liefern die Antworten.

Eine von «wohl rund 1,5 Millionen» Marken, die es auf dem Blauen Planeten gibt. Foto: Urs Jaudas

Eine von «wohl rund 1,5 Millionen» Marken, die es auf dem Blauen Planeten gibt. Foto: Urs Jaudas

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«Was unsere Leserschaft immer schon übers Briefmarkensammeln wissen wollte, aber bisher nicht zu fragen wagte» – dies war die hehre, aber natürlich viel zu steile (sprich absolut unrealistische) Zielvorgabe für unseren Abstecher ins Reich der Philatelie.

Dennoch können wir versprechen: Das, was Sie in den nächsten Tagen zu diesem Thema zu lesen und zu sehen bekommen, wird erfreulich, erheiternd, erstaunlich oder gar erschütternd sein – selbst dann, wenn sich Ihnen die Faszination, die der kontemplative Zeitvertreib auf gewisse Ihrer Mitmenschen ausübt, nie wirklich erschlossen hat.

Los geht es mit diesem kleinen Lexikon, das – analog zu den bisherigen sommerlichen Szene-Reflexionen (die Sie hier in gesammelter Form finden) – keine begriffliche Vollständigkeit anstrebt, sondern Zahlen und Fakten präsentiert, die nachvollziehbar machen, warum wir uns speziell in dieses Milieu vertiefen.

Voilà, und jetzt rein in die eigen(artig)e Welt dieser Dinger, die zwar mini, aber dennoch «oho!» sind.

  • Gesamtmenge, die

Wenn selbst die Profis der Philatelie Walter neben dem Fachwissen auch noch Kataloge und die Rechenmaschine hervorholen müssen, um der tatsächlichen Zahl zumindest auf die Spur zu kommen, ist klar: Die Frage war ein Volltreffer. Sie lautete: Wie viele verschiedene Marken gibt es auf dem Blauen Planeten? Nach viel Diskussion und Kalkulation einigt man sich auf «wohl rund 1,5 Millionen». Fakt ist: Jede Marke hat ihre eigene Katalognummer, jährlich werden in den weltweit 220 Herausgebergebieten (die oft länderübergreifend sind; zudem gibt es auch nicht geografische Gebiete wie beispielsweise die UNO) gegen 15000 neue Postwertzeichen ausgegeben.

  • Lanz, Danielle

Danielle Lanz, renommierte und rege preisgekrönte Werberin der Zürcher Agentur Ruf Lanz, stellte ihre Kreativität schon Mitte der 1980er-Jahre unter Beweis: In der von Mani Hildebrand und Ursi Spaltenstein moderierten Sendung «Sonntagsmagazin» im Schweizer Fernsehen gewann sie einen Preis in einem jugendlichen Erfinderwettbewerb. Ihre revolutionäre Idee: eine Marke, die nur aus gezacktem Rand und einer weissen Fläche bestand, auf die frau/man ein eigenes Sujet zeichnen konnte.

  • Philatelie, die

Philatelie ist abgeleitet von den griechischen Begriffen «phílos» (der Freund) und «ateles» (lastenfrei). Seit Einführung der Briefmarke 1840 ist der (Brief-)Freund von der Portolast befreit.

  • Sprüche, die

Dass man nicht eben viele Aphorismen, Bonmots oder Witze übers Briefmarkensammeln kennt, ist Indiz für einen gewissen Wertkonservatismus in dieser Szene. Dies bestätigt auch Ingomar R. Walter, der sagt, das gesellige Zusammensein sei in Philatelistenkreisen weitverbreitet, «doch eine Spassgesellschaft sind wir nicht, Sauglattismus und Schenkelklopferei sind uns fremd». Hier jene drei Sprüche, Zitate & Co., die wir, ohne zu tief zu graben, gefunden haben. 1. «Ich bekomme jetzt meine eigene Briefmarke. Dann werde ich von Mil­lionen abgeleckt.» (Cate Blanchett, australische Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin) 2. «Ravioli sehen aus wie schwangere Briefmarken.» (aus einer Witzsammlung) 3. «Sei wie eine Briefmarke. Bleib an einer Sache dran, bis du am Ziel bist.» (Josh Billings, amerikanischer Humorist und Schriftsteller)

  • Teuersten, die

Alt, schön, wertvoll? Laaaangweilig! Wer anno 2019 Aufmerksamkeit will, muss Superlative auf den Tisch knallen und die Crème de la Crème drüberschütten. Da Aufmerksamkeit unser täglich Brot ist, gibts hier das Podest der aktuell teuersten postalischen Wertzeichen der Welt. 3. Die ersten zwei Marken von Mauritius, 1847 während der britischen Kolonialisierung herausgegeben. Sie zeigen Königin Victoria. Wert: je über 1 Million Euro. 2. The Treskilling Yellow. Schwedischer Fehldruck von 1855; eigentlich sollte sie blau-grün sein. Man nimmt an, dass davon noch ein Exemplar existiert. Wert: über 2,1 Millionen Euro. 1. British Guiana 1c Magenta. Ersatzdruck von 1856, als Massnahme gegen eine verspätete Markenlieferung, um den Postverkehr auf der Kolonialinsel garantieren zu können. Einzelstück, Wert: 9 Millionen Euro.

  • Wertanlage, die

«Es besteht die Möglichkeit, mit Kenntnis und Qualität über einen langfristigen Zeitraum Geld zu verdienen»: So lautet die druckreife Antwort von Ingomar R. Walter auf die Frage, ob eine gut bestückte Briefmarkensammlung als Wertanlage dienen könne.

  • Zürich

«Die Zürcher hatten die Zeichen der Zeit erkannt», sagt Ingomar R. Walter. Was er meint: dass Orell Füssli am 1. März 1843 im Auftrag der Regierung Serien von 4- und 6-Rappen-Marken ausgab. Es sind nach der englischen «Penny Black» (1840) die zweit- und drittältesten Marken der Welt.

Erstellt: 12.08.2019, 08:49 Uhr

In Zahlen

23 bis 25 Mrd. Franken ist der geschätzte Gesamtumsatz pro Jahr, der mit Briefmarken im steuertechnisch erfassten Handel (Geschäfte, Auktionen, Poststellen, Online-Versandhandel) erzielt wird. Nicht eingerechnetist der Handel unter Privatpersonen.

5,1 Millionen ist die ebenfalls geschätzte Zahl euro­päischer Briefmarkensammler. Das entspricht rund einem Prozent der 508 Millionen EU-Bürgerinnen und -Bürger.

Wir Szenis: Markensammler

Mittelalterfreaks, Outdoorsportlerinnen, Markensammler, Blüttler: Während der Sommerferien tauchen wir in Zürcher Szenen ein und beleuchten sie von ­verschiedenen Seiten. Bleiben Sie à jour unter www.szene.tagesanzeiger.ch.

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