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Mit dem Auto in die Schalterhalle

Vor 50 Jahren erhielt die Zürcher Bahnhofstrasse ihren ersten Bancomaten. Weniger langlebig: Die Drive-in-Bank.

Die Autobank der Schweizerischen Kreditanstalt, heute CS, wurde im Juni 1962 an der St.Peterstrasse 17 beim Paradeplatz eröffnet.
Die Autobank der Schweizerischen Kreditanstalt, heute CS, wurde im Juni 1962 an der St.Peterstrasse 17 beim Paradeplatz eröffnet.
Credit Suisse Archiv
In der Schalterhalle standen den motorisierten Kunden acht Schalter zur Verfügung. Einer davon war eigens für rechtsgesteuerte Fahrzeuge eingerichtet worden.
In der Schalterhalle standen den motorisierten Kunden acht Schalter zur Verfügung. Einer davon war eigens für rechtsgesteuerte Fahrzeuge eingerichtet worden.
ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv
Einen «Auto-Schalter», eine Art Vorläufer der späteren Autobank, hatte die SBG bereits 1959 in Wiedikon eröffnet.
Einen «Auto-Schalter», eine Art Vorläufer der späteren Autobank, hatte die SBG bereits 1959 in Wiedikon eröffnet.
UBS AG, Langzeitarchiv
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Es war ein denkwürdiger Moment: Am 1. November 1967 konnte man bei der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) an der Zürcher Bahnhofstrasse erstmals Geld an einem Bancomaten beziehen – zu jeder Tages- und Nachtzeit, also auch unabhängig von den Öffnungszeiten der Schalter. Die Geldautomaten erwiesen sich als durchschlagender Erfolg und sind heute nicht mehr wegzudenken.

Bereits fünf Jahre zuvor, im Juni 1962, hatte der Bankenplatz Zürich, der damals einen rasanten Aufschwung erlebte, mit einer anderen Neuerung für Aufsehen gesorgt: Die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) – heute Credit Suisse – hatte an der St. Peterstrasse 17 beim Paradeplatz eine Autobank eröffnet: Kunden konnten direkt mit dem Wagen an einen bedienten Bankschalter vorfahren, um vom Auto aus Geld abzuheben oder andere Bankgeschäfte zu tätigen.

Leitlichter am Boden

«Sie fahren von der Bahnhofstrasse, Talacker oder Nüschelerstrasse an die St. Peterstrasse 17», hiess es in Werbe­inseraten. «Vom Eingang der Autobank führen Sie Leitlichter am Boden vor einen der acht Schalter. Sie geben dem Bankbeamten von Ihrem Sitz aus via Gegensprechanlage Ihre Wünsche bekannt. Eine Gleitkassette nimmt Dokumente, Checks, Geld usw. entgegen und bringt das Gewünschte wieder vor Ihr Wagenfenster. Rohrpostverbindung mit der Hauptbank und Checkkontrolle durch Fernsehen erlauben eine schnelle Erledigung aller Bankgeschäfte.»

In der Schalterhalle umkreisten die Fahrzeuge im Einbahnverkehr den in der Mitte angelegten Glaspavillon mit den acht Bankschaltern. Sieben Schalter gab es für linksgesteuerte Fahrzeuge und einen speziell für rechtsgesteuerte, wie die NZZ bei der Eröffnung berichtete. Der Schalterraum war voll klimatisiert und speziell gesichert: «Die Autobankbeamten und -beamtinnen dürfen sich hinter den 35mm dicken, kugelsicheren Panzerfenstern sicher fühlen», so die NZZ. Für sie brachte die Autobank «einen neuen Akzent ins soziologische Bild unserer Stadt».

Auslöser: Mangel an Parkplätzen

«Der Drive-in-Schalter der SKA war die erste Autobank der Schweiz und zugleich die damals grösste und modernste Anlage Europas», schreibt der Historiker ­Joseph Jung in seiner 2000 erschienenen Geschichte der Schweizerischen Kreditanstalt. Die für die Schweiz revolutionäre Neuerung habe einem echten Bedürfnis entsprochen. Zahlreiche Kunden hätten der SKA gegenüber den Wunsch geäussert, «wegen des Mangels an Parkplätzen im Geschäftszentrum Zürichs ihren Verkehr mit der Bank ohne Verlassen des Automobils abwickeln zu können».

Die Konkurrenz liess nicht lange auf sich warten. 1962 eröffnete auch die Schweizerische Bankgesellschaft (heute UBS), die im Quartier Wiedikon versuchshalber bereits 1959 einen einzelnen Autobankschalter installiert hatte, an der Nüschelerstrasse 9, also unweit von der SKA, eine eigene innerstädtische Autobank mit fünf Schaltern.

Grosse Zukunft prophezeit

«Mit der fortschreitenden Motorisierung und der zunehmenden Parkierungsnot in der Innenstadt dürfte die Autobank in Zukunft noch erheblich an Bedeutung gewinnen», gab sich die SKA in einer Broschüre in den 1960er-Jahren zuversichtlich.

Damit sollte sie falschliegen. Im Gegensatz zu den Bancomaten setzte sich die Autobank nicht durch: Zwar erfreute sie sich anfangs eines regen Publikumszuspruchs, wie Historiker Jung schreibt; im ersten Betriebsjahr wurde sie von rund 20'000 Automobilisten aufgesucht. «Schätzungsweise 10 Prozent der Schalterkunden benützen heute die Autobank, deren Leistungsfähigkeit allerdings noch bei weitem nicht ausgelastet ist», hielt die SKA damals fest.

1983 war Schluss

Verändertes Kundenverhalten und die «zusehends prekärer werdende Verkehrssituation in der Zürcher Innenstadt» relativierten laut Jung seit den 1970er-Jahren den Erfolg der Autobank. 1983 gab die SKA das unrentabel gewordene Projekt auf. Bereits zwei Jahre zuvor hatte die UBS ihre Autobank geschlossen.

So wurden die Drive-in-Banken zu Opfern des rasanten Wandels in der Bankenwelt, wo heute das Onlinebanking den Takt vorgibt. Spuren der damaligen Autobanken sind keine mehr vorhanden, wie es bei Credit Suisse und UBS heisst: Beide Filialen wurden zu Konferenzräumen umfunktioniert – zum Forum St. Peter bei der CS, zum Konferenzgebäude Grünenhof bei der UBS.

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